Patrick Pöhler: Der Mann für die verrückten Tourgeschichten

Wenn Patrick Pöhler zu einer Etappe der Biathlon-Tour kommt, dann brauchen wir uns um die Geschichte des Tages keine Sorgen zu machen, sie wird kommen, wie auch immer. Dabei inszeniert sich Patrick überhaupt nicht, tritt im Gegenteil zurückhaltend und sympathisch auf. Heute ist Patrick im Südring-Center, wie vor 2 Jahren, als er 10 Minuten vor Etappenende mit seinem 9(!) Wettkampf an jenem Tag die Etappenführung erobert, um sie 5 Minuten später gleich wieder abtreten zu müssen. 2 Wochen später verlor er den Spitzenplatz in Hofgeismar erneut in letzter Minute um schließlich im dritten Anlauf die vorletzte Etappe des Jahres in Hagen zu gewinnen und ins Finale einzuziehen. 2018 schafft er bei der Etappe im Kasseler DEZ-Einkaufszentrum überragende 1:44 Minuten und verpasst den Etappensieg nach 4 Treffern erst mit dem verflixten letzten Schuss. Es ist seinerzeit wieder der 3. Anlauf als er die Etappe in Hofgeismar dieses Mal in Last-Minute-Manier gewinnt und sich gar nicht recht darüber freuen kann, weil er mit dem enttäuschten Zweiten, Matthias Blaschke, mitfühlt. Beim Tourfinale in Ruhpolding treffen sich beide dennoch wieder und hier geht Patrick sozusagen mit gefühlt jedem Quadratmeter Loipe auf Augenhöhe. Es sagt viel über den 30-jährigen jungen Familienvater aus Hövelhof, dass er trotzdem auch in diesem Jahr alles daran setzt, die Qualifikation zum Tourfinale in Ruhpolding wieder zu schaffen. Aufgeben können derweil andere. Und so gibt der Montageprojektleiter auch heute nicht auf, als er die 1:48 Minuten und 5 Treffer von Julian Krimmel auf dem Ranglisten-Bildschirm sieht. Warum auch, 1:44 Minuten hat er selbst vor einem Jahr geschafft. Von 2:03 Minuten auf 1:53 Minuten hat er sich an diesem Nachmittag bereits verbessert. Jeweils 3 Treffer zeigen das kleine Problem, mit dem er in diesem Jahr bisher zu kämpfen hat. Die Treffsicherheit ist noch nicht so zuverlässig da. Doch wie kaum ein anderer holt sich Patrick seine Verbesserungen fast kontinuierlich Schritt für Schritt und deshalb darf man ihn an diesem Abend um kurz vor 18 Uhr auch nicht abschreiben, auch wenn die Chance, nun die Jahresbestleistung von Julian Krimmel zu schlagen bei realer Betrachtung sehr gering ist. Und dann geht Patrick die mission impossible wieder mit seiner dicken Jacke an. Doch all das ist Vorgeplänkel und als das Rennen mit David Letmathe losgeht wird gleich klar, Patrick will es noch einmal wissen. 39 Sekunden für die ersten 200 m Meter, unter 60 Sekunden für 300 m. Wie macht er das bloß? Nach unglaublich guten 78 Sekunden und ohne aufsteigenden Dampf aus seiner Jacke eilt Patrick zielstrebig zum Gewehr. Er ist in seinem Film. Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschusses ist nach dieser enormen Anstrengung derart groß, dass es sich nicht lohnt, darüber nachzudenken. Patrick trifft. Man muss den Fehlschuss erwarten. Patrick trifft erneut. „Alle Achtung..“ ist kaum zu Ende gedacht, da fällt der 3. Treffer. Jetzt nimmt das Ding der Unmöglichkeit schemenhafte Konturen an, die sich mit dem 4. Treffer plötzlich scharf gezeichnet darstellen. Die Zeit passt und nun fehlt tatsächlich nur ein einziger perfekter Moment. Gedanken an den verflixten letzten Schuss im letzten Jahr in Kassel fast in der gleichen Wettkampfsekunde? Keine Zeit dafür. Schuss…Treffer…Tausendsassa. Unglaublich: 1:45 Minuten. Patrick hat den Sieg und die Jahresbestleistung natürlich verdient, die Etappe hat dieses famose Finish verdient, doch Julian Krimmel hat diese Last-Minute-Niederlage alles andere als verdient. Deshalb wünschen wir Julian, dass er sich, wie heute Patrick, in Hofgeismar oder Bad Hersfeld noch das Finalticket wird sichern können.