So gelingt Biathlon an einem Regentag

Hier in der Dornröschen-Stadt an der nordhessischen Märchenstraße erlebten wir im vergangenen Jahr am 2. Advent bei einem heftigen Schneeeinbruch und ohne Zeltüberdachung eine durchaus intensivere Begegnung mit echten

„Wintermärchen“ in Hofgeismar 2017

Wintersportbedingungen als gewünscht. Die Thoraxtrainer-Loipen versanken im Schnee und Schneeflocken setzten sich vor die Laser der Biathlongewehre und verhinderten so manche Trefferanzeige. Während ganz Hofgeismar seinerzeit vor dem heimischen Ofen sitzen blieb, kämpften 4 Staffeln der Karnevalsgesellschaft Goldene Elf und der JUZ Hofgeismar in geradezu familiärer Atmosphäre um die 1. Hofgeismarer Biathlonstaffel Stadtmeisterschaft.

Seit heute ist uns klar, dass es wohl genau so kommen sollte und das damalige „Wintermärchen“ nur der Auftakt war zu einem tollen Biathlonfest mit 10 Staffelteams, sympathisch motivierten Wettkämpfern, begeisternd unterstützenden Zuschauern und das alles an einem recht trüben, stürmischen und regnerischen 2. Advent. Welcher Prinz sie wachgeküsst hat, die Hofgeismarer, das wissen wir nicht, aber er muss es leidenschaftlich gemacht haben.

Handfeste Gründe für das Gelingen

Natürlich lässt sich der schöne Erfolg mit dem 2. Hofgeismarer Biathlon auch rationaler erklären.

Die Stiftsmeister aus dem Hofgeismarer Rathaus. Bürgermeister Markus Mannsbarth (blaue Jacke) unterstützt Nina Binder.

So kümmert sich auf Seiten der Gastgeberin des heutigen Tages, der Stadt Hofgeismar, mit Regine Gundermann eine höchst engagierte Organisatorin um das Biathlonevent. Seit Wochen ist die Anmeldung zur Staffelmeisterschaft über die homepage der Stadt unkompliziert und gut auffindbar möglich. Das Marketing mit Plakaten war in der Stadt kaum zu übersehen und 2 Teams aus dem Rathaus konnten sich dem sympathischen Werben der Organisatorin kaum entziehen. Eine davon zieht, nomen est omen, als „Hofgeismars allerletzte Reserve“ in den Wettbewerb.

Einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen dieser Etappe leisten Hofgeismars Stimmungskanonen.

Die Goldene Elf feuert ihren Vorsitzenden, Erwin Aßhauer, an.

Die Karnevalisten ließen sich bereits 2018 nicht zweimal bitten und waren zur Premiere mit 3 Teams dabei. Es macht einfach Laune, wenn sympathische, aufgeräumte Menschen mit einer Fröhlichkeit im Herzen dabei sind. Und die Truppe um ihren Vorsitzenden Erwin Aßhauer ist auch in diesem Jahr wieder mit 3 Teams dabei. Dabei werden sie unterstützt von einer wunderbar lautstarken Narrenclique. Seit Hofgeismar möchten wir bei jeder unserer Staffelmeisterschaften die lokalen Karnevalisten dabei haben.

Die Teamchampions der JUZ Hofgeismar ist eine Institution in der Stadt. Auch sie sind wieder dabei und mehr noch, haben mit der Jungschar sogar ein zweites Team gemeldet. Heute sehen wir, dass das JUZ-Team mit eigens gedruckten Pullis „Biathlonstaffel-Stadtmeister 2017“ an den Start geht. Solche Verbundenheit entsteht oder eben nicht. Es ist eine Qualität, wenn Menschen sich gewinnen lassen.

Senior aller Etappensieger: Reinhold Kersten

Der Senior aller bisher 130 Etappensieger der Biathlon-Tour ist Reinhold Kersten, der die Etappe 2017 in Hofgeismar gewann und am Finale 2017 an der Veltinsarena teilnahm. Der 75-jährige Junggebliebene hat sich einige Begeisterungsfähigkeit erhalten und klar hat auch er Wort gehalten und seine Seniorentruppe für die Staffelmeisterschaft gewonnen. Es sind sogar 2 Teams geworden. Und so starten wir am Nachmittag in einen

Senior 2018: Julius Lieber (81)

Wettkampf, dessen Jüngste, Lina Kunath aus der Prinzengarde gerade 15 Jahre und dessen Senior, Julius Lieber 81 Jahre Lebenserfahrung mitbringen. Auch das empfinden wir als wichtige Qualität, dass der Jedermann-Biathlon zum Einen auch bei den Wettkämpferinnen beliebt ist und er ein Event quer durch alle Generationen ist. Welches Cityevent kann so etwas bieten?

Einzelsieger und Staffel-Stadtmeister

Neben dem Staffelstadtmeister wird auch die oder der beste Biathlet des Tages gekürt. An diesem letzteren Wettbewerb kann jeder Gast des Weihnachtsmarktes auch ohne vorherige Anmeldung ganz spontan, kostenlos und ohne lange Wartezeit von 12 – 14.45 und von 17 – 18 Uhr  teilnehmen. Auch alle Einzelleistungen der Staffelwettkämpfer gehen in die Einzelwertung ein. Für den Einzelsieger bringt die Biathlon-Tour ihren Hauptpreis mit nach Hofgeismar, denn der Champion gewinnt den Aufenthalt für 2 Personen am 26./27. Januar in Ruhpolding und bestreitet dort das Finale aller Etappensieger in der bekannten Chiemgau-Arena. Olympiasieger Fritz Fischer macht Hofgeismars Champion dabei auf Skiern und am Kleinkalibergewehr fit. Hotelübernachtung und Hüttenabend für Zwei runden den Preis ab. Der Preis hat Anziehungskraft und so treten in Hofgeismar auch zwei Wettkämpfer an, die vor 3 Wochen bei der Etappe im Kasseler dez-Einkaufszentrum knapp den Sieg verpasst haben. Matthias Blaschke und Patrick Pöhler sind auch heute in Hofgeismar weit vorne in der Einzelrangliste und liefern sich ein spannendes Finnish um den Sieg. Doch auch ein Karnevalist kann mithalten. Doch der Reihe nach.

Die Staffelmeisterschaft

In 5 Duellen ermitteln die 10 vierköpfigen Staffeln zwischen 15 Uhr und 16:30 Uhr die 2 schnellsten Teams, die um 16:45 Uhr im Finale um den Stadtmeistertitel kämpfen. Vor den 5 Schüssen Stehendschießen aus 10 m Entfernung auf 45 mm-Ziele steht für jeden Wettkämpfer die Strecke auf dem Skilanglauf-Cardiogerät, Thoraxtrainer, auf dem Programm. Darauf werden in der klassischen Doppelstocktechnik von den Männern 400 m und von den Frauen 300 m zurückgelegt. Fehlschüsse werden mit 15 „Strafsekunden abgebrummt“. Nach der Vorstellungsrunde aller Teams geht es um 15 Uhr los.

Rennen 1: Hofgeismars allerletzte Reserve vs. Urwaldelfen der Goldenen Elf

2. Platz im 1. Rennen: Hofgeismars allerletze Reserve

mit Ina Plaum, Tobias Böker, Lea Keßler, Marvin Tolle in 16:39 Minuten werden die Vier aus dem Rathaus achtbestes Team. Sportlich machen sie auf dem Thoraxtrainer eine gute Figur. Marvin Tolle ist in 2:37 Minuten der Schnellste des Quartetts. Wenn doch nur das Schießen nicht wäre…Mit 3 Treffern bei 20 Schüssen teilen sich beide Rathausteams die „Friedensmedaille“. Die tatsächlich allerletzte Reserve könnte mit einem Schießtraining vor der Stadtmeisterschaft 2019 möglicherweise zu heben sein?

Sieger im 1. Rennen und Finalist: Die Urwaldelfen

in 14:40 Minuten
mit Karl-Heinz Hanf, Yannik Heib, Jonas Böttner, Erwin Aßhauer.
Im vergangenen Jahr mussten sich die Urwaldelfen mit dem Platz hinter ihren Jecken Weibern begnügen, doch in diesem Jahr geht’s mit der zweitschnellsten Zeit der 10 Teams bis ins Finale. Bester Schütze des Teams in diesem Vorlauf ist Karl-Heinz Hanf mit 3 Treffern. Der Schnellste: Erwin Aßhauer in 2:40 Minuten. Im Finale können sie sich nochmals steigern. Doch dazu weiter unten mehr.

Rennen 2: Prinzengarde 2 vs. Die Jungschar des JUZ

2. Platz im 2. Rennen: Prinzengarde 2

in 16:07 Minuten
mit Marit Wiegand, Yannik Heib, Julia Eisenkrein, Justine Kunath. Sie erreichen den 6. Platz unter den 10 Teams. Großartig ist die Leistung von Marit Wiegand, die mit 4 Treffern beste Schützin des Teams und zugleich die beste Wettkämpferin des Tages wird und unter allen Wettkämpfern den 9. Platz belegt. Sogar noch 20 Sekunden schneller als Marit, aber mit einem Treffer weniger, macht auch Justine Kunath ein starkes Rennen. Yannik Heib springt für Alina Stahl ein und schießt sich schon mal für das Finale ein. Julia Eisenkrein schaut am Biathlongewehr mit dem falschen Auge und damit an Kimme und Korn vorbei. Einfach bei Marit nachfragen.

Sieger im 2. Rennen und Bronze für die Jungschar des JUZ

in 15:08 Minuten
mit Marla Flott, Sophia Longwe, Johannes Baumann, Sören Wanke.
Neben dem Team der Jugendarbeit Hofgeismar das einzige Team, bei dem alle 4 Wettkämpfer Treffer beisteuern. Bester Schütze mit 3 Treffern und zugleich Schnellster des Quartetts in 2:28 Minuten ist Johannes Baumann als 12. der Einzelwertung. Wer hätte das gedacht, dass die Jungschar im hausinternen Wettstreit die Nase vorne hat.

Das 3. Rennen: TSG-Jedermänner 1 vs. JUZ Hofgeismar

2. Platz im 3. Rennen: TSG-Jedermänner 1

in 16:24 Minuten
mit Ernst Dieter Irrmann, Gert Behme, Andreas Humburg, Reinhold Kersten. Das Team des letztjährigen Etappensiegers belegt Platz 7. Zusammen erzielen die Vier 7 Treffer. Allein 4 davon bringt der erfolgreiche Luftpistolenschütze, Ernst Dieter Irrmann, ein und belegt damit in der Einzelwertung mit 3:53 Minuten Platz 8. Die weniger Treffsicheren sind die Schnellsten im Team: Andreas Humburg in 2:46 Minuten und Gert Behme, der frühere Oberliga-Handballtorwart, mit 2:50 Minuten. Zwei sehr sportliche Leistungen. Reinhold Kersten bleibt in diesem Rennen mit seinen 2 Treffern etwas unter Wert. In der letzten Etappenstunde tritt er nochmal an und holt sich mit 4 Treffern einen Top10-Platz in der Einzelrangliste.

Sieger im 3. Rennen und Gesamt-Vierter: JUZ Hofgeismar

in 15:26 Minuten
mit Markus Schneider, Felix Pötter, Yannik Rabe, Lukas Bormann.
Lukas Bormann erkämpft zwar in der letzten Runde den Duell-Sieg gegen die Jedermänner, doch die 15:26 Minuten reichen dem Vorjahreschampion nicht zum erneuten Finaleinzug. Felix Pötters starke 4 Treffer in 3:04 Minuten, mit denen er 7. in der Einzelwertung wird bringt das JUZ-Team auf Kurs, aber am Ende fehlt ein Quentchen Tempo und Treffsicherheit. Toll, wie das Team um JUZ-Leiter Markus Schneider trotzdem mit ansteckend guter Laune weiterhin an der Biathlonarena bleibt und mit Kuhglockengeläut und Anfeuerung klar ins Stimmungsfinale einziehen, gemeinsam mit der Goldenen Elf.

Das 4. Rennen: Prinzengarde 1 vs. Team Jugendarbeit Hofgeismar

2. Platz im 4. Rennen: Prinzengarde 1

in 16:03 Minuten
mit Lina Kunath, Michael Hotz, Dagmar Hotz, Jonas Böttner, Marit Wiegand.
In der 2. Runde lässt Michael Hotz, der Sitzungspräsident der Goldenen Elf nach 250 m die Stöcke los, fasst mit der Hand in den Herzbereich und signalisiert es geht nicht mehr. Schrecksekunde. Zum Glück ist es nur der fehlende Atem, der ihn zum Aufgeben zwingt. Rasch springt Marit Wiegand für ihn ein. Beim Jedermann-Biathlon darf man in einer solchen Situation auch mal ein Auge zudrücken und das zum Quintett gewordene Team mit seinem 5. Platz dennoch in die Wertung nehmen. Marit bestätigt ihre 4 Treffer und auch Karnevalsprinz Jonas Böttner, der bei der Prinzengarde als Schlussläufer aushilft, erzielt in diesem Rennen mit 4 Treffern in 2:56 Minuten sein bestes Ergebnis und belegt den 5. Platz in der Einzelwertung.

Sieger im 4. Rennen und Finalist: Team Jugendarbeit Hofgeismar

in 14:31 Minuten
mit Tobias Schnürer, Niklas Tegner, Max Metje, Daniel Klein.
Mit dem besten Schießergebnis (10 Treffer mit 20 Schüssen) und der besten Zeit aller 10 Teams zieht das Team der Städtischen Jugendarbeit ins Finale ein. Ihr Leiter, Niklas Tegner, ist zugleich der Beste des Quartetts mit 4 Treffern und 2:42 Minuten. Niklas erreicht den 4. Platz in der Einzelwertung. Doch die Finalteilnahme ist ein Produkt der Ausgeglichenheit des Teams. Alle vier steuern mindestens 2 Treffer bei. Die „Überstunde“ im Finale haben sich die „Lamettajungs“ selbst eingebrockt.

Das 5. Rennen: TSG-Jedermänner 2 vs. Stiftsmeister

2. Platz im letzten Rennen: Die Stiftsmeister

in 19:51 Minuten
mit Nina Binder, Markus Mannsbarth, Diana Klinter, Martin Neth.
Wie schön, dass der Bürgermeister, Markus Mannsbarth im Team der Stiftsmeister mitkämpft. Wir freuen uns über diese Anerkennung für die Biathlon-Tour. So ganz geheuer ist ihm das Ungetüm „Thoraxtrainer“ nicht, aber in 3:24 Minuten ist er der Schnellste seines Teams. Aber hoffentlich muss das Hofgeismarer Rathaus niemals verteidigt werden. Vielleicht sollten unsere Rathaussportler ihren Liebsten auf dem nächsten Hofgeismarer Viehmarkt mal Rosen schießen? Dann holt das Stift die Meisterschaft möglicherweise noch nach?

Sieger im letzten Rennen: TSG-Jedermänner 2

in 18:50 Minuten
mit Karl-Heinz Pairan, Dirk Prescher, Peter Dörr, Julius Lieber.
Wer Stiftsmeister schlägt kann stolz auf sich sein. Den größten Anteil daran hat mit 3 Treffern Karl-Heinz Pairan. Der Schnellste des Quartetts ist Peter Dörr in 2:41 Minuten, einer sehr sportlichen Zeit. Einen Sonderapplaus verdient sich Julius Lieber, der mit seinen 81 Jahren bravourös die 400 m-Strecke auf dem Thoraxtrainer bewältigt. Da hatten viele Jüngere deutlich mehr Mühe. Die TSG-Jedermänner waren eine tolle Bereicherung dieser Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft.

Das Finale der Staffel-Stadtmeisterschaft

Die beiden besten Teams, Jugendarbeit Hofgeismar und die Urwaldelfen einigen sich auf ein verkürztes Finale mit 300 m-Abschnitten. Doch auch, wenn man die wegfallenden 4 x 100 m einbezieht, zeigen beide Teams in diesem Finale eine nochmals deutlich bessere Leistung als in ihren gewonnenen Vorläufen. Diese Motivation ist ebenso ein Detail eines gelungenen Biathlontages, wie der Durchhaltewille der Schaulustigen. Immerhin ist es längst dunkel geworden und durchaus ungemütlich, doch auch manche ausgeschiedene Staffel wohnt dem Finale noch bei. Hier kommt es zum Duell der Startläufer, Erzieher Tobias Schnürer für die Jugendarbeit und Karl-Heinz Hanf vom Männerballett  der Urwaldelfen. Während Karl-Heinz einen kleinen Vorsprung herausläuft setzt Tobias mit 3:2 einen Treffer mehr. Mit nur 5 Sekunden Vorsprung geht die Jugendarbeit in die 2. Runde.

In der 2. Runde vergrößert der Leiter der Jugendarbeit, Niklas Tegner, den Vorsprung gegen Urwaldelfe Yannik Heib, der in seinem 3. Einsatz des Tages nun etwas müde wird, um 40 Sekunden. Dabei setzt Niklas einen Treffer mehr als Yannik, der dennoch mit 2 Treffern sein bestes Schießergebnis in seinen drei Rennen erreicht.

Der Prinz der Goldenen Elf, Jonas Böttner kämpft auf dem Thoraxtrainer darum, den Rückstand zu verringern, während Fußballer Max Metje am Biathlongewehr für die Jugendarbeit keine Nerven zeigt und wie seine Kollegen 3 Treffer beisteuert. Jetzt bräuchte Jonas so ein gutes Schießen, wie er es eben mit 4 Treffern für die Prinzengarde hinlegte. Doch es werden in diesem Finale „nur“ 2 Treffer und die Verärgerung ist dem Karnevalsadeligen einen Moment lang deutlich anzusehen. Der Vorsprung der Jugendarbeit vor der Schlussrunde beträgt nun 62 Sekunden.

Doch auch der Schlußläufer der Städtischen Jugendarbeit, Daniel Klein, Leiter der Jugendförderung des Kreises Kassel, gibt sich keine Blöße, läuft zügig seine 300 m und schießt im schnellen Rhythmus solide 2 Treffer, so dass der Vorsitzende der Goldenen Elf, Erwin Aßhauer, nicht mehr herankommen kann. Doch dennoch sind diese letzten Sekunden des Staffelfinals sicher das emotionale Highlight des Tages. Erwin, dessen Frau Dagmar im vergangenen Jahr mit 4 Treffern die beste Schützin der Goldenen Elf war, setzt mit dem 1. Schuss seinen ersten Treffer und es  brandet der erste Jubel auf. Dieser scheint den Vorsitzenden zu beflügeln, es folgt Treffer 2 und lauterer Jubel. Treffer 3 und noch lauterer Jubel. Moment, bisher zeichnete sich Erwin nicht als Meisterschütze aus, was ist hier los? 4 Schuss. Der Jubel ersetzt längst die Treffererkennung. Sollte Erwin mit dem letzten Schuss des Teamwettbewerbs das einzige fehlerlose Schießen aller Staffelwettkämpfer hinlegen und sich Platz 2 in der Einzelwertung holen? Ein letzter Jubel wird zum Orkan und ist das perfekte Ende dieser herrlich stimmungsvollen Teamchallenge. Kleiner Wermutstropfen: Von Erwins Schüssen haben wir keine Bilder vorliegen, wahrscheinlich war Harry, unser Fotograf, ebenfalls gebannt. Klar gibt’s für den Vorsitzenden das Shootingstar-T-Shirt für alle fehlerlosen Wettkämpfer der Biathlon-Tour und wenig später der Cup für den Vizetitel, während die Vier der Städtischen Jugendarbeit für den Titel des Biathlonstaffel-Stadtmeisters 2018 geehrt werden. Ebenfalls auf dem Treppchen, das mittlerweile wieder im Starkregen schwimmt, die Jungschar der JUZ, die noch vor Ort ist.

Wer wird der Tagesbeste?

Rund 30 Minuten bietet diese 30. Etappe der Biathlon-Tour in Hofgeismar nach der Staffelmeisterschaft nun allen Ehrgeizigen und Kämpfern noch die Gelegenheit, in den Endspurt um den Etappensieg aktiv einzugreifen. Die 38 Staffelwettkämpfer haben es nicht vollbracht, den führenden Feuerwehrausbilder und militärischen Fünfkämpfer, Matthias Blaschke, von der Spitzenposition zu verdrängen, die er seit dem Mittag mit seinem fehlerlosen Schießen und der Zeit von 2:27 Minuten inne hat. Deutlich schneller als Matthias war, ebenfalls bereits am Mittag, Patrick Pöhler aus Paderborn, dem mit seinen 2:01 Minuten nur ein einziger Fehlschuss die Etappenführung verwährte. Ein ähnliches Tempo, wie der Führende, schafften im Staffelwettbewerb der Hamdballer Felix Pötter aus dem JUZ-Team in 2:27 Minuten und Johannes Baumann von der JUZ-Jungschar in 2:28 Minuten, beide jedoch mit 3 statt 5 Treffern. Von den Einzelstartern vor der Staffelmeisterschaft kam Dennis Gundermann dem Etappenführenden mit 2:29 Minuten sehr nah, doch auch ihm unterliefen durch dieses hohe Lauftempo und den schnellen Schießrhythmus zwei Fehlschüsse. So belegt also Erwin Aßhauer als bester Staffelwettkämpfer mit 3:21 Minuten und 5 Treffern vor dem Etappenendspurt den ersten Verfolgerplatz hinter Matthias Blaschke. Den Endspurt um den Etappenthron und die Reise zum Biathlon-Tour-Finale in die Ruhpoldinger Chiemgau-Arena eröffnet der Titelverteidiger, Reinhold Kersten, mit seinem 3. Wettkampf am heutigen Tag. Die Führung kann er heute nicht mehr erreichen, das weiss der 75-jährige frühere Berufssoldat, aber sein Selbstverständnis rückt er wieder gerade mit 4 Treffern in 4:16 Minuten und dem 10. Platz in der Einzelwertung. Für Felix Pötter, Johannes Baumann und Erwin Aßhauer war die Staffelmeisterschaft das Highlight. Die 3 werden keinen weiteren Anlauf auf den Etappenthron mehr nehmen.

Das Duell zweier positiv Verrückter

So spitzt sich alles auf das Duell der beiden „Gäste“ zu, Matthias Blaschke und Patrick Pöhler. Es muss mal erwähnt werden, die beiden haben gegen 13.30 Uhr ihren Wettkampf gemacht und sind nun um 17.30 Uhr an diesem unwirtlichen 2. Adventssonntag immer noch an der Biathlonarena. Klar motiviert das auch uns vom Biathlon-Team, dass wir immer wieder bei den Etappen solche positiv „Verrückte“ mit dem Biathlon-Tour-Virus infizieren können. Die „verrückte Liste“ von Patrick Pöhler bei der Biathlon-Tour hat ja schon manches Kapitel geschrieben. Etwa im vergangenen Jahr hier in Hofgeismar, als er bis 10 Minuten vor Etappenende auf Platz 1 lag und dann mit dem letzten Wettkampf durch Reinhold Kersten auf Platz 2 verwiesen wurde. Es gehört bei Patrick dazu, dass er in

Patrick Pöhler bei seinem Etappensieg im Dezember 2017 in Hagen

solchen Momenten so gar kein Problem damit zu haben scheint, seinem Bezwinger herzlich zu gratulieren. Da ist kein Groll, kein Hadern oder Verzagen. Typisch, dass er damals rund hundert Kilometer zur nächsten Etappe nach Hagen zurücklegte und dort als Etappensieger sein Finalticket  im dritten Anlauf löste. Auch in diesem Jahr ist es heute sein dritter Anlauf, nach den jeweils schnellsten Etappenzeiten in Paderborn und in Kassel, wo es jedoch beide Male nicht zu 5 Treffern reichte.

Matthias Blaschke am 17.11. im Kasseler dez-Einkaufszentrum

Diese 5 Treffer hat Matthias  Blaschke als Dritter der Etappe in Kassel ebenso bereits geschafft, wie auch heute am Mittag. Der sportlich erfolgreiche 52-Jährige, für den Wettkampfsport auch heute noch zum Alltag gehört, sei es bei Treppen- oder Hindernisläufen oder bei internationalen militärischen Fünfkämpfen, geht in dieses letzte Duell des Tages mit Patrick Pöhler, obwohl er als Führender auch in der Warteposition bleiben könnte. Patrick muss angreifen und das tut er auch. Gewohnt schnell und kraftvoll auf dem Thoraxtrainer, aber doch mit einem Quentchen mehr Reserve, als wir es von ihm kennen. Nach 95 Sekunden wechselt er ans Biathlongewehr während Matthias auf die letzten 90 Meter geht. Sich rund 15 Sekunden Zeit zu lassen vor dem ersten Schuss fällt Patrick schwer. Doch er macht es  und wird zunächst dafür belohnt, trifft mit dem 1. dem 2. dem 3. Schuss. Die Uhr zeigt gerade 2:03 Minuten an. Es wird eng für Matthias Etappenführung, der gerade vom Thoraxtrainer ans Biathlongewehr kommt. Patricks 4. Schuss…trifft. Denkt er jetzt an Kassel? Dort war er vor drei Wochen auch nur diesen einen Schuss vom Etappensieg entfernt und dann machte ein winziger Wackler alles zunichte. Aber es ist ja sein dritter Anlauf und da hat es 2017 auch geklappt. Patrick bleibt unbeirrt, schiesst und…trifft. 2:13 Minuten. Der im letzten Jahr in Hofgeismar kurz vor Schluss Bezwungene holt sich auf die gleiche Weise 2018 hier seinen Etappensieg und kann sich kaum darüber freuen, denn neben ihm kämpft ein enttäuschter Matthias darum, die Enttäuschung nicht so sichtbar werden zu lassen. Wie gut, dass es Dezember ist, die Biathlon-Tour in ihre letzte Woche geht und uns die Absage eines Etappensiegers für Ruhpolding in dieser Woche erreichte. Gäbe es einen besseren Moment, dieses Finalticket als Trostpflaster auf eine Wunde zu kleben, die nun hoffentlich gar nicht erst aufreist. Gerne vergeben wir also heute, passend zum 2. Advent, 2 Finaltickets für zwei, die sie wahrlich verdient haben.

Mit einem herzlichen Dank an alle Wettkämpfer/innen dieses Tages für ihren großen Einsatz, an das begeisterungsfähige Publikum, an den Bürgermeister für seine Zeit, an meine Teamkollegen Daniel und Harry  für höchste Zuverlässigkeit im Wochenrhythmus und an die Organisatorin dieser Etappe, Regine Gundermann, für ihr Vertrauen in die Biathlon-Tour, endet dieser Nachbericht zur 30. Etappe mit der schönen Vorstellung, dass dieser 2. Adventssonntag auch künftig der Termin für ein Hofgeismarer Biathlonspektakel bleibt.

Bilder: Siegward Pein    Text: Martin Bremer

O-Töne

Niklas Tegner, Leiter der Städtischen Jugendarbeit: vielen Dank für die sensationelle Berichterstattung! Generell nochmal ein großes Dankeschön aller Beteiligten. Das Feedback war (bis auf das Wetter) durchgehend positiv. Super Setting, gute Stimmung, tolle Begleitung, spitzen Moderation (und somit Motivation). Hat wirklich Spaß gemacht und somit wären wir nächstes Jahr natürlich gerne wieder mit am Start.