Nachbericht zur 13. Etappe 2017 in Vellmar

Wintersportler feiern Jubiläum mit Biathlon

Unmittelbar an den Norden Kassels schließt sich die, herrlich im Grünen gelegene,  Kleinstadt Vellmar an. Der dortige Traditionssportverein, OSC Vellmar, feiert 125 Jahre Bestehen und zu diesen Festlichkeiten steuert jede Vereinsabteilung ihren Beitrag zu. Dank der Tatsache, dass in diesem Verein eine mitgliederstarke Wintersportabteilung höchst aktiv mitmischt und von dem Zufall getragen, dass die Abteilungsleiterin, Elke Göldner, die Biathlon auf Schalke-Tour im vergangenen Jahr bei der Etappe in Kassels Einkaufszentrum dez entdeckte, macht die Tour zum vierten mal, nach Kassel, Marburg und Darmstadt, in Hessen Station. Wir erleben hier an der Stockbahn außergewöhnlich gastfreundliche Gastgeber und später begeisterungsfähige Zuschauer und engagierte Wettkämpfer. Nur am frühen Morgen, vor Beginn der Etappe, wollte es noch nicht so richtig passen.

Durch diese hohle Gasse kam er nicht

Dort, wo Elke Göldner Ihrem Team „A-Kader“ der Wintersportabteilung bei der Siegerehrung das Pokälchen überreicht, sollte eigentlich der Biathlontag stattfinden. Mit der von Wolfgang Balzerowitz wunderbar gepflegten Stockbahn finden wir ein wahres Kleinod vor, allein…der Eingang war zu schmal oder unser Touranhänger zu breit. Die liebenswerten Gastgeber schlagen vor, eine Schneise zu schlagen und den Zaun aufzuschneiden. Zum Glück für das schöne Gelände finden wir eine andere Lösung und bauen auf dem angrenzenden Parkplatz auf. Alle packen mit an, es wird mit Flatterband abgesperrt, Biertische unter die Laubbäume gestellt, Strom gelegt. Und als es dann los geht, sieht der Aufbau gar nicht mehr so aus wie ein Plan B.

Sport & Spaß, Wettkampf & Humor

Sport & Spaß sind besonders dann ein tolles Paar, wenn die Wettkämpfer ernsthaft um eine gute sportliche Leistung bemüht sind und ihr Humor sie sogar noch dabei unterstützt. Das gelingt hier heute bei der Staffelmeisterschaft mit 8 vierköpfigen Teams bestens. Wo erlebt man schon einen Bürgermeister, wie hier Manfred Ludewig (im  Bild darüber), der sich gemeinsam mit seinen SPD-Kollegen als „Rote Socken“ selbst auf den Arm nimmt. Neben den Turngirls und Turnboys des OSC Vellmar sind 3 Teams der gastgebenden Wintersportabteilung am Start. Mit den „Sterzings“ auch eine Familienstaffel und mit den „Stromern“ auch ein Unternehmen. Die 8 Teams kämpfen um 2 Finalplätze

Der 1. von 4 Vorläufen: Rote Socken vs. A-Kader

Das macht gleich Laune. Respekt vor den Roten Socken. Das, was die Bürger von ihnen im Rathaus erwarten, „kraftvoll, schwungvoll, treffsicher“, das zeigen die 4 Politiker auch hier als Biathlonstaffel. Der Faktionsvorsitzende, Walter Brück, kann den 2. Vorsitzenden der Wintersportabteilung, Udo Radke, auf der 400 m-Strecke im kräftezehrenden Langlaufsimulator „Thoraxtrainer“ mit kraftvollen Doppelstockschüben deutlich distanzieren. Doch am Biathlongewehr wendet Udo Radke das Blatt, schafft 4:1 Treffer und muss nur 15 Sekunden für seinen Fehlschuss „abbrummen“, während der Fraktionsvorsitzende 60 Sekunden warten muss, bevor er Bürgermeister Manfred Ludewig auf die 2. Runde schicken kann. Mit 17 Sekunden Vorsprung geht es also für den Sportwart der Wintersportler, Cornelis Witte (im nebenstehenden Bild), weiter. Doch der Bürgermeister wandelt seine 17 Sekunden Rückstand in 17 Sekunden Vorsprung für die SPD um, weil er mit 4:2 der bessere Schütze ist und auch 4 Sekunden schneller in der Loipe ist, als Cornelis Witte. Auf der 3. Runde zahlt sich für die SPD die Nachwuchsarbeit aus. Student Goran Latif (nebenstehendes Bild) spielt Basketball und ist Fitnessfan. Letzteres verhilft ihm zu einem ganz flotten 400 m Langlauf und die Präzision beim Basketball kann der 26-Jährige auch auf das Biathlonschießen übertragen. 2:14 Minuten und 4 Treffer bedeuten in der Einzelwertung am Ende Platz 4 unter 40 Wettkämpfern. Im Staffelduell baut er den Vorsprung der SPD auf die Wintersportler aus, jedoch nur ein wenig, weil Manfred Vornehm (im Bild darüber) in 2:30 Minuten mit 3 Treffern ebenfalls ein ausgezeichnetes Resultat erzielt. Doch 47 Sekunden Vorsprung sind nun schon ein gewisses Polster für den Kreistagsabgeordneten, Oliver Ulloth, der als Schlussläufer der „Roten Socken“ ins Duell mit Arno Hastenpflug geht. Doch nervenstark bringt der SPD-Politiker den Sieg für sein Team mit 3 Treffern nach Hause und trägt zum Gesamtergebnis von 11:38 Minuten bei. Mit diesem Ergebnis setzt sich das VIP-Team Vellmar im Tour-übergreifenden Wettbewerb Zielsicherste Stadt  auf dieser 13. Etappe mit 7 Sekunden Vorsprung auf Platz 1 vor das VIP-Team Olpe, das am Wochenende zuvor erst mit 11:45 Minuten die Führung dieses Wettbewerbs errungen hatte. Herzlichen Glückwunsch! Doch auch der A-Kader der Skiabteilung erzielt mit 12:19 Minuten ein sportliches Ergebnis. Es reicht am Ende zu Platz 3 der Staffelmeisterschaft.

Der 2. Vorlauf: Stromer vs. Sterzing family

Hinter den „Stromern“ verbirgt sich der Dieter Berndt-elektro-Service. Die 4 sportlichen Elektriker treten hier in grau gegen die pinke Sterzing family an, für die Captain Lothar als Startläufer gegen Andreas Gumz in die Loipe geht. Und wie schon im ersten Vorlauf, so dreht auch zum Auftakt dieses 2. Rennens der etwas langsamere Langläufer das Ergebnis zu seinen Gunsten. Lothar Sterzing schießt bei 4:1 Treffern nicht nur präziser, als Andreas Gumz, sondern zugleich schneller und kann seinen Schwiegersohn, Pascal Kiebach (im nebenstehenden Bild am Gewehr), mit 46 Sekunden Vorsprung in die 2. Runde schicken. Dort hat der schnelle Stromer, Marian Balzerowitz (im nebenstehenden Bild noch auf dem Thoraxtrainer) keine leichte Aufgabe. Er möchte den Rückstand aufholen, doch trifft er dabei auf erheblichen Widerstand. Pascal Kiebach, langjähriger Handballer und auch Trainer des TSV Vellmar, weiß seine Kräfte auf dem Thoraxtrainer bestens einzusetzen, so dass Marian nur wenige Sekunden gut machen kann. Am Biathlongewehr vergrößert Pascal den Vorsprung für die Sterzing family mit dem ersten fehlerlosen Schießen des Tages um weitere 30 Sekunden, weil Marian zwei Fehlschüsse unterlaufen. In 2:26 Minuten mit 5 Treffern übernimmt Pascal Kiebach zunächst auch die Führung in der Einzelwertung im Kampf um die Finalteilnahme auf Schalke und die beiden Premiumtickets für den Biathlon auf Schalke am 28.12. in der VELTINS-Arena. Auf der 3. Runde erleben wir, wie der kräftige Stromer, Dennis Berndt, den kompletten Rückstand von 76 Sekunden aufholt und in 5 Sekunden Vorsprung umwandelt. Die Gegnerin, Martina Sterzing, ist keineswegs unsportlich, aber es fehlt ihr, im Vergleich zu Dennis, einfach an Kraft und diese ist für ein schnelles Rennen auf dem Thoraxtrainer von größter Bedeutung. Dieses Rennen ist ein letzter Impuls für unsere Entscheidung, künftig bei Biathlonstaffelmeisterschaften die Teilnehmerinnen nur 300 m auf dem Thoraxtrainer laufen zu lassen, um möglichst Chancengleichheit herzustellen. Dennis Berndt sorgt mit seinen 3 Treffern also für einen kleinen Vorsprung der Stromer, den Mike Rohde im Duell mit Lisa Kiebach (beide auf den nebenstehenden Bildern) durch ein tolles Rennen in 2:13 Minuten mit 4 Treffern nicht nur ausbaut, sondern mit der drittbesten Einzelleistung seinem Team in 12:07 Minuten den Weg ins Finale gegen die SPD ebnet. Die Sterzing family kann sich vielleicht damit trösten, dass sie mit 15 Treffern bei nur 5 Fehlschüssen die besten Schützen unter den 8 Staffeln werden. Die Endzeit von 14:15 Minuten reicht für Platz 6.

Der 3. Vorlauf: Turngirls vs. Wintersport Mixed-Team

Nur 3 Sekunden trennen am Ende die OSC-Turngirls (grüne Leibchen, 14:50 Minuten) vom OSC-Wintersport Mixed-Team (14:47 Minuten). Für die Wintersportler, in der Besetzung Nike Witte, Frank Thoma, Uwe Raabe und Lisa Konrad bedeutet das Platz 7 in der Staffelwertung. Die Turngirls belegen Platz 8 in der Besetzung Katja Bergelt, Sissi Schmuck, Stina Schmuck und Caro Thoma. Die beste Einzelleistung der 8 Wettkämpfer/innen erzielte Sissi Schmuck mit 2:51 Minuten und 3 Treffern. Damit wird sie 21. und zugleich beste Wettkämpferin des Tages.

Der 4. Vorlauf: Turnboys vs. Blau-Weiss

Läuferisch liegen beide Teams, Turnboys und Blau-Weß, gleichauf mit den Finalisten SPD und Stromer. Doch 6 der 8 Wettkämpfer hatten das falsche Zielwasser ausgewählt. Nach zwei Runden haben die Turner, Ralf und Uwe 8 von 10 Schüssen daneben gesetzt, die Blau-Weissen, Alex Thoma und Clemens Radke sogar 9 von 10 Schüssen. Alle Finalchancen scheinen dahin, doch es wird noch einmal spannend, weil die beiden Turner, Dirk (im Bild mitte/links: orangenes Dress) und Yannik (im Bild unten/rechts) jeweils  4 Treffer erzielen, und Yannik mit 2:17 Minuten zudem sehr schnell unterwegs ist und die fünftbeste Einzelleistung erreicht. Am Ende fehlen den Turnboys in 12:30 Minuten 23 Sekunden zur Finalteilnahme und holen Platz 4. 2 Treffer mehr hätten also gereicht.

Ludger Radke von den Blau-Weissen wird der schnellste Langläufer des Tages. Er schafft die 400 m in ausgezeichneten 85 Sekunden. Doch auch ihm unterlaufen 4 Fehlschüsse. Mit 17 Fehlschüssen bei 20 Versuchen können auch die schnellsten Läufer nicht gewinnen. In 13:55 Minuten reicht es für Alex Thoma, Clemens Radke, Martin Radke und Ludger Radke „nur“ zu Platz 5. Hätten allein die 3 Radkes so gut geschossen, wie im 1. Vorlauf ihr Herr Papa, dann wären die Blau-Weissen 13 Sekunden vor der SPD schnellstes Team und Finalist gewesen. Also, vielleicht sollten die Jungs den Vater zum Schießtrainer machen und bei der Biathlon-Touretappe in Kassel am 27./28. Oktober einen neuen Anlauf nehmen?

Das Staffel-Finale: Die Roten Socken vs. die Stromer

Erst der letzte Schuss wird dieses spannende Finale entscheiden, soviel darf vorweg genommen werden. Die SPD war im Vorlauf 29 Sekunden schneller, als die Stromer, doch das ist Vergangenheit. Der Fraktionsvorsitzende, Walter Brück, schafft die 400 m erwartungsgemäß schneller, als „Stromer“-Startläufer, Andreas Gumz. Beide sind etwas langsamer unterwegs, als in ihren Vorläufen. Mit 30 Sekunden Vorsprung übergibt Walter Brück, trotz dreier Fehlschüsse an Bürgermeister Manfred Ludewig. In dieser zweiten Runde wächst jedoch Stromer Marian Balzerowitz über sich hinaus. Meter um Meter rückt er dem Bürgermeister näher, der noch rund 15 Sekunden Vorsprung mit ins Schießen nimmt. Während der Bürgermeister 3 Fehlschüsse hinnehmen muss, bringt der nach Luft ringende Marian 4 Schüsse ins Ziel uns seine Stromer mit 15 Sekunden in Führung. Doch Dennis Berndt wird von der schnellsten Roten Socke, Goran Latif, gejagt und noch auf der Strecke überholt. Dennis Berndt bringt seine Stromer aber selbst wieder heran, indem er am Biathlongewehr mit 4:3 Treffern die 15 Sekunden wieder aufholt. Nahezu zeitgleich starten die beiden Schlussläufer Oliver Ulloth und Mike Rohde.  Letzterer war im Vorlauf sowohl schneller, als auch treffsicherer als der SPDler. Und tatsächlich läuft sich Mike Rohde gegen den Kreistagsabgeordneten rund 50 Meter Vorsprung heraus. 4 Treffer müssten dem Stromer zum Sieg reichen. Doch er leistet sich 2 Fehlschüsse. Nun liegt es allein an Oliver Ulloth. Er traf im Vorlauf 3 mal. Diese 3 Treffer macht er nun mit seinen ersten 3 Schüssen. Trifft er 4 von 5 dann wird es ein „Fotofinish“, schießt er fehlerlos, dann siegen die Roten Socken. Oliver trifft mit dem 4. Schuss. Gebannte Stille unter den Zuschauern. Oliver Ulloth bleibt nervenstark, trifft und verschwindet in der roten Jubeltraube.

Der Etappensieger von Vellmar: Pascal Kiebach

Es passt zur Dramaturgie dieses Tages, dass Oliver Ulloth, als zweiter fehlerfreier Schütze des Tages, exakt jene 2:26 Minuten erreicht, wie zuvor Pascal Kiebach, der Etappenführende. Statt eines Stechens entscheidet der treffsichere SPDler, dass Pascal Kiebach Vellmar beim Tourfinale auf Schalke am 28.12. vertreten soll. Den Handball-Trainer und jungen Papa freut es und wohl auch die ganze Sterzing-family, die sich wohl zur Unterstützung Pascals am 28.12. zur VELTINS-Arena aufmachen wird. Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen.

 

Nachbericht HNA

Unser abschließender Dank gilt der Abteilungsleiterin, Elke Göldner, die sich so engagiert für das Gelingen dieser Etappe eingesetzt hat und allen Helfern, die hier so selbstverständlich mit angepackt haben. Aber auch den zahlreichen emphatischen Zuschauern und natürlich den Protagonisten, den engagierten Wettkämpfern möchten wir herzlich Dankeschön sagen. Es war ein toller Tag!

Bilder: Hartmut Wächter    Text: Martin Bremer