Nachbericht zur 15. Etappe 2018 in Lingen

Die Biathlon-Tour zu Gast im Emsland

Zum zweiten Mal nach Holzminden 2017 macht die Biathlon-Tour an diesem herrlichen Spätsommer-Sonntag in Niedersachsen Station und ist dabei erstmals zu Gast im Emsland, nämlich in der Stadt der Kivelinge, Lingen. Kivelinge, jugendliche, wehrhafte Krieger, die im 14. Jahrhundert wegen der bereits starken Dezimierung der Lingener Bevölkerung in den damaligen Kriegswirren die Stadt heldenhaft verteidigt haben sollen, benötigt die lebendige Stadt an der Ems heute zum Glück nicht mehr, doch an diesem Familiensonntag des Altstadtfestes versuchen sich rund 60 Wettkämpfer/innen als „Skijäger“ im Biathlon und rund 400 Neugierige testen im Laufe des Tages ihre Treffsicherheit mit den Infrarotgewehren.

Bemerkenswert sind an diesem Tag insbesondere die Leistungen der Frauen. Gleich 5 Wettkämpferinnen unter den besten 11 der gemischten Gesamtrangliste, das gab es in 115 Biathlon-Tour-Etappen bisher nicht so oft.

Sportlicher Sonntag nach der Partynacht

Die Lingen Wirtschaft & Tourismus GmbH, Gastgeberin des jährlichen Altstadtfestes, setzt mit dem sportlichen und verkaufsoffenen Familiensonntag nach der Partynacht mit Livemusik neue Akzente. Jedermann-Biathlon vor dem neuen Rathaus, als eine für die meisten Emsländer nur aus dem Fernsehen bekannte Sportart, soll nicht nur helfen, den Kater vom Vorabend zu vertreiben, sondern die Lingener auch neugierig machen und den „Anschub“ liefern, mit dem sich Freude und Mitmachgeist in den Altstadt-Sträßchen ausbreiten. Auch, wenn der Funke der Begeisterung am heutigen Tag nur immer wieder einmal übersprang und bei dieser Premiere noch nicht durchgehend den Tag beflügelte, so war es doch eine gelungene Premiere für die Biathlon-Tour in Lingen.

Der Wettkampf um den Etappensieg

Schon am Sonntagmorgen, als die Geschäfte der Innenstadt noch geschlossen sind, beginnen die Biathlonwettkämpfe um den Tagessieg. Jeder Besucher kann spontan und ohne lange Wartezeit mitmachen. Einfach kurz das Gewehr und den Skilanglaufergometer, Thoraxtrainer kennenlernen, beim Testen Sicherheit gewinnen und schon kanns losgehen, wenn zwei oder drei Wettkämpfer gefunden sind. Der eigentliche Wettkampf ist nach 2-4 Minuten bereits vorbei. 400 m in der klassischen Doppelstocktechnik simulieren den Skilanglauf. Der Schnellste des Tages, Peter Katlun, schafft die Strecke in 90 Sekunden. Die ersten drei Starter/innen schaffen den „Armkraftraubenden“ Skilanglauf ohne Schnee in 1:50 Minuten (Tom Hemme), 2:00 Minuten (Alexandra Niehaus) sowie 2:40 Minuten (Marianne Mielke). Alexandra und Tom machen es sogleich ausgezeichnet, setzen nach der Belastung 4 Treffer mit ihren 5 Schüssen, die sie mit dem Infrarotgewehr aus 10 Metern Entfernung auf 45 mm-Ziele abgeben und setzen sich auf die ersten beiden Plätze der Gesamtwertung. Doch die Führung sollte noch einige Male an diesem Tag wechseln. Etappensieger wird am Ende des Tages die oder der Wettkämpfer/in mit den meisten Treffern. Bei Treffergleichheit gewinnt der Schnellere. Auf den Sieger wartet eine zweitägige Reise für 2 Personen am 26./27. Januar 2019 ins deutsche Biathlonmekka Ruhpolding. In der bekannten Chiemgau-Arena tritt Lingens bester Biathlet gegen die Etappensieger der anderen Tourstädte im Tourfinale um den Gesamtsieg an. Den Trainingskurs auf Langlaufski und am Kleinkalibergewehr leitet am 26. Januar kein geringerer als Biathlon-Olympiasieger Fritz Fischer. Dieses Erlebnis gewinnt der Tagessieger inklusive Hotelübernachtung für 2 Personen und einem Hüttenabend in der Zirmbergalm mit allen Etappensiegern.

Der erstaunliche Kiveling

Lukas Fischer ist gerade 12 Jahre alt und macht dem Tourteam seit der Eröffnung dieses Biathlontages um 11 Uhr Freude mit seiner nicht nachlassenden Energie. Den 12-Jährigen fällt es naturgemäß schwer, das über 4 kg wiegende Biathlongewehr freihändig zu halten, geschweige denn ruhig zu halten. Für Lukas gilt das um so mehr, weil er eher schmächtig gebaut ist. So schießt er zunächst mit aufliegendem Gewehr und macht dies nach kurzer Zeit so gut, dass er seinen Wettkampf mit 4 Treffern beenden kann. Enttäuscht ist er dann aber, als er von uns erfährt, dass wir ihn mit seinem aufgelegten Schießen nicht in die Wertung nehmen können. Außergewöhnlich ist nun Lukas‘ Reaktion. Er beginnt, das freihändige Schießen zu trainieren. Natürlich fällt ihm das nicht leicht, doch er verbessert sich Schritt für Schritt, bis er sich wieder in den Wettkampf wagt. Und hier vollbringt er Bemerkenswertes! Als 12-Jähriger  nach der Belastung der 400 m Skilanglauf freihändig 3 Treffer mit 5 Schüssen zu erzielen ist eine Leistung, die höchsten Respekt verdient. Natürlich kommt er damit in die Wertung und schafft sogleich einen Top20-Platz im Teilnehmerfeld der 60 Wettkämpfer. Lukas hat bei uns sein Talent mehr als nur angedeutet. Wir wünschen ihm, dass er in einem der heimischen Schützenvereine seine Qualitäten trainiert und verfeinert. Youngster mit einer Willensstärke wie Lukas können im Wettkampfsport einiges erreichen. Wir wünschen ihm viel Freude und Erfolg dabei.

Auch Kristin Dust (im Bild neben Lukas) gehört zu jenen Wettkämpfer/innen, die sich im Laufe dieses Tages stark verbessern. Sie beginnt am Vormittag mit einem Treffer im Wettkampf und am Nachmittag erreicht sie dann gleich 4 Treffer und eine Gesamtzeit von 3:10 Minuten. Damit wird sie 9. in der Gesamtwertung und viertbeste Wettkämpferin.

13-jährige Fußballerin mit Biathlontalent

In die Rubrik „Talente“ gehört heute zweifellos auch Kim Winkes (Bildmitte). Die 13-jährige Fußballerin ist mit ihrem Pflegevater, Thomas Vieth (im Bild rechts) an der Biathlonarena. Im Dreikampf mit ihm und Daniel Pleimann lässt sie gleich beide Mannsbilder locker hinter sich und erreicht mit 3 Treffern in 3:05 Minuten Platz 16 der Gesamtwertung.

Familiendreikampf geht an die Mutter

Im Familiendreikampf der Pleimanns siegt Mama Steffi (Bildvordergrund) mit 3 Treffern vor Vater Daniel und dem 13-jährigen Kuno (Bildmitte). Daniel (ganz rechts) verfolgt danach als Zuschauer, wie sich Steffi und Kuno im Wettkampf mit Stefan Frericks schlagen. Und auch Steffi gehört zu jenen Wettkämpfer/innen, die ihre Leistung mit wachsender Übung verbessern können. Sie gewinnt auch diesen Dreikampf mit 4 Treffern und der Zeit von 3:25 Minuten. Damit schafft sie Platz 11 in der Etappenrangliste.

Starke Hollenstederin übernimmt die Führung

Sonja Hopster hatte am Morgen extra wegen der Biathlon-Tour die 30 km von Hollenstede nach Lingen zurückgelegt. Sie gehört zu den zahlreichen Biathlonfans in Deutschland, die kaum einen Biathlonweltcup im Fernsehen versäumen. Nun freut sie sich darauf einmal selbst zu erfahren, welche Herausforderung die Biathlonprofis am Schießstand zu bewältigen haben. Die Biathlon-Tour wählt für die Jedermann-Etappen eine Zielgröße, die ungefähr halb so anspruchsvoll ist, wie das Schießen der Biathlonprofis. Gleich im ersten Wettkampf erzielt Sonja 2 Treffer. Es erfreut uns vom Biathlon-Team, wie viele Wettkämpfer heute ein zweites Mal die Herausforderung des Wettkampfes suchen, ist es doch ein Zeichen dafür, das sie mit Leidenschaft und Motivation eine intensive Erfahrung machen möchten. Besonders erfreulich ist, dass fast alle Mehrfachstarter tatsächlich Verbesserungen erzielen. Auch bei Sonja ist das so. Die sportliche Walkerin und Schwimmerin zeigt in ihrem 3. Wettkampf erstaunliche Fähigkeiten Ihre Endzeit von 2:38 Minuten wird von Wettkämpferinnen bei der Biathlon-Tour wahrlich nicht oft erreicht. Da Sonja zudem starke 4 Treffer erzielt, übernimmt sie die Führung in der Gesamtwertung von Tom Hemme, der am Vormittag 2:47 Minuten schaffte.

Wenn der Zahnarzt…

Eine heitere Männerrunde tritt zum Dreikampf unter Freunden an. Ganz schön flott jagen (v.l.n.r.) Jürgen, Benno und Augo durch die „Loipe“. Jürgen  und Augo erreichen das Biathlongewehr etwas eher, als Benno in der Mitte. Doch Benno, der als Zahnarzt in Lingen arbeitet, hat das etwas ruhigere Händchen als die Kollegen. 2 Treffer reichen ihm zum Erfolg in diesem Dreikampf, weil Jürgen und Augo nur einmal treffen. Zusammen schießen die drei Männer die Trefferanzahl, die unsere Führende, Sonja, mit 5 Schüssen alleine erzielte. Hoffentlich, für die Patienten, ist Bennos Hand am Montagmorgen noch ein bißchen ruhiger als heute.

Das erste fehlerlose Schießergebnis

Es hätte uns klar sein können, dass es an diesem Tag eine Wettkämpferin sein würde, die das erste fehlerlose Schießen mit 5 Treffern nach dem 400 m Skilanglauf vorweisen kann. Die Betriebswirtin Nicola Drees geht zusammen mit ihrer Tochter Merle an den Start. Bei den beiden ist seit einer Woche die junge Caroline zu Gast, Austauschschülerin aus dem fernen Mexiko. Auch sie wagt sich in den Biathlonwettkampf. Nicola, die aus Lingen kommt, ist Wintersportfan, liebt das Alpine Skifahren und geht regelmäßig joggen. Schießerfahrung hat sie keine, was sie nicht davon abhält mit erstaunlicher Präzision und ohne jeden Wackler ihre 5 Schüsse in den kleinen 45 mm-Zielen unterzubringen. In 4:43 Minuten erklimmt die 49-Jährige mit 5 Treffern die Spitzenposition in der Etappenrangliste.

Pflegetochter treibt den Papa zum Glück

Wir erinnern uns an Kim, die 13-jährige Fußballerin. Das erste Duell mit ihrem Pflegevater, Thomas, konnte sie am frühen Nachmittag für sich entscheiden. Sie lässt nicht locker und möchte nochmal antreten. Was bleibt dem liebenden Vater anderes übrig, als sich erweichen zu lassen? Doch nicht nur Talente können rasch hinzulernen, sondern auch der 59-jährige Kraftfahrer, der Tischtennis als Wettkampfsport betreibt und sich mit Radfahren, Schwimmen und Laufen fit hält. Auf dem Thoraxtrainer scheint sich Thomas nicht komplett zu verausgaben und läuft nur etwas schneller als Kim. Später erzählt der sympathische Lingener, dass er seinerzeit bei seiner Grundausbildung nie zu den guten Schützen gehörte, heute aber überzeugt er voll am Biathlongewehr uns schafft, was 58 weiteren Wettkämpfern nicht gelingt, das fehlerlose Schießen. Mit 3:20 Minuten erreicht Thomas Vieth eine schnellere Zeit als die führende Nicola Drees und übernimmt damit, knapp eine Stunde vor dem Etappenende, die Führung in der Tageswertung.

Ein letzter Angriff auf die Etappenführung

Um kurz vor 18 Uhr könnte es für den Führenden, Thomas Vieth, doch noch einmal eng werden, denn Berufssoldat Alexander Krämer, versucht im 2. Anlauf den Angriff auf die Etappenführung. Sein Lauf auf dem Thoraxtrainer lässt ihm ein Zeitpolster auf Thomas Vieth, das Alexander vor seinem ersten Schuss ausnutzt, um wieder zu Atem zu kommen. Es sieht gut aus für den Lingener, der in Holland als Nato-Soldat stationiert ist. Er legt 2 Treffer vor. Doch mit dem 3. Schuss schießt er einen Fehler. Auch für einen Berufssoldaten ist es kein leichtes Unterfangen, nach der Belastung die höchste Präzision ohne Wackler konstant abzurufen. So werden es für Alexander 4 Treffer und mit 2:55 Minuten  der 5. Platz in der Gesamtwertung, während Thomas Vieth als Tagessieger Lingens Mann für das Finale in Ruhpolding am 26./27. Januar 2019 wird. Das Tour-Team freut sich schon auf das Wiedersehen mit mit Thomas, der von seiner Freundin Ulrike zum Finale begleitet wird. Mit der Ehrung der beiden Besten, Nicola Drees und Thomas Vieth, sowie der Übergabe des Finalgutscheins an Thomas endet die 15. Etappe der Biathlon-Tour in Lingen, für deren Organisation wir uns sehr herzlich bei der LWT GmbH und Mechthild Wildemann-Pleister bedanken, sowie auch bei den lokalen Unterstützern der Etappe, dem Kreissportbund Emsland mit seinem Sportreferenten Frank Gunia, der AOK Niedersachsen, dem Skoda Autohaus Timmer und der Volks- und Raiffeisenbank Lingen. Über den nächsten Schritt zur Entwicklung der Biathlon-Etappe in Lingen zu einem begeisternden Citysportevent 2019 würden wir uns sehr freuen und kommen gerne ins Emsland zurück. Es gibt zahlreiche Beispiele im Rahmen der Biathlon-Tour, dass ein solcher 2. Anlauf zu einer großartigen Veranstaltung führen kann.

Bilder: Harry Pien    Text: Martin Bremer