Nachbericht zur 39. Etappe 2017 in Hofgeismar

Ein Biathlon-Wintermärchen

Darauf mussten wir mehr als 100 Etappen lang warten, eine Etappe unserer ganz und gar sommertauglichen Biathlon auf Schalke-Tour als wahrhaftiges Wintermärchen präsentieren zu können. An diesem 2. Adventssonntag auf dem Weihnachtsmarkt des nordhessischen Städtchens Hofgeismar erwischt uns der Wintereinbruch allerdings auf dem falschen Fuß. Es fehlt die nötige Anzahl an Pavillons, um das empfindliche Material vor der in dicken Flocken niedergehenden weißen Pracht zu schützen. So erleben die Wettkämpfer, die Zuschauer und wir tatsächlich eine Thoraxtrainer-Loipe und beinahe nordischen Skilanglauf inmitten der heimeligen Hofgeismarer Altstadt.

Wenn man dann stimmungsvolle Teams am Start hat, wie die Jecken Weiber und die Urwaldelfen der Hofgeismarer Karnevalsgesellschaft oder die JUZ Hofgeismar, dann verwandelt sich das aus hunderten Städten bekannte Weihnachtsmarktgesicht binnen weniger Minuten zur Biathlonarena und ein Hauch von Holmenkollen hält Einzug.

Den Zuschauern und Wettkämpfern macht es Spaß und so bieten wir bis in den Abend hinein die Biathlonwettkämpfe an und der Kampf um den Etappensieg und die Finalteilnahme während des Biathlons auf Schalke entscheidet sich tatsächlich erst mit dem letzten Duell des Tages. Dabei wird EINER zum Ole-Einar Björndalen von Hofgeismar.

Ein Tag mit ganz speziellem Rahmen

Am Mittag ist Reinhold Kersten, der 74-jährige Hobbyjäger und ehemalige Berufssoldat der erste Wettkämpfer des Tages. Die Schneeflocken liegen noch in der Zukunft, als der fitte Rentner mit 4 Treffern und 3:27 Minuten eine erste Marke setzt. Wir setzen hier in Hofgeismar die Laserbiathlonanlage mit 45 mm-Zielen ein. Wie schwierig darauf ein fehlerloses Schießen mit 5 Treffern ist, sahen wir beim bisher letzten Einsatz dieser Anlage am 5. November in Wittlich, wo keinem der 51 Wettkämpfern ein fehlerloses Schießen gelang und Polizist Jörg Groß mit 4 Treffern Etappensieger wurde.

Doch hier in Hofgeismar werden 4 Treffer nicht zum Etappensieg reichen. Kurz vor Etappenende schafft EINER das fehlerlose Schießen und wird damit zum Senior aller bisher 101 Etappensieger der Biathlon auf Schalke-Tour. Es ist Reinhold Kersten. Offenbar hat er nichts verlernt, seit er vor 20 Jahren aus der Bundeswehr ausgeschieden ist. Nach den anstrengenden 400 m auf dem Thoraxtrainer sieht es einen Moment lang so aus, als habe sich der rüstige Rentner übernommen. Doch er überwindet Augenblicke des Schwindels, greift zum Biathlongewehr und schießt so präzise, als sei nichts gewesen. In der bereits fortgeschrittenen Dunkelheit sind die roten Lichtpunkte seiner Schüsse gut zu erkennen. Sie zeichnen ein Bild von der verblüffenden Präzision des ehemaligen Hessischen Meisters des Jagdsportlichen Wettkampfschießens. 40 Wettkämpfer, u.a. aus Paderborn, Kassel oder Hann. Münden angereist, bemühen sich den Tag über vergeblich um jene 5 Treffer doch dann kommt der 74-jährige Lokalmatador und zeigt, dass der Etappensieg bei der Biathlon auf Schalke-Tour keine Altersgrenze kennt. Reinhold Kersten wird damit sozusagen zum Ole Einar Björndalen von Hofgeismar und wir freuen uns schon jetzt ganz besonders darauf, Reinhold und seine Frau Jechow am 28.12. im Kreise der Etappensieger beim Finale auf Schalke wiederzusehen.

1. Hofgeismarer Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft

4 vierköpfige Teams konnte die Stadt Hofgeismar für diese Premiere einer Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft gewinnen. Es ist ein kleiner Anfang mit um so größerem Spaß, denn wir haben begeisterungsfähige Teams am Start. Mit den „Jecken Weibern“ und den Urwaldelfen 1 und 2 stellt die Karnevalsgesellschaft Goldene Elf gleich 3 Teams und trifft auf die Staffel der JUZ Hofgeismar. Alle 16 Starter sind komplette Biathlonneulinge und über am Mittag zum ersten mal diesen Sport. Bis zum Start um 14 Uhr ist aus keinem von ihnen ein Biathlonchampion geworden, doch Helden sind sie irgendwie alle, denn sie stürzen sich mit Mut, Humor und Ehrgeiz in die ungewohnte Herausforderung und bieten den staunenden Schaulustigen ein herrliches Spektakel. Im ersten Halbfinale treffen die Urwaldelfen 1 und die JUZ Hofgeismar aufeinander.

Bis zur Schlussrunde führen die Urwaldelfen 1. Robert Wittmis vom Männerballett der Goldenen Elf ist treffsicherer als Kontrahent Luca Sahl, der Handballer im Team der JUZ Hofgeismar. Erwin Aßhauer, der 1. Vorsitzende der Goldenen Elf läuft seine 400 m Skilanglauf schneller, als JUZ-Mitarbeirin Vanessa Quiring. Urwaldelfe Torsten Metz und JUZ-Starter Johannes Baumann liefern sich auf der dritten Runde ein packendes Duell, von dem wir leider keine Bilder haben. Es endet mit 2:2 Treffern. Schlußläufer der Urwaldelfen ist nun Handballer Yannik Heib, der mit 15 Sekunden vor dem JUZ-Hausleiter und Gemeindereferenten Markus Schneider in die letzte Runde startet.

Mit großem Kampfgeist krönt Markus Schneider seine Aufholjagd mit dem letzten Schuss. 2:1 Treffer bringen gerade noch den Sieg und den Finaleinzug für das JUZ Hofgeismar gegen die lange führenden Urwaldelfen.

2. Halbfinale: Jecke Weiber gegen Urwaldelfen 2

Gleich zu Beginn gelingt den Jecken Weibern (im rosa Oberteil und Nikolausmütze) ein Paukenschlag. Die Trainerin des Männerballetts, Dagmar Aßhauer, wird zur besten Schützin der Staffelmeisterschaft und erzielt mit ihren 5 Schüssen 4 Treffer. In der Einzelwertung erreicht sie damit als beste Wettkämpferin den 5. Platz und gibt den Jecken Weibern im Duell mit Nadine Lindner, die mit 2 Treffern ebenfalls gut schießt, 26 Sekunden Vorsprung auf den weiteren Weg.

Die aktive SPD-Politikerin Marianne Freitag-Thiele baut den Vorsprung der Jecken Weiber im Duell mit Urwaldelfe Hans-Adolf Müller weiter aus und übergibt bereits mehr als 90 Sekunden Vorsprung auf die Vorsitzende des Volleyballvereins VC Blockfrei, Ilka Grebing, die Ihrerseits Urwaldelfe und Marketingmann der Goldenen Elf,  Oliver Lakizsus mit 2:0 Treffern auf Distanz hält. Claus Schubert mutiert für diese Staffelmeisterschaft kurzerhand zum Jecken Weib und bringt den Sieg und den Finaleinzug gegen Urwaldelfin Liane Feist nach Hause.

Das Staffelfinale:

Jecke Weiber gegen JUZ Hofgeismar

Wird Dagmar Aßhauer auch in diesem Finale zur Wegbereiterin für die Jecken Weiber und kann Luca Sahl für das JUZ seine Schießleistung von 5 Fehlschüssen nun im Finale verbessern. Wir erleben, dass Biathlon immer wieder neu bei Null beginnt. Luca Sahl wird zum Gewinner dieses ersten Finalduells, schafft 2:1 Treffer und übergibt mit 35 Sekunden Vorsprung an Vanessa Quiring. Marianne Freitag-Thiele muss für die Jecken Weiber die Aufholjagd beginnen und macht es gut. Nach dem 2. Duell führt das JUZ nur noch mit 20 Sekunden Vorsprung.

Johannes Baumann zeigt, wie im Halbfinale, einen starken Wettkampf und benötigt für seinen 400 m Abschnitt und die 2 Treffer nur 2:19 Minuten. Ilka Grebing kämpft für die Jecken Weiber um jeden Meter, doch der kräftezehrende Lauf zeigt seine Wirkung am Biathlongewehr. Ilka muss 5 Fehlschüsse einstecken.

74 Sekunden Rückstand vor der Schlussrunde erscheinen für die Jecken Weiber unaufholbar. Doch das stärkste Weib im Team bläst nocvhmal zur Aufholjagd. Claus Schubert rückt Markus Schneider Meter um Meter näher. Am Ende schafft Claus das tolle Ergebnis von 2:15 Minuten und 2 Treffer. Es hätte um ein Haar gereicht für die Jecken Weiber, doch Gemeindereferent Markus Schneider macht das ganz schön cool und setzt den entscheidenden Siegestreffer für seine JUZ im Moment der größten Bedrängnis.

Staffelstadtmeister wird also das JUZ Hofgeismar mit Luca Sahl, Vanessa Quiring, Johannes Baumann und Markus Schneider. Doch Gewinner sind auch die tollen Staffeln der Goldenen Elf, die Jecken Weiber und die Urwaldelfen 1 + 2. Die Veranstaltungsmanagerin der Stadt Hofgeismar, Regine Gundermann, ehrt die Teams mit den Biathlonpokalen. Die Nationalhymne bildet den stimmungsvollen Abschluss dieser Staffelpremiere, die, und darin sind sich Wettkämpfer und Zuschauer einig, im kommenden Jahr wirklich mehr Teams am Start verdient hätte. Das Tourteam setzt dabei voll auf die Stadt Hofgeismar und die Premiere-Staffeln und hofft auf rege Teilnahme der Hofgeismarer Vereine, wenn es 2018 zur Neuauflage im Rahmen des Weihnachtsmarktes kommt.

Der Einzelwettkampf geht noch weiter

Noch bis in die Dunkelheit kämpfen Hofgeismarer und Weitergereiste um den Etappensieg und die Finalteilnahme auf Schalke am 28.12. Zu Letzteren gehört der letztjährige Etappensieger aus dem dez Einkaufszentrum in Kassel, Manuel Göbel aus Hann. Münden. Manuel und sein 12-jähriger Sohn Max waren im Dezember letzten Jahres zusammen beim Finale auf Schalke und dort gewann Manuel sein Rennen und gewann die beste Kartenkategorie, Gänsehaut-Tickets, für den am gleichen Tag stattfindenden Biathlon auf Schalke in der VELTINS-Arena. Das machte den beiden so viel  Spaß, dass sie nun gemeinsam in Hofgeismar an der Startlinie stehen, um als Etappensieger auch in diesem Jahr auf Schalke wieder dabei sein zu können. Doch heute reicht es für Manuel mit 4 Treffern und 3:25 Minuten nur vorübergehend zum Spitzenplatz. Manuel erreicht am Ende Platz 3 und auch Max erweist sich als Biathlontalent und schafft Platz 9 dieser Etappe in 4:25 Minuten mit 3 Treffern.

 

Ein wahrer Unglücksrabe

9 mal ging der 28-jährige Patrick Pöhler vor genau einem Monat bei der Indooretappe im Paderborner Südring-Center an den Start und hatte das Happy End des Etappensieges  schon beinahe erreicht, als im letzten Wettkampf Kevin Mersmann doch noch an ihm vorbeizog und der Hövelhofer sich mit Platz 2 begnügen musste. Heute nimmt er die ungleich weitere Anreise in Kauf, um im zweiten Anlauf sein Glück zu suchen. Und es läuft auch zunächst rund für den sympathischen Montageprojektleiter. Im Duell mit dem schnellen Swenjan Sellin, der Ende Oktober bei der Etappe im dez Einkaufszentrum schon einer der schnellsten Wettkämpfer war, liegt Patrick zwar nach 400 m Skilanglauf zurück, doch in diesem schnellen Rennen gewinnt er mit 4:2 Treffern und benötigt 2:24 Minuten. Damit holt sich Patrick zu diesem Zeitpunkt die Führung vor Manuel Göbel. Doch wir kennen Patricks Schicksal ja schon. Wieder kommt ganz am Ende noch einer, der ihn von der Etappenspitze auf Platz 2 verdrängt, dieses mal ist es unser Seniorchampion, Reinhold Kersten. Doch auch für Patrick haben wir einen Trost parat. Er rückt für den zum Finale verhinderten Etappensieger aus Meinerzhagen, Valeri Enns, nach und wird am 28.12. auf Schalke als zweifach verhinderter Etappensieger im Tourfinale stehen. Ein happy end auf Umwegen sozusagen.

Wir verabschieden uns mit einem herzlichen Dankeschön an alle Wettkämpfer für ihre Freude und die Motivation. Es hat viel Spaß mit Euch gemacht. Ein großes Dankeschön an Jochen Droste. Der Wettkampfleiter des Sommerbiathlons in Golmbach, der uns auch beim tollen Citybiathlon in Holzminden im Oktober bereits so großartig unterstützt hat, half uns heute von der ersten Minute des Aufbaus bis zur letzten Minute des Abbaus. Wow, für diesen Freundschaftsdienst verneigen wir uns voller Hochachtung. Der abschließende Dank gilt der Stadt Hofgeismar und der rührigen Regine Gundermann, die  in kürzester Zeit noch eine Staffelmeisterschaft organisiert hat. Wir würden uns sehr freuen, wenn noch mehr draus wird aus diesem schönen Anfang.

Bilder: Jochen Droste und Harry Pien   Text: Martin Bremer