Nachbericht zur 21. Etappe 2018 in Velbert

Nightshopping-Biathlon mit Gratis-Wasser

wir hatten uns schon gefreut auf unsere Rückkehr in die Schlüsselstadt Velbert, dem Herz des Niederbergischen Landes im Städtedreieck Düsseldorf, Essen, Wuppertal. Velbert gilt traditionell als Zentrum für Schließtechniken, doch hier erlebten wir beim letztjährigen Sommerparty-Biathlon mit Schneeberg sympathische Staffel-Wettkämpfer/innen mit viel Offenheit für die Biathlon-Team-Challenge.

Heute, am letzten Oktober-Freitag sorgt die Biathlon-Tour auf dem Platz am roten Schirm direkt an der Fußgängerzone für die sportlichen Momente des Nightshoppings. Trotz sehr unbeständigem Wetter mit zahlreichen Regengüssen fanden tausende Einheimische den Weg in ihre Innenstadt und zeigten, dass die Idee des Nightshoppings eine erfolgreiche Antwort auf die konfliktreichen Planungen von verkaufsoffenen Sonntagen sein kann. Lichtbiathlon in der Dunkelheit trägt, neben Mitmachgeist und Wettkampfstimmung, auch einen visuellen Reiz dazu bei.

Gute Laune trotz vieler Regengüsse

Für die Geschäfte und die Gastronomie der Innenstadt, die größtenteils bis 22 Uhr geöffnet haben, sind die zahlreichen heftigen Regenschauer durchaus von Vorteil. Die in Vorwochenend-Stimmung relaxten Menschen lassen sich ihre gute Laune nicht verderben und finden kurzerhand ihre Indoor-Beschäftigung. Doch kaum lässt der Regen nach, wird die Fußgängerzone wieder lebendig.

Die Regenpausen drücken die Zahl der Schnupperschützen (rund 250) und Biathlon-Wettkämpfer (40) etwas, doch die Wettkämpfe ziehen dann immer wieder Neugierige an und es bildet sich manche schöne Kulisse bei den Duellen und Dreikämpfen um den Etappensieg.

Zusammen 160 Jahre aber jung geblieben

Den Anfang machen am Nachmittag die beiden Senioren unter den Wettkämpfern. Zusammen bringen es Wilfried Meier und Hans-Gerd Kuhlmann auf 160 Jahre Lebenserfahrung, was die beiden nicht davon abhält, sich der Herausforderung des anstrengenden 400 m Skilanglaufs auf den Thoraxtrainern zu stellen. Nur so können sie eben auch die tatsächliche Biathlonerfahrung, das Schießen nach körperlicher Belastung, machen. Die Verteilung, dass zwei die aktive Herausforderung suchen und 50 Neugierige anlocken, die jedoch in der Rolle des durchaus Anteil nehmenden Zuschauers verharren, ist kein spezielles Velberter Phänomen. Was in diesen Momenten des Wettkampfes jedoch so deutlich greifbar wird ist eine „Jugendlichkeit“, die auch im höchsten Alter erhalten bleibt und ihre Lebendigkeit wohl hauptsächlich der Freude an der Herausforderung entspringt. Hans-Gerd (in der hellbraunen Jacke) schafft mit seinen 4 Treffern den 7. Platz unter den 40 Wettkämpfern. Im Winter geht es für den ehemaligen Konditor mit seiner Frau wieder in den Skiurlaub.

Eine bemerkenswerte Verbesserung

In den „Skiurlaub“ geht es sozusagen auch für den besten Velberter Biathleten des heutigen Tages. Denn diese/r wird am 26./27. Januar 2019 in Begleitung Gast der Biathlon Deutschland-Tour sein und in der bekannten Chiemgau-Arena in Ruhpolding im Finale gegen die Etappensieger aller Tourstädte antreten. Das Training zuvor auf Langlaufski und am Kleinkalibergewehr leitet dabei Biathlon-Olympiasieger Fritz Fischer. Neben der Übernachtung für 2 Personen ist auch der Hüttenabend in der Zirmbergalm im Gewinnerpreis enthalten.

Dass die Aussicht auf dieses Erlebnis Motivation freisetzt zeigt sich eindrucksvoll bei Sebastian Steinke. Zunächst will es bei ihm mit dem Schießen so gar nicht funktionieren. Seine ersten 10 Schüsse aus 10 m Entfernung auf die 45 mm-Ziele verfehlen sämtlich das Ziel. Als erster Spott in seiner lustigen Truppe aufkommt lässt Sebastian sich nicht beeindrucken, übt weiter und fordert 5 Minuten später zum Wettkampf heraus. Den gewinnt er gegen die beiden Meisterschützinnen des Übungsschießens, Karoline und Juditha, mit 4 Treffern und der sportlichen Zeit von 2:26 Minuten. Für den Etappensieg reicht das zwar nicht, aber von Null auf Platz 4 solche schönen Erfolgserlebnisse sind bei der Biathlon-Tour immer mal möglich, weil fast alle Wettkämpfer Neulinge dieser Sportart sind.

Der Tagesschnellste verpasst den Sieg

Dass der sportlich fitteste nicht zwangsläufig auch der Sieger der Biathlonetappe wird zeigt sich auch hier in Velbert wieder. Ringer Anvar Aliev beeindruckt mit einem sehr schnellen 400 m-Lauf auf dem Thoraxtrainer. Kraftvoll, dynamisch und ausdauerstark ist seine Doppelstocktechnik und schon nach 75 Sekunden wechselt Anvar ans Biathlongewehr. Dass er auch ein ausgezeichneter Schütze ist, beweist er mit seinen letzten drei Schüssen, die er sämtlich zu Treffern macht. Doch die ersten beiden Schüsse setzt er möglicherweise zu schnell, mitten hinein in seine Atemnot. Für ihn wäre sicherlich mehr möglich gewesen als der 8. Platz in 1:55 Minuten mit 3 Treffern, doch zum Biathlon gehört neben der Fitness, der ruhigen Hand und der Konzentration eben auch die richtige Strategie.

3-facher Finalist jagt die Bestleistung vergeblichUnd selbst dann, wenn man mit 3 Etappensiegen in 3 Jahren schon hinreichend nachgewiesen hat, dass man alle erforderlichen Qualitäten für diese anspruchsvolle Sportart abrufen kann, lässt sich ein Sieg nicht auf „Knopfdruck“ abrufen. Rene Radek (im Bildvordergrund) aus Herne ist mit seinen Etappensiegen 2015 in Herne, 2016 in Ahaus und 2017 in Monheim bei allen 3 Finals der Biathlon-Tour bisher dabei gewesen. Es gehört zu den vielen schönen Geschichten der Biathlon-Tour, dass der sympathische Lagerleiter und Tischtenniscrack an diesem recht unwirtlichen Freitagabend mit seiner Frau Romina und Söhnchen Robin von Herne nach Velbert kommt, um auch das 4. Tour-Finale als Etappensieger miterleben zu können.

Doch das fehlerfreie Schießen bleibt auch für einen dreimaligen Etappensieger stets wieder eine Kür und ist kein Selbstläufer. Schon ein einziger kleiner Wackler ist einer zuviel im Kampf um den Etappensieg. Heute will es für Rene in 4 Anläufen nicht gelingen. Die Zeiten aus Laufen und Schießen liegen unter 2:00 Minuten und sind zweifellos auf Etappensieger-Niveau, aber die Fehlerlosigkeit am Biathlongewehr gelingt dem jungen Papa heute nicht. Beim Blick auf das Display neben dem Biathlongewehr zeigt aber auch manches Mal, dass bei seinen Fehlschüssen nur Millimeter fehlten. Neben allen Fähigkeiten braucht ein Etappensieg nicht zuletzt auch ein Quentchen Glück.

Die fehlerlosen Schützen

Im Duell mit dem dreimaligen Etappensieger gelingt dem Velberter Postbeamten Kamil Podstawa, was heute 38 Wettkämpfer vergeblich versuchen: das fehlerfreie Schießen, 5 Treffer mit den 5 Schüssen. Der Modus der Biathlon-Tour sieht vor, dass der Etappensieg über die 5 Treffer führt, d.h. wer 5 Treffer erzielt liegt vorne, egal wie schnell seine Zeit vom 1. Meter bis zum letzten Schuss ist. Die Taktik, sich sehr viel Zeit zu lassen, geht dennoch bei kaum einer Etappe auf, denn es schaffen zumeist mehrere Wettkämpfer diese Fehlerlosigkeit und von diesen gewinnt natürlich der Schnellste. Kamil kommt zwar nicht an die Zeiten des Ringers Anvar Aliev oder Rene Radek heran, doch seine 2:43 Minuten sind allemal eine sehr sportliche Leistung für die er viel Applaus erhält.

Nightshopping-Sieger zum afternoon-tea

Doch Kamils fehlerfreies Schießen in 2:43 Minuten reicht heute nur zu Platz 2 in der Etappenrangliste, denn der Nightshopping-Biathlon erlebt seinen Dominator bereits am Nachmittag. Der Velberter Max Bleckmann, 26-jähriger Bauingenieur-Student in Essen ist in der Kombination aus Skilanglaufen und Schießpräzision heute eine Klasse für sich. Der Kraftsportler bringt Kraft, Dynamik und Ausdauer in einen starken 400 m-Lauf auf dem Thoraxtrainer ein und wechselt nach 90 Sekunden ans Biathlongewehr. Dort lässt er sich auch nicht von unserem noch schnelleren Teamkollegen Daniel Holtschneider irritieren, der in diesem Duell den Sparringspartner gibt. Max lässt sich vor dem 1. Schuss jenen Augenblick länger Zeit zum tiefen Durchatmen, den sich etwa Anvar Aliev nicht ließ, schiesst dann jedoch einen flotten Rhythmus und macht dies in seinem ersten Biathlonwettkampf ohne jeden Wackler. 2:11 Minuten und 5 Treffer ohne jede Vorübung als ganz spontaner Wettkampf sind aller Ehren wert. Nach gut 5 Stunden Biathlonetappe ist klar, Max Bleckmann ist Velberts Mann im Finale am 26.1.2019 in Ruhpolding. Dort wird der 21. von 34 Etappensiegern dieses Jahres dann zum ganz echten Biathleten und tritt in der Chiemgau-Arena auf Langlaufski und am Kleinkalibergewehr um den Titel des Tourchampions an. Dass er ohne jede Vorerfahrung in diesen beiden Disziplinen in das Finale gehen wird, verbindet ihn mit vielen der bisherigen Etappensieger und macht einen großen Teil des Reizes dieser Jedermann-Tour aus. Max wird nach Ruhpolding von seiner Freundin Katja begleitet und es wird, ob Sieg oder nicht, sicherlich ein tolles Erlebnis für die beiden. Das Tourteam freut sich schon auf das Wiedersehen mit seinem Velberter Sieger.

Das Tourteam bedankt sich

herzlich beim Team der Velbert Marketing GmbH um Geschäftsführer Olaf Knauer und Kerstin Buss, die zu diesem gelungenen Nightshopping einluden und dabei auf die Biathlon-Tour als sportliches Mitmachevent setzten. Noch ist nichts spruchreif, doch mit beiden und weiteren Partnern des Velberter Sports planen wir für 2019 ein größeres Biathlon-Team-Event mit zahlreichen vierköpfigen „Jederfrau/mann-Staffeln“, an dem wir hoffentlich viele unserer heutigen Wettkämpfer wiedersehen werden.

Bilder: Siegward Pein     Text: Martin Bremer