Nachbericht zur 17. Etappe 2018 in Bad Münstereifel

Feuchte Biathlonparty unterm Zeltdach

Bei bestem Frühherbstwetter feierte die Biathlon-Tour im vergangenen Jahr mit den Bad Münstereiflern im herrlich den Berg herabfallenden Kurgarten an der alten Stadtmauer das 50-jährige Bad-Jubiläum. Bei der heutigen Rückkehr in das charmante Nordeifel-Städtchen mit dem perfekten Mittelalterflair sind das nur warme Erinnerungen, während der Himmel ab mittags alle Schleusen öffnet und im Zusammenspiel mit dem aufkommenden Wind selbst unter den Pavillons kaum eine trockene Stelle zurückließ.

Es kam wie es vorhergesagt war und das Veranstalterteam der Stadt Bad Münstereifel um HaJo Dederichs und Harald Bongart zog nach den Absagen einiger Aussteller auch eine Absage des Kurgartenfestes in Erwägung, entschied dann  jedoch, nicht vor den Wetterprognosen einzubrechen. Und wohl auch Pfarrer Sebastian Kneipp, der mit diesem Fest einmal mehr gewürdigt wird, hätte wohl zur Durchführung geraten und die Vorzüge des Ganges an der frischen Luft auch inmitten eines Regengusses gepriesen.

Sportliches Selbstverständnis auf 6×3 Metern

Und so bringt auch dieser Tag wieder Momente hervor, die in Erinnerung bleiben werden. Etwa jenen, als in der stärksten Regenphase des Tages tatsächlich alle angemeldeten Staffeln Wort hielten und kamen und sich unter 18 Quadratmetern Zeltdach ein sportlicher Geist bahnbrach mit dem entspannten Selbstverständnis, natürlich noch zur Biathlonstaffelmeisterschaft anzutreten bevor die Welt untergeht. Der Kurpark war zu diesem Zeitpunkt schon nahezu menschenleer und kurz vor dem Finale wurde auch uns der Strom abgedreht, doch bis dahin schrieb der Tag eine sportliche Geschichte. Also der Reihe nach:

In der trockenen Morgenstunde…

erfreuen wir uns an der historischen Kulisse am Fuße der alten Staftmauer, dort, wo im Mittelalter die Münstereifler Schützen tatsächlich für den Ernstfall trainierten. Auf diese Begebenheit weisst uns der Archivar und Stadtführer Bad Münstereifels, Harald Bongart, hin, der später noch mit Peter Schallenberg ins Biathlonduell der Stadtführer ziehen wird.

Erste Duellanten sind jedoch Felizitas und Sebastian Fuchs. Das sportliche Ehepaar nimmt sich Zeit, um in das Biathlonschießen reinzuschnuppern und sich dann auch unter Belastung am Biathlongewehr zu testen. Felizitas erweist sich dabei zunächst als die bessere Schützin und ist die erste Etappenführende des Tages, während Sebastian, der erfolgreich Mountainbikerennen und Cyclo-Cross-Wettkämpfe fährt, zwar ein sehr sportliches Tempo auf dem Skilanglaufergometer Thoraxtrainer vorlegt, jedoch beim Schießen unter Belastung noch die passende Koordination sucht.

Der Titelverteidiger testet früh

Diese Koordination ist beim zweimaligen Etappensieger gleich zu sehen, als er mit der Mission Titelverteidigung an die Biathlonarena kommt. Alexander Liebing ist als zweimaliger Finalist schon ein guter Bekannter der Biathlon-Tour und andersherum hat er allen Neulingen natürlich auch etwas Erfahrung in den Biathlon-Wettkämpfen voraus. Gleich in seinem ersten Wettkampf im Duell mit Sohnemann Felix, legt Alexander nach schnellen 400 m auf dem Thoraxtrainer 4 Treffer mit 4 Schüssen vor, doch der letzte Schuss geht daneben und zeigt, wie schwer es auch für die Besten der Biathlon-Tour ist, ohne jeden Wackler durch den Wettkampf zu kommen. Der Vorjahressieger ärgert sich, weil er aus der Erfahrung weiss, dass dieses gute Resultat von 2:05 Minuten und 4 Treffern zum Etappensieg wohl nicht reichen dürfte.

Der Widersacher kontert

In einer kleinen Stadt, wie Bad Münstereifel, kennen sich die Menschen untereinander noch. So auch Mountainbiker Sebastian Fuchs und Biathlon-Champion Alex Liebing. Und als hätte der sportliche Radler diesen Anreiz gebraucht, den Titelverteidiger herauszufordern, geht Sebastian, der Sport- und Mathelehrer in Euskirchen ist, motiviert in den nächsten Wettkampf. Mit kräftigen Schüben holt er sichtbar noch einige Sekunden aus der 400 m-Strecke heraus und beginnt sehr konzentriert am Biathlongewehr. 3 Treffer legt er vor mit den ersten 3 Schüssen, dann folgt ein Fehlschuss. Mit dem letzten Schuss holt sich Sebastian die Etappenführung vom Titelverteidiger, weil er in 1:56 Minuten bei gleicher Trefferzahl von 4 eben etwas schneller als Alexander ist. Wie schön, die Etappe erhält ein echtes Duell um den Tagessieg.

Das Duell wird zum Dreikampf

Von wegen Duell, denkt sich Entspannungspädagogin Heidrun Müller-Bothen und schafft das, womit sie auch im vergangenen Jahr bei der Etappe im Kurpark ohne jede Schießerfahrung überraschte: Ihr gelingt das fehlerlose Schießen nach der Skilanglaufbelastung als erste am heutigen Tag und damit übernimmt die auch als Sport-Physiotherapeutin arbeitende Bad Münstereiflerin, die zudem Gastdozentin an der Universität in Fukuoka (Japan) ist, Platz 1 in der Etappen-Rangliste. Wow, je schlechter das Wetter, desto besser werden die Leistungen.

Aus dem Dreikampf wird ein Fünfkampf

Hier in Bad Münstereifel sollte man die Rechnung nicht ohne den Vorjahreszweiten machen. Henrik Nießen (im Bild im rötlichen Dress), Fitnessökonom und Trainer der hiesigen Sportwelt Schäfer, ist nicht nur ein großartiger Partner für die Biathlon-Tour zur Bewerbung der Etappe und der Staffelmeisterschaft, sondern eben auch ein echter Athlet und ganz schön motiviert. In der Sportwelt Schäfer standen seit einigen Tagen eine Thoraxtrainer-Loipe, sowie Biathlongewehr und Laserziel zur Ankündigung der Biathlon-Etappe. Augenzeugen berichten von unermüdlichen Trainingseinheiten des sympathischen Zülpichers. Im Rahmen des Staffelwettkampfes ist ihm bereits auf dem Thoraxtrainer die Konzentration anzumerken, mit der er die Tagesbestleistung knacken möchte. Henrik legt ein hohes, aber nicht sein Höchsttempo vor und lässt sich die im Eifer des Gefechts allgemein häufig ignorierte kurze Durchschnaufphase vor dem ersten Schuss. Er startet mit einem Treffer, doch in die Schussserie setzt sich ein kleiner Wackler, so dass die 4 Treffer in 2:19 Minuten zunächst nur Platz 4 bedeuten

Martin Thimm (im Bild im blauen Pulli) schaffte im vergangenen Jahr in Meckenheim den Etappensieg und gehörte auch beim Tourfinale auf Schalke zu den besten Etappensiegern. Der Hürdensprinter, der hier zusammen mit Langstreckenläufer Norbert Schneider als Staffel mit dem gänzlich in die Irre führenden Namen „Rennschnecken“ antritt, wählt das hohe Tempo auf dem Skilanglaufergometer. Trotz Rückenproblemen schafft Martin in 1:58 Minuten die zweitschnellste Zeit des Tages und auch er wird nur durch einen einzigen Fehlschuss ausgebremst.

Hat der Titelverteidiger noch ein Ass im Ärmel?

Drei Etappensiege nacheinander in der gleichen Stadt hat bisher noch kein Wettkämpfer in 4 Jahren Biathlon-Tour geschafft. Auch der zweimalige Sieger, Alexander Liebing, ist in diesem Moment, in dem er bei strömendem Regen seine wohl letzte Chance an diesem Tag zum Etappensieg sucht, mindestens ein fehlerloses Schießen weit von diesem Ziel entfernt. Die starke Nässe macht die Aufgabe nicht leichter, denn auch die Elektronik der Gewehre und Ziele werden unter solchen Bedingungen zur Unwägbarkeit. Alexander, der 2016 beim Finale auf Schalke die Top 10 aller 40 Etappensieger erreichte, wählt ein moderates Tempo auf dem Thoraxtrainer und ist ganz und gar auf das fehlerlose Schießen konzentriert. Aus der Erfahrung von nunmehr 120 Touretappen lässt sich sagen, dass ein „erzwingen wollen“ der 5 Treffer in 9 von 10 Fällen nicht gelingt. Vermutlich ist dann zumeist die Anspannung zu groß und fördert genau jenen Wackler, den man doch unter allen Umständen vermeiden möchte. Aber Alexander Liebing beweist erneut, dass seine Geschichte mit der Biathlon-Tour eine ganz besondere und noch lange nicht fertig geschrieben ist. Der sportliche Familienpapa taucht am Biathlongewehr tatsächlich in seine eigene Welt ab, blendet für diese Momente alles aus und gibt sich erneut erst mit dem perfekten Ergebnis zufrieden. 2:37 Minuten und 5 Treffer bringen Bad Münstereifels Mr. Biathlon die Etappenführung.

Wir hätten sicherlich noch einen spannenden Endspurt um den Etappensieg erlebt, denn zumindest bei Henrik Nießen und Martin Thimm war noch das Funkeln in den Augen für einen Konter und auch das Staffelfinale stand noch auf dem Programm, doch aus dem Kurhaus 200 m oberhalb, wird der Biathlonanlage der Strom abgedreht. Zunächst vermuten wir einen technischen Defekt, doch der Techniker bedeutet uns, dass die Party für heute vorbei ist. So geht der Titel des Staffelmeisters an das beste Vorrundenteam, die Rennschnecken. Martin Thimm und Norbert Schneider können sich, neben dem Siegerpokal auf ein gemütliches Biertasting im Romantischen Haus mit Biersommelier Christian Starkel freuen. Platz 2 geht an das Team der Sportwelt Schäfer 1 mit Alex Liebing, Joshi Gritzner, Nico Prinz und Max Salewski, vor den Chillers mit Felizitas und Sebastian Fuchs und Heidrun Müller-Bothen sowie der Sportwelt Schäfer 2 mit Henrik Nießen, Michaela Prinz, Astrid Brenner und Jan Schäfer. Vielmals um Entschuldigung bitten wir die sympathischen Handballer des TVE. Martin Jonas und seinen Sohn Magnus, sowie Markus und Luis Pauli. Die 4 meldeten sich noch spontan als Staffel an und wir wollten sie gerade starten lassen, als der Strom ausging. Wir hoffen sehr, dass die Tränen bei Magnus schnell getrocknet sind und die TVE-Handballer im kommenden Jahr mit ihren Teams dabei helfen, die Staffelmeisterschaft zu einem tollen Bad Münstereifler Biathlonfest zu machen.

Bis dahin bleibt der Bad Münstereifler Biathlonkönig unbesiegt und wir freuen uns schon auf das Wiedersehen mit Stefanie und Alexander Liebing beim Tourfinale in Ruhpolding am 26./27. Januar in der Chiemgau-Arena.

Unser abschließender Dank gilt dem Wirtschaftsförderer der Stadt Bad Münstereifel, HaJo Dederichs und dem Archivar, Harald Bongart (im nebenstehenden Bild am Biathlongewehr), die vom Konzept der Biathlon-Tour überzeugt sind und zugleich den langen Atem haben, um alsbald ein tolles Biathlonfest in Bad Münstereifel zu etablieren. Dabei helfen auch die Sportwelt Schäfer und ihr Fitnessökonom Henrik Nießen, sowie unser Biathlon-Tour-Partner Dirk Kastenholz mit, der als Deutschlandvertrieb des Thoraxtrainers natürlich gerne auch in seiner Heimatstadt diese weltweit beachteten und geschätzten Fitnessgeräte präsentieren möchte.

Bilder: Harry Pien    Text: Martin Bremer