Nachbericht zur 28. Etappe 2018 in Krefeld

Biathlon für Wetterfeste und Ortskundige

„Nicht Jammern“ könnte das Motto dieses Samstagabends, der „Nacht bei Kerzenschein“ in der Krefelder Innenstadt sein. Gründe genug wären sicherlich vorhanden an diesem kalten, verregneten Spätnovembertag, der für die 28. Biathlon-Tour-Etappe dieses Jahres die C-Lösung in der Standortfrage vorgesehen hat, den „Platz an der Alten Kirche“.  Jenseits der Besucherströme wird dem Jedermann-Mitmach-Event, das seine schönsten Momente aus dem spontanen Dialog mit den Besuchern und dem Publikum generiert, seine Lebensader entzogen und damit auch sein Sinn, denn dem Einkaufspublikum soll an diesem Abend Nichtalltägliches geboten werden, also auch das spontane Erleben des beliebtesten Wintersports der Deutschen, Biathlon. Hier, sozusagen im Hinterhof von Schwanenmarkt und Fußgängerzone hat die Biathlon-Tour wortwörtlich ihre Zelte aufgeschlagen und nutzt ihre einzige Chance, die Menschen zu erreichen, durch laute Moderation der gelegentlichen Wettkämpfe. Das hatte sich der Initiator dieses Events, Frank Tichelkamp, Marketingleiter der Krefelder Brauerei Königshof, natürlich anders vorgestellt. Ein Spektakel sollte es werden inmitten des Besucherstroms auf dem Neumarkt. Und Platz wäre dort auch viel mehr als genug gewesen. Doch die Krefelder Polizei gab den Neumarkt für das Event nicht frei, aus der Sorge, dass es zu viel Publikum anlöcke und den Besucherfluss ins Stocken brächte. Mit der heutigen Lösung, durch die das Publikum die Biathlon-Tour gar nicht zu sehen bekommt, kann Niemand glücklich sein, auch die Polizei nicht.

Hinterhof-Biathlon meets klasse Typen

Doch das Motto ist  ja zurecht „nicht Jammern“ und auch das hat seine Gründe. Da ist zum Einen Frank Tichelkamp, der von der ersten bis zur letzten Minute des Events selbst dabei ist und seine Kontakte zu den Krefelder  Sportvereinen für das Event nutzt. Der Grotifant kommt gerade frisch vom 2:0-Sieg des KFC in Duisburg und gewinnt den Biathlon der Vierfüßer unangefochten. Bester Zweifüßer wird der Rückraum-Spieler des Handball-Drittligisten HSG Krefeld, Tim Gentges (nebenstehendes Bild im Vordergrund), der die 400 m-Strecke auf den Skilanglauf-Cardiogeräten, Thoraxtrainer, in rund 90 Sekunden zurücklegt, einer Zeit, die eben auch (fast) nur von kräftigen Leistungssportlern erzielt wird und danach jenes Kunststück vollbringt, an dem heute 41 der 44 Wettkämpfer scheitern: Das fehlerlose Schießen mit 5 Treffern auf die Biathlonziele mit 45 mm Durchmesser. Laufen und Schießen zusammen schafft Tim im Dreikampf mit seinen Handball-Teamkollegen Linksaußen Max Zimmermann und Torwart Stefan Nippes  in 2:11 Minuten und erreicht damit einen Platz unter den besten 20 der über 1000 Wettkämpfer der Tour 2018. Der Etappensieger ist in der Regel auch der Tourfinalist und Gewinner der Reise für 2 Personen nach Ruhpolding am 26./27. Januar 2019, doch da zu diesem Zeitpunkt die Saison der Handballer noch im Gange ist und er als Polizist in dieser Zeit keinen zusätzlichen Urlaub bekommt, bleibt der Kampf um das Finalticket weiter offen und spannend.

Etwa für die sympathischen (Ex)-Fußballer von der Nordseeküste. Jedes Jahr gönnen sich die Jungs aus Neuharlingersiel ein paar Teambuildingtage. Dieses Mal in der Stadt der Pinguine. Auf dem Neumarkt hätten sich Biathlon-Tour und Ostfriesen wohl nicht getroffen, denn die Sky-Sportsbar liegt direkt am Platz an der Alten Kirche. Von dort pilgern sie immer mal wieder rüber zur Biathlonarena und beweisen, dass auch im fortgeschrittenen Stadium des Zielwasserkonsums konkurrenzfähige Leistungen möglich sind. Jedenfalls holt sich Maler- und Lackierer Marco Hallmann (Bildmitte mit dem falschherum getragenen Shootingstar-T-Shirt) im Dreikampf mit Schiffs-Offizier Stefan Jacobs (im Bild mit der grünen Jacke) und Sebastian Müller mit dem zweiten fehlerlosen Schießergebnis des Tages und der Zeit von 3:01 Minuten den zweiten Platz, der zur Finalqualifikation heute ja ausreichend wäre.  Der Preis träfe ja durchaus den Richtigen, denn der Hobbyschütze ist, gemeinsam mit seiner Frau Silke, echter Fan des Biathlons, den man an der Nordseeküste freilich nur am TV verfolgt. Nun selbst auf Skiern und am Kleinkalibergewehr in der Chiemgau-Arena zum Finale der Biathlon-Tour gegen die Etappensieger der anderen Städte zu starten ist wohl vergleichbar damit, dass ein Bayer die Netze des Krabbenkutter einholt.

EinigeWettkämpfer versuchen sich an Marcos Leistung, etwa die Hilners in ihrem Familien-Dreikampf, das Martin vor Felix und Franziska mit 3 Treffern gewinnt oder Marc Stiebe und Nikolas Jocham, die besonders durch die Kästen Königshofer Pils motiviert werden, die dem Sieger winken. Nikolas ist auch dicht dran an Marcos Leistung, schafft in 2:48 Minuten die schnellere Zeit und scheitert nur mit einem seiner 5 Schüsse. Mit 4 Treffern wird er 4.

Bis 5 Minuten vor Etappenschluss hält die Führung von Marco Hallmann, als im letzten Wettkampf des Abends sein Teamkollege Stefan Jacobs nochmal an den Start geht. Der Schiffsoffizier holte 2017 beim Schützenfest in Neuharlingersiel den „Pokal der Pokale“ und mit den letzten 5 Schüssen des Tages zeigt er, warum ihm dies gelingen konnte? Nach den 400 m Skilanglauf lässt er sich nun einige wenige Sekunden länger Zeit zum Verschnaufen und wird mit dem Treffer beim ersten Schuss dafür belohnt. Nun schießt Stefan im schnellen Rhythmus, zweiter, dritter, vierter Treffer. Jetzt wird es zur Nervenprobe, die so häufig vom Wettkämpfer verloren wird, so jedenfalls kennen wir es zigfach von den Etappen. Der letzte Schuss facht offenbar das Denkorgan wieder an, das Ende des Tunnels naht und der Gedanke anden greifbar nahen Erfolg scheint nicht selten die Konzentration zu hemmen. Stefan wählt den wohl besten Weg, bleibt im Rhythmus, schießt schnell…und…trifft. 5 Treffer! Und die Zeit? 2:52 Minuten. 9 Sekunden Vorsprung vor Marco machen den Schiffsoffizier aus Neuharlingersiel zum Krefelder Finalisten der Biathlon Deutschland-Tour am 26./27. Januar 2019 in der Chiemgau-Arena. Stefan wird dort zweifellos der Finalist mit der weitesten Anreise sein, denn die Route Neuharlingersiel – Ruhpolding ist mit 950 km innerhalb Deutschlands kaum mehr zu überbieten. Wir sind gespannt, ob Stefan mit seiner Frau oder mit Marco in die Bayerischen Alpen reist, jedenfalls freuen wir uns auf das Wiedersehen mit dem ersten Ostfriesen im Feld der Tourfinalisten.

Die Biathlon-Tour sagt herzlich Dankeschön bei Frank Tichelkamp. Der engagierte Marketingleiter hat seine Brauerei Königshof schon unter die 20 größten Privatbrauereien Deutschlands geführt. Während in vielen anderen Städten Initiatoren von Events zur Attraktivitätssteigerung der City mit offenen Armen empfangen werden, wird Frank Tichelkamps Engagement hier in Krefeld zumindest an diesem Tag nicht belohnt. Dass er an dieser Stelle nicht aufgibt und bereits an dem Ziel arbeitet, die Biathlon-Tour 2019 doch auf den Krefelder Neumarkt zu bringen, unterstützen wir in jeder Hinsicht. Unser Dank gilt zudem Markus Stocks von der Krefelder Werbeagentur Nimm3 für seine Organisationsarbeit im Vorfeld des Events und den Wettkämpfern für ihre Motivation und Einsatzbereitschaft.

Bilder: Daniel Holtschneider    Text: Martin Bremer

Nachberichte aus der Lokalpresse

Rheinische Post