Nachbericht zur 6. Etappe 2018 in Mülheim-Kärlich

Gewerbeparkfest lockt Tausende

Viel Interesse und Spaß am Biathlon

Manchmal sind die Wege kurz. Mit der regionalen Intersport-Größe Krumholz kooperiert die Biathlon-Tour schon seit 2 Jahren erfolgreich beim Weihnachtsmarkt-Biathlon im benachbarten Mayen. Die Krumholz-Zentrale mit Sporthaus und Outdoorgeschäft befindet sich im Gewerbepark in Mülheim-Kärlich. Und als die dortige Projektgemeinschaft WIR in Mülheim-Kärlich nach einem spannenden Mitmachevent für das Gewerbeparkfest suchte, da funktionierte die Mund-zu-Mund-Propaganda zur Freude der Biathlon-Tour.

So kommen wir also an diesem sonnig warmen Frühlingssonntag ins nördliche Rheinland-Pfalz und entdecken hier ein für Deutschland eher untypisches Handelszentrum, das wie eine Mischung aus Stadt und Gewerbegebiet beinahe amerikanisch anmutet. Auf 230 Hektar sind ca. 400 Unternehmen beheimatet und bieten ein attraktives Nebeneinander von Einzelhandel, Fachmärkten und Bewirtung. Mehr als 25.000 Kunden aus der Region strömen täglich herbei und erfreuen sich an der Einkaufsvielfalt ohne Parkplatzprobleme. Am heutigen verkaufsoffenen Sonntag sind es sogar deutlich mehr. Die gut gelaunte Menschenmenge hat Zeit mitgebracht, genießt das schöne Wetter und erfreulich viele haben Spaß an der Herausforderung und starten in ihren Biathlonwettkampf.

Über 80 Wettkämpfer und rund 500 Schnupperschützen

Von 12 -18 Uhr herrscht Dauerbetrieb an der Biathlonarena, die ihren Platz direkt neben der Industriestraße, der „Lebensader“ des Gewerbeparks eingenommen hat. Die Menschen hier sind aufgeschlossen. Viele mit schweren Einkaufstüten unterwegs und dennoch mit der Muße ausgestattet, beim Biathlon zuzuschauen. Für uns wird eine Etappe zu einer guten Etappe, wenn viele Zuschauer dann selbst zum Biathlongewehr greifen. Genau dieser Schritt hinein ins Mitmachevent funktioniert hier in Mülheim-Kärlich bestens. Tüten abgestellt und die eigene Treffsicherheit an den Infrarotgewehren testen. Die 4 Biathlongewehre wandern im Laufe des Events durch rund 1000 Hände, also rund 500 Mitmacher. Bei vielen spielt zum Glück auch etwas Ehrgeiz mit, sie schießen gleich mehrere 5er-Serien und erzielen dabei Verbesserungen.

Die nächste Maßgabe für eine „gute Etappe“ ist, wie viele Schnupperschützen sich begeistern lassen für die Herausforderung des kleinen Biathlonwettkampfes, den das Tourteam in der gesamten Eventzeit immer dann durchführt, wenn mindestens zwei Interessenten antreten möchten. 83 Wettkämpfer  starten an diesem Tag in das Sprint-Biathlonduell um den Etappensieg. Dabei kämpfen bis zu 3 Starter gleichzeitig auf sogenannten Thoraxtrainern, auf denen 400 m Skilanglauf simuliert werden. Danach geht es ziemlich außer Atem an die Biathlongewehre, wo 5 Schüsse auf die 45 mm Durchmesser kleinen Ziele aus 10 m Entfernung abgegeben werden. Wer am besten trifft ist am Tagesende Etappensieger. Unter allen fehlerlosen Schützen gewinnt der Schnellste. Jeder fehlerlose Schütze gewinnt das Shootingstar-T-Shirt der Biathlon Deutschland-Tour, doch der Tagesbeste gewinnt zusätzlich das Biathlon-Erlebniswochenende in Ruhpolding mit Trainingscamp bei Olympiasieger Fritz Fischer und dem Tourfinale gegen die 35 weiteren Etappensieger, das in der weltbekannten Chiemgau-Arena auf Langlaufski und am Kleinkalibergewehr stattfinden wird. Im Preis enthalten ist die Übernachtung und ein gemütlicher Hüttenabend jeweils für 2 Personen. Für diesen tollen Siegerpreis bei jeder Touretappe bedanken wir uns gerne immer wieder auf’s Neue bei unseren Tourpartnern Fritz Fischer Biathloncamp und Eurorepar Carservice den Werkstätten für alle Marken.  Es lohnt sich also für die Mülheim-Kärlicher Biathlonfans, sich in diesem 2-3-minütigen Wettkampf anzustrengen.

Wintersport-Tradition in Mülheim-Kärlich?

Am Gewehr: Stefan Puderbach, der Ausbildungsleiter für Nordischen Skisport im Skiverband Rheinland

Für Berge, Schnee und Loipen ist Mülheim-Kärlich nicht bekannt. Im Gegenteil, der angrenzende Rhein sorgt für besonders mildes Klima. Doch bis in die benachbarten Mittelgebirge, Westerwald und Eifel ist es nur ein kurzer Weg. Im Skiverband Rheinland sind zahlreiche Skiclubs aus den beiden Mittelgebirgen organisiert. Etwa am Stegskopf in Emmerzhausen (Westerwald) oder in Ernstberg (Eifel) werden in den Skivereinen noch Jahr für Jahr Skilanglauftalente gefördert. Doch Wintersport-Interessierte Mülheim-Kärlicher können Langlauf und Biathlon das gesamte Jahr über fast vor der eigenen Haustür trainieren, denn der Ausbildungsleiter für Nordischen Skisport im Skiverband Rheinland, Stefan Puderbach,

Drei Wintersportler des SRC Heimbach-Weis: v.l.n.r. auf den Thoraxtrainern: Sergej Hein, Alexander Schneider und Alexander Puderbach.

lebt in Neuwied und trainiert im Skilanglauf- und Rollsportclub Heimbach-Weis eine große Gruppe junger und älterer Wintersportler. In der schneelosen Zeit geht es auf Cross-Skates über Stock und Stein. Im Winter fährt er mit seinem Team zu Wettkämpfen in den Vogelsberg, zum Kniebis und, wenn es sein muss, bis in die Schweiz, etwa zum Engadiner Skimarathon.

Heute ist Stefan mit seinen Söhnen, Julian und Alexander, die beide lizensierte Skilanglauftrainer sind, hier an der Biathlonarena, schaut sich interessiert die Wettkämpfe an und schickt auch vier Athleten aus seiner Trainingsgruppe an den Start. Über sie wird noch zu berichten sein. Wer die Trainingsgruppe in Heimbach-Weis bei einem Probetraining kennenlernen möchte, erhält hier Infos und Kontakt.

Und noch eine Verbindung besteht zwischen Mülheim-Kärlich und dem weltweiten Biathlonsport. Der Fanclub von Biathlon-Olympiasieger Arnd Peiffer wurde 2009 von den beiden Mülheim-Kärlichern, Andrea und Roland Schmidt ins Leben gerufen. Die beiden sympathischen Biathlonfans lernten Arnd Peiffer beim Weltcup in Ruhpolding kennen und fragten ihn nach einer Autogrammkarte. Er hatte gar keine. Seitdem sind Andrea und Roland nicht nur Fans, sondern auch Kümmerer. Autogrammkarten haben die beiden längst für Arnd erstellt und die Fanclub-Webseite verrät, dass schon mehr als 600 Fans aus 7 Ländern Clubmitglieder sind. Weiter so, Ihr beiden, wir sehen uns spätestens beim Tourfinale am 26. Januar in Ruhpolding wieder!

Der Wettkampfverlauf

Die erste Führung erkämpft sich Fritz Lülsdorf aus Kruft mit 2:57 Minuten und 3 Treffern. Gestoppt wird die Zeit vom ersten Meter des 400 m-Skilanglaufs bis zum letzten, dem 5. Schuss.
Im 2. Duell des Tages schafft Angelika Witczak (mit Hut) ebenfalls 3 Treffer bleibt aber in 3:38 Minuten hinter Fritz. Mit ihr geht Nicolina Meinjohanns an den Start. Die Bürolewiterin der gastgebenden Projektgemeinschaft WIR in Mülheim-Kärlich ist die Glücksfee des Tages und lockt mit der moderierten Verlosung am Glücksrad am Nachmittag immer wieder Scharen von Besuchern an.

Die verhinderte Staffel

Eigentlich wollten die 4 vom TV Kärlich die geplante Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft gewinnen. Sie konnte wegen zu weniger Anmeldungen jedoch nicht stattfinden. Spaß haben Holger Reßmann (2:20 min/1 Treffer), Hanna Niggemann (3:08 min/1 Treffer), und die Korbballerinnen Christiane Schmitt (4:54 min/2 Treffer) und Angelika Weckbecker (4:13 min/1 Treffer) auch im Einzelwettkampf. Und zur Entschädigung gab’s für alle 4 noch das Shootingstar-T-Shirt der Biathlon-Tour.

Führungswechsel

Im bisher schnellsten Duell des Tages holt sich Tobias Thomas (im grünen T-Shirt) in 2:13 Minuten mit 3 Treffern die Etappenführung. Auch Gegner John Brühl bleibt in 2:18 Minuten mit 3 Treffern noch unter der vorherigen Bestzeit und ist zunächst Zweiter.

Freundin schnappt die Führung weg

Tobias‘ Freundin, Rebekka Wendling, kann den beiden starken Männern, Martin Mathes (blaues T-Shirt) und Dirk Faulhaber, auf dem Thoraxtrainer nur mit Mühe folgen, doch am Biathlongewehr ist sie nach den ersten 20 Wettkämpfern eine Klasse für sich und schafft bei nur einem Fehlschuss als erste 4 Treffer. Das ist die Etappenführung.

Der Schnellste des Tages

Als Skilanglauftrainer im Skiverband Rheinland und schon erfahrener Skimarathon-Wettkämpfer setzt Alexander Puderbach natürlich die ideale Technik auf dem Thoraxtrainer ein. Doch für seine Zeit von 75 Sekunden für die 400 m Strecke braucht man, neben der idealen Technik auch ein hohes Maß an Kraft, Athletik und Ausdauer. Mit seiner Zeit gehört Alexander zu den 10 besten der bisher rund 7000 Wettkämpfern in 3 Jahren Biathlon-Tour. 3 Schießfehler mit dem Biathlongewehr verhindern seine Etappenführung. Es werden 1:45 Minuten und 2 Treffer.

Thüringens Biathlonmeisterin am Start

Sogar Thüringens Biathlonmeisterin, Catherina Freitag, übrigens auch ein Talent aus der Trainingsgruppe von Stefan Puderbach, kann Rebekka Wendling nicht von der Etappenspitze verdrängen. Catherina schafft 2:37 Minuten und 3 Treffer.

Der Familien-Dreikampf

Die Etappe hat noch mehr zu bieten, als nur den Kampf um den Etappensieg. Etwa den Familien-Dreikampf der Weilers. Mutter Manuela und Vater Markus erzielen in 3:44 Minuten mit 3 Treffern das exakt gleiche Ergebnis. Siegerin der Herzen ist Tochter Mariel. Der jungen Karatekämpferin möchten wir eigentlich nur 300 m auf dem Thoraxtrainer zumuten, doch weniger zu laufen, als ihre Eltern kommt für sie nicht in Frage.

Führungswechsel

Fast hätte die Etappe ihren ersten Meisterschützen bekommen. Bau-Unternehmer Alexander Kania (im Bildvordergrund) muss dann doch noch einen Fehlschuss hinnehmen, doch 4 Treffer und 2:31 Minuten bringen ihm die Etappenführung im schnellen Dreikampf mit Sergej Hein und Vitali Osipov

Trucker schrammt an Etappenführung vorbei

Lokalmatador Florian Bengel macht im Duell mit seinen Kumpels Christian Schmitt und Andre Schopp alles richtig. Der Trucker und Autofan läuft schnell und schießt…fast…wie ein Meister. Eine winzige Unaufmerksamkeit sorgt für den Fehlschuss. Mit 4 Treffern und 2:46 Minuten wird er am Ende 3. der Etappe.

Maßarbeit zur Führung

Alexander Schneider ist der Senior der Trainingsgruppe von Stefan Puderbach in Heimbach-Weis. Seine 68 Jahre sieht man dem sportlichen Mann, der aus Sibirien kommt, überhaupt nicht an. Auf Langlaufski ist er groß geworden und auch heute noch hat er die Kraft und Ausdauer, um gleich dreimal innerhalb knapp zweier Stunden in den Wettkampf zu starten. Zunächst will es bei ihm mit dem Schießen nicht so recht klappen, doch im Dreikampf mit Biathletin Catherina Freitag und Teamkollege Alexander Puderbach beweist er die beste Konzentration. Als vierter Wettkämpfer des Tages schafft Alexander Schneider 4 Treffer und unterbietet den bisherigen Spitzenreiter, Alexander Kania, um die Winzigkeit einer Sekunde. 2:30 Minuten und 4 Treffer sind die neue Meßlatte.

Das Happyend vor Augen

4 Treffer nach 4 Schüssen legt Marco Feulner vor und es scheint eine Sache von Sekunden, bis diese Etappe ihren ersten Meisterschützen und neuen Etappenführenden kürt. Doch wie oft wird beim Biathlon dieser 5. zugleich zum verflixten Schuss. Der Schütze wähnt sich fast am Ziel und vielleicht stört genau dieser Gedanke den optimalen Konzentrationsaufbau. Ob es bei Marco so ist wissen wir nicht, aber er setzt diesen letzten Schuss um wenige Millimeter links daneben. Statt Etappenführung bleibt ihm nur der 5. Platz.

So bleibt diese höchst lebendige Etappe zwar ohne Meisterschützen hat aber in Alexander Schneider nicht nur den zweitältesten aller bisher 106 Etappensieger der Tour, sondern auch einen würdigen Champion. Einige Male schon war Alexander bei Touretappen nahe am Sieg, etwa in Remagen 2017 oder Mayen 2016. Jetzt schafft er als Sieger von Mülheim-Kärlich den Finaleinzug und gewinnt das Wochenende für 2 Personen in Ruhpolding. Wir freuen uns schon darauf, den fitten Skilangläufer am 26.01.2019 in der Chiemgau-Arena wiederzusehen.

Das Tourteam bedankt sich bei allen heutigen Wettkämpfern für ihren sportlichen Einsatz. Herzlichen Dank auch an den Gastgeber des Tages, die Projektgemeinschaft WIR in Mülheim-Kärlich für die freundliche und unkomplizierte Zusammenarbeit und für das Vertrauen in die Biathlon-Tour und natürlich auch an unseren Tour-Partner, Intersport Krumholz und Marketingleiterin Kerstin Degen, ohne deren Vermittlung diese Etappe nicht stattgefunden hätte.

Bilder: Sandra Blömeke   Text: Martin Bremer