Nachbericht zur 26. Etappe 2018 in Paderborn

Einmal im Jahr gehts an die Nordsee im Südring-Center

Der Paderborner Südring-Center ist seit dem Start der Biathlon-Tour 2015 jährlich Gastgeber einer zweitägigen Etappe und bildet, zusammen mit dem dez Einkaufszentrum in Kassel das Kontinuum der kleinen Indoorsaison der Tour im ungemütlichen November. Lichterhimmel also statt Wolken, aus Norden der Duft von Heringsdip und  gebratenem Fischfilet und aus Osten steigt ein Hauch von frisch gebackenem Landbrot der Bäckerei Schäfer in die Nase. Es macht einfach Spaß in diesem gepflegten Shopping-Center, der keine Leerstände zu kennen scheint und mit einer attraktiven Mischung an Fachgeschäften, Gastronomie und Läden für den täglichen Bedarf ein Besuchermagnet für ein größeres Umland ist.

80 Wettkämpfer werden an diesen beiden Tagen in die Rennen um den Etappensieg starten und einige hundert Besucher testen ihre Treffsicherheit an den Infrarot-Biathlongewehren. Dabei wird aus 8 m Entfernung auf Ziele mit 45 mm Durchmesser geschossen. Viele wundern sich, wie schwierig es ist und wundern sich noch mehr, wenn sie hören, dass das Schießen auf diese Zielgröße nur ca. halb so anspruchsvoll ist, wie bei den Biathlonprofis in Ruhpolding, Oberhof oder Antholz. Echtes Biathlon-Feeling kommt immer dann auf, wenn wieder Wettkämpfer in der „Indoor-Loipe, den Thoraxtrainern, virtuelle 400 m in der Doppelstocktechnik bewältigen, bevor sie außer Atem zum Biathlongewehr wechseln und dort dann ganz real der Herausforderung des Biathlons begegnen. Immerhin 5 Wettkämpfer, darunter erfreulicherweise gleich zwei Damen, schaffen das fehlerlose Schießen mit 5 Treffern. Die besten der mutigen Biathleten, die allesamt Neulinge in dieser Sportart sind und allenfalls in den Vorjahren bei uns schon einmal hineingeschnuppert haben, stellen wir im folgenden vor.

Der Gastgeber legt vor

Nachdem anfangs an diesem Freitagmittag die 3 Treffer von Hermann-Josef Giesguth zur Etappenführung reichen, versuchen sich zwei Mitarbeiter des Gastgebers in ihrer Mittagspause daran, die Messlatte für den Etappensieg höher zu legen. Der Marketingleiter des Südring-Centers, Andree Sake, (im Bild zweiter von rechts) schafft mit 2:45 Minuten für die 400 m Skilanglauf und seine 5 Schüsse die bisher schnellste Zeit, wird mit seinen 3 Treffern jedoch noch überflügelt von Detlef Fehlhaber (im Bildvordergrund). Der Leiter der Haustechnik schafft 4 Treffer mit seinen 5 Schüssen und übernimmt mit 3:17 Minuten nun zunächst die Führung in der Gesamtwertung. Der Modus der Biathlon-Tour gewichtet die Trefferzahl höher, als die Schnelligkeit. Die höchste Trefferzahl gewinnt, bei Treffergleichheit liegt dann der Schnellere vorne. Detlef Fehlhaber wird am Ende beider Etappentage mit seiner Leistung Elfter.

Der Senior schafft es unter die Besten

Es ist ein Privileg in der Betreuung der Biathlon-Tour mit zahlreichen interessanten Menschen in Kontakt zu kommen. Einer von ihnen ist zweifellos Heinrich Rustemeier. Der 79-Jährige übt die beiden Disziplinen des Biathlons auch in seinem stolzen Alter noch aktiv aus. Den Wettbewerb der Biathlon-Tour schaut er sich eine ganze Weile lang an und entschließt sich dann, die Wettkampferfahrung auch selbst zu machen. Unwillkürlich denkt man an die Hunderte Ü50er, in deren Überzeugungen so gar kein Platz für aktiven Sport mehr ist, geschweige denn noch „Wettkampfblut“ durch die Adern fließt. Und dann kommt ein noch älterer Mensch und hat sich beides erhalten. Seine Augen strahlen das auch aus, sind eben nicht nur ein Spiegel seines Alters, sondern haben sich darunter ein jugendliches Blitzen bewahrt. Auf dem Thoraxtrainer merkt man Heinrich an, wie er seine Kräfte, auch die Willenskraft, bündeln muss. Und natürlich sind wir Betreuer nicht ohne Sorge vor einer Überforderung. Doch Heinrich weiss, was er sich zumuten kann und gehört nach der Belastung zu den besten Schützen der beiden Tage und belegt unter allen 80 Wettkämpfern mit 4 Treffern und 4:22 Minuten den 13. Platz. Alle Achtung!

Zwei Schützen aus Brakel treffen beim Auswärtsspiel

In ihrer Schützenbruderschaft in Brakel-Gehrden gehören Ingo Hoemann (im gestreiften Pulli) und Marius Rogge zum Hofstaat des amtierenden Königspaars. Hier im Südring-Center können die beiden selbst zu Königen werden. Und tatsächlich bewirbt sich Marius mit 4 Treffern und 2:45 Minuten als neuer Führender für den Etappenthron. Wird das kleine Brakel einen Auswärtssieg in Paderborn feiern?

Die Lokalmatadoren antworten

Er bezeichnet sich selbst als Wettkampf-junkee. Der Paderborner Marcus Lucashen springt gerne „ins kalte Wasser“, nicht nur beim Triathlon. Er misst sich auch bei Volksläufen, im Golf und beim Schach mit Begeisterung. Wettkampffieber ist für ihn die ideale Betriebstemperatur. Klar möchte er hier beim Biathlon der Erste sein, dem ein fehlerloses Schießen nach der Laufbelastung gelingt. Und man hätte fast drauf wetten mögen, dass dem 49-Jährigen dieses Kunststück auch gelingt, obwohl er über keinerlei Schießerfahrung verfügt. „Mentalität schlägt Talent“ ist ein häufig gebrauchtes Zitat im Spitzensport, doch es gilt ebenso beim Jedermann-Biathlon. Wer richtig Lust darauf hat es gut zu machen, dem gelingt das auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit. Marcus gelingen 5 Treffer in 2:56 Minuten und der Sprung an die Etappenspitze.

Das Highlight des 1. Tages

Das schnellste Duell des 1. Etappentages liefern sich die beiden Brüder, Sherwin und Arya Niktalab. Die beiden sind mit ihrer Familie im Südring-Center. Für eine sportliche Anstrengung können sie sich zunächst nicht recht motivieren. Doch nachdem sie einige Wettkämpfe mitverfolgt haben und die Familie nicht locker lässt, nehmen die beiden einen Anlauf auf den Siegerpreis, die Reise für 2 Personen zum Finale der Biathlon-Tour in Ruhpolding am 26./27. Januar 2019. Auf dem Thoraxtrainer beginnen die Schienen zu glühen. Insbesondere Arya (im grauen T-Shirt) bringt viel Kraft auf die Skistöcke. Der 22-jährige Maschinenbaustudent an der Uni Paderborn hält sich regelmäßig im Studio fit und schafft die 400 m-Strecke in ganz starken 81 Sekunden mit 80 m Vorsprung vor Sherwin. Dass die beiden etwas Schießerfahrung haben, konnte man beim Probeschießen schon erahnen. Sherwin hat in diesem Jahr beim Pokalschießen mit der Pistole in Büren mitgemacht und Arya, der in Deutschland geboren ist, erlebt auf seinen Reisen in die iranische Heimat seiner Familie gerne auch die dortige Tradition des Jagens. Hier „jagen“ die Brüder den einzigen fehlerlos schießenden Wettkämpfer des Tages, Marcus Lucashen und es wird schnell klar, dass beide die Zeit des „Wettkampf-junkees“ unterbieten werden. Doch reicht es auch zu einem Schießen ohne jeden Wackler? Bei Sherwin nicht. Er patzt beim 1. Schuss. Arya legt zunächst 2 Treffer vor. Nachdem er sich vor dem 1. Schuss etwas Zeit zum Verschnaufen ließ, schießt er nun in einem recht flotten Rhythmus. 3. Schuss: Treffer. Noch zwei Hürden stehen vor der möglichen Etappenführung. 4. Schuss: Treffer. Gerade in der Vorwoche sahen wir 2 mögliche Etappenchampions an dem verflixten letzten Schuss scheitern. Mit einem Moment verpasst ein toller Wettkampf dann seine Krönung. Und Arya? Behält er die Nerven? 5. Schuss…und…Treffer. Wow! Die Etappe im Südring-Center hat ihr erstes „Etappensieger-verdächtiges“ Ergebnis. Arya erzielt 2:14 Minuten und 5 Treffer und damit einen Platz unter den 20 Besten der über 1000 Wettkämpfer aller 26 Etappen der Biathlon-Tour 2018. Ob es zum Etappensieg reichen wird, entscheidet sich am 2. Etappentag.

Der Samstag ist Familientag

Der Samstag ist Familien-Tag im Südring-Center. Das kennen wir schon aus den Vorjahren so. Da kommt so mancher junger Biathlonfan, wie der 11-jährige Jan Schulte (im Bild oben, unten links im hellblauen Pulli) und möchte seinen Lieblingssport einmal ausprobieren, obwohl die Kräfte für die 400 m auf dem Thoraxtrainer und für das 4 kg schwere Biathlongewehr noch etwas wachsen müssten. Wir lassen die Begeisterung siegen und Jan ins Duell mit Papa Michael ziehen. Dort kämpft sich der sportliche Youngster durch die Loipe und erzielt sogar einen Treffer. In ein, zwei Jahren kann er seinen Papa dann vielleicht tatsächlich herausfordern. Im Vierkampf der Clusens (im Bild oben, oben links) wird Mutter Ute Familienchampion und im Eheduell der biathlonbegeisterten Hindahls (im Bild oben, oben rechts) gewinnt Lydia gegen Antonius. Auch das nächste Familienduell bekommt eine Siegerin. Obwohl Falk Wendler (im Bild oben, unten rechts) in 2:46 Minuten mit 4 Treffern eine Top 10-Platzierung schafft legt Ergotherapeutin Nadine Genius mit ganz ruhiger Hand nach und holt sich als erste an diesem Samstag mit 5 Treffern das Shootingstar-T-Shirt für die Besten der Biathlon-Tour.

Es bleibt der Tag der Damen

Gleich noch einen Damensieg legt die 20-jährige Davina Lappe hin. Im Duell mit Freund Simon verliert die Fußballerin nur wenige Sekunden auf dem Thoraxtrainer. Am Biathlongewehr dreht sie das Duell zu ihren Gunsten und legt auffällig souverän ein Schießen ohne einen einzigen Wackler hin. In der Gesamtwertung erreicht Davina in 4:25 Minuten mit 5 Teffern Platz 4 und wird vor Nadine Genius beste Wettkämpferin der Etappe. Von uns gibt es natürlich das Shootingstar-T-Shirt und eine Medaille. Am Ende verrät uns Davina, dass sie in Köln die Polizeiausbildung absolviert und schon erste Trainings mit der Pistole absolviert hat. Solche Polizistinnen braucht das Land.

Rosenschütze auf der Jagd nach dem Sieg

Auf der Kirmes schießt Sedat Altintas regelmäßig Rosen für seine Freundin. Klar, dass sie ihn nun anfeuert, doch auch die Reise zum Tour-Finale nach Ruhpolding für das Pärchen ins Visier zu nehmen. Und tatsächlich macht der 28-Jährige Fernfahrer am Biathlongewehr alles richtig. Wir erinnern uns an den sympathischen Fernfahrer Jakob Schaubert, der in der Vorwoche in Wittlich lange die Etappe anführte und am Ende Zweiter wurde. Auch Sedat erreicht in Paderborn diesen 2. Platz mit 2:55 Minuten und 5 Treffern und natürlich ist das Pärchen ein bisschen enttäuscht, dass es zur Finalqualifikation nicht ganz gereicht hat. Unser Tipp an den sympathischen Kurden: Einfach nächstes Jahr einen neuen Anlauf auf den Etappensieg nehmen.

Ein Wiedersehen mit „alten Bekannten“

Manch einen Wettkämpfer der Vorjahre treffen wir in diesem Jahr wieder. Es sind die schönen Geschichten, die mit einer Etappe verbunden sind. Etwa die mit Michael Berkemeier. (im Bild oben, oben links im Duell mit Vater Franz-Josef). Michael ist leistungssportlicher Badmintonspieler in der Verbandsliga. Bei uns gehört er in jedem Jahr zu den Schnellsten auf dem Thoraxtrainer, doch in die Ruhe am Biathlongewehr findet er nicht so recht. Bemerkenswert ist, dass Michael trotzdem weiterhin die Herausforderung sucht und sich von den Schießfehlern nicht demotivieren lässt. So sind eben erfolgreiche Sportler. Heute konnte er auch seinen Vater motivieren mitzumachen und Franz-Josef schafft mit seinen 65 Jahren eine Zeit von 2:44 Minuten, die für manchen jüngeren Sportler unerreichbar bleibt. Michael legt mit 2:28 Minuten wieder eine der zehn schnellsten Zeiten der Etappe hin, doch beim Schießen hats noch nicht Klick gemacht. Jeweils 1 Treffer lässt beiden noch Verbesserungs-Spielraum.

4 Mal dabei und viermal unter den Top 10, diese Konstanz beweist Thomas Freitag (im Bild oben, oben rechts), den wir, nomen est omen, am Freitag vermissten. Um so mehr freuen wir uns über den „alten Bekannten“ und sein Söhnchen am Samstagnachmittag. Und wie schon in den 3 vorangegangenen Jahren ist der Hobbyvolleyballer dicht dran am Etappensieg. Ein kleiner Wackler führt mit 2:40 Minuten und 4 Treffern zu Platz 7 statt zu Platz 2. Einzigartig bei der Biathlon-Tour sind aber seine 4 Top 10-Plätze in vier Jahren bei der gleichen Etappe.

Noch dichter am Etappensieg war im vergangenen Jahr hier Patrick Pöhler (im Bild oben, unten links). 9 Duelle lieferte sich der Montage-Projektleiter 2017 hier im Südring-Center und erklomm mit dem Neunten tatsächlich die Etappenführung, bevor er mit dem letzten Duell des Tages den Sieg noch an Kevin Mersmann verlor. Das gleiche passierte Patrick wenige Wochen später bei der Etappe in Hofgeismar, die er ebenfalls als Zweiter beendete, um sich dann auf der vorletzten Etappe 2017 in Hagen als Sieger doch noch das Finalticket zu sichern. Heute kommt Patrick mit einigem beruflichen Stress in den Südring-Center. Den kann er bei seinen beiden Duellen nicht komplett zur Seite schieben, zeigt aber mit 2:04 Minuten den schnellsten Wettkampf der beiden Tage, der mit 2 Treffern aber nicht zu einer Spitzenplatzierung reicht. Vielleicht nutzt Patrick seine Chance am 9.12. in Hofgeismar? Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen.

Unser Dankeschön

Mit der Ehrung des Siegers, Arya Niktalab, den wir zusammen mit seinem Bruder Sherwin am 26.01. beim Finale in Ruhpolding wiedersehen werden, endet diese vierte Südring-Center-Etappe und es ist uns eine besondere Freude, uns für dieses kontinuierliche Vertrauen des Centermanagements in die Biathlon-Tour zu bedanken. Der Dank gilt zudem der Haustechnik des Centers, die für uns mit ihrer Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft schon seit vier Jahren Etappensieger ist. Und natürlich gilt unser Dank den mutigen Wettkämpfern für ihr persönliches Engagement. Sie erst verhelfen der Etappe zu ihrer Lebendigkeit!

Bilder: Siegward Pein   Text: Martin Bremer