Gute Laune, Challenge, summer-feeling – die Fußgängerzone wird zum Sportplatz

Manchmal braucht es gar nicht so viel, um eine Innenstadt zu einem lebendigen Ort voller Lebensfreude zu machen. Ein attraktiver Samstagmarkt, der die Leute in die City zieht, ein bisschen Spielspaß, der die Familien lockt und die Biathlon-Tour, die mit spontaner Challenge neugierig macht, den Mitmachgeist weckt und bei rund 40 moderierten Wettkämpfen auch sportliche Unterhaltung bietet, die immer wieder im Tagesverlauf Publikum anlockt, Spannung bietet, Momente des Mitfieberns und Anfeuerns erzeugt und damit auch zum Taktgeber für einen Tag voller schöner Emotionen wird.
Genau so ist das am heutigen vorletzten August-Samstag in der Fußgängerzone der Lessingstadt Wolfenbüttel während des 2. Citybiathlons, den die Biathlon-Tour erneut in Kooperation mit dem Kreissportbund Wolfenbüttel durchführt und dabei vom Stadtmarketing und einigen aktiven Händlern wirkungsvoll unterstützt wird. Wer noch zweifelt, dass eine City mit überschaubarem Aufwand in einen sympathischen Ort voller guter Laune verwandelt werden kann, dem könnte eine solche Kooperation, wie hier in Wolfenbüttel, aus organisiertem Sport, Stadtmarketing und engagierter Händlerschaft durchaus als Ansatz dienen, wenngleich zur Wahrheit dazugehört, dass die herrliche Kulisse der Wolfenbütteler Altstadt mit den bestens restaurierten, historischen Fachwerkbauten ihren Teil zu dem stimmigen Gesamtbild beiträgt und als individueller Aspekt einfließt.
Ein schöner Fortschritt auf dem Weg zum Biathlonspektakel

Zum Glück hat der Kreissportbund Wolfenbüttel, mit seinem Sprecher der Sportjugend, Marc Both, an das Konzept des Citybiathlons geglaubt, als die Premiere im August 2025 an gleicher Stelle noch nicht alle Erwartungen erfüllen konnte. Wir schrieben seinerzeit im Nachbericht vom “Anpirschen an ein Biathlonspektakel” und können heute mit Freude vom nächsten Schritt berichten, denn speziell die ersten 4 Eventstunden von 11-15 Uhr liefern zahlreiche Momente eines Biathlonspektakels, in denen Biathlon-Novizen im Wettkampf als mutige Matadoren über sich hinauswachsen, dabei dem Laufpublikum gute Gründe zum Anhalten liefern und es so oft auch für sich gewinnen können, bis schließlich der verdiente Applaus für die guten Leistungen und leidenschaftlichen Bemühungen echte Biathlonarena-Atmosphäre entstehen lassen.
70 Wettkämpfende bei rund 40 Starts im Tagesverlauf und ca. 500 Mitmachende an den Infrarot-Biathlongewehren verdeutlichen den Erfolg und den Fortschritt auch quantitativ, wobei das Konzept der Biathlon-Tour mit dem nicht geringen Erklärungs- und Coachingaufwand einer komplexen Sportart, die den Meisten als aktives Erlebnis noch eher unbekannt ist, eben auch kein Massenevent wie etwa ein Citylauf sein kann, bei dem fast jeder Teilnehmende ziemlich genau weiss, was auf ihn zukommt. Aber genau dieses eher unbekannte Erlebnis ist zugleich der besondere Reiz des Events, weckt Neugier, erzeugt Spannung und erfordert Mut. Innerhalb von 5 Minuten vom Zuschauer zum Wettkämpfer zu werden, wo ist das schon möglich.
Junioren/Senioren, Damen/Herren und ein Wahlkämpfer

Wie zumeist bei der Biathlon-Tour sind unter den Wettkämpfenden alle Altersgruppen vertreten. Für die Kids bis 10 Jahre ist die Hüpfburg nebenan die bessere Wahl. Es wäre aber eine sinnvolle Entscheidung bei einem hoffentlich 3. Citybiathlon in Wolfenbüttel 2027 einen zusätzlichen Sponsoren zu suchen für eine 5. betreute Schießbahn für Kids, wo auch die Jüngsten beim Liegendschießen betreut werden und ihre eigene Challenge bekommen. Heute ist der 11-jährige Carlo im Familiendreikampf der Viscarras der jüngste Wettkämpfer (untere Bildzeile, im linken Bild) und es gelingt ihm sogar ein Treffer beim Stehendschießen. Wilfried Bartneck (obere Bildzeile, zweiter von links) nimmt mit 76 Jahren die Anstrengung des Wettkampfes auf sich und erzielt dabei 2 Treffer. Neben der Shootingstar-Medaille gibt’s für ihn den vielleicht größten Applaus des Tages. Für einige Minuten wird dann der Wettkampf zum Wahlkampf, denn Wolfenbüttels Bürgermeisterkandidat, Sascha Dietrich (untere Bildzeile, 3. von rechts) kämpft zusammen mit seinem SPD-Kollegen und Landtagsabgeordneten, Jan Schröder (ganz rechts) sportlich auf der Zielgeraden zur Bürgermeisterwahl in 3 Wochen und erzielt dabei 2 Volltreffer, aber auch 3 Fehlschüsse. In die sportliche Bilanz fließt aber auch ein fetter Pluspunkt für den Mut ein, sich der Challenge zu stellen. Lange Zeit an diesem Tag bleibt der Wettbewerb ohne eine(n) Meisterschützen/in, der oder dem ein fehlerloses Schießen mit 5 Treffern gelingt. Im Bild oben links sehen wir Laura Käse, der dieses Kunststück als erster gelingt. Mit ihrer Leistung wird Laura später Viertbeste der Tageswertung und noch zwei weitere Damen schaffen es in die Top 10 der Tageswertung. Insgesamt starten 22 Damen und 48 Männer in den Wettbewerb. Wie immer belegen nicht nur die Zahlen, dass Biathlon ein Sport für ALLE ist. Die Besten des Tages stellen wir im Folgenden näher vor.
Starke Damen-Leistungen

Zwei treffsichere Damen schaffen es als Biathlon-Neulinge gleich in die Top 10 des Tages. Miriam Avenhaus (im schwarzen T-Shirt) aus Berlin zum Familientreffen in Wolfenbüttel zu Gast ist eigentlich Tänzerin und mit Biathlon hatte sie bis zu ihren Probeschüssen vor wenigen Minuten überhaupt nichts zu tun. Die kräftezehrende Doppelstocktechnik in der Cardioloipe bringt sie dann auch ziemlich an die körperliche Grenze, doch die angehende Universitätsmedizinerin kämpft sich durch die 400 m-Strecke und zeigt nahezu perfekte Konzentration und Körperbeherrschung am Biathlongewehr. Als eine von nur 10 der 70 Wettkämpfenden bringt sie 4 ihrer 5 Schüsse in die 45 mm Durchmesser kleinen Ziele, die im Stehendschießen aus 10 m Entfernung zu treffen sind. Die Trefferausbeute und ihre Gesamtzeit von 4:39 Minuten bringen Miriam auf Platz 10 der Tagesrangliste.
Einen Platz vor Miriam und mit 3:18 Minuten schon erheblich schneller wird das Biathlon-Debut der ehemaligen Turnerin, Finja Wagenschein (im rot/weiss-gestreiften T-Shirt) ein voller Erfolg. Im Familienduell mit Mama, Katja, spricht nach dem Probeschießen vieles für die Mama, die Treffsicherheit zeigt, während Finja eher mit Zweifeln in die Challenge startet. Doch bereits in der Loipe überzeugen Mama wie Tochter mit sportlichem Tempo, während am Biathlongewehr Katja die Schwierigkeiten des Schießens unter Belastung mit 4 Fehlschüssen zu spüren bekommt und Finja im entscheidenden Moment voll da ist und fast alles richtig macht. 4 Treffer mit 5 Schüssen und die höchst respektable Premierenzeit von 3:18 Minuten bringen der Lokalmatadorin Platz 9.
Ein Biathlon-Tour-Rekord

In 11 Jahren Biathlon-Tour mit etwa 25.000 Wettkämpfenden gilt meine Liebe mehr denn je denjenigen, die mit besonderer Leidenschaft die Challenge annehmen, mit den Erfordernissen wachsen und bereit sind die eigene Komfortzone zu verlassen, wenn es nötig wird. In dieser Hinsicht schreibt diese Touretappe eine ganz besondere Geschichte, deren Protagonist der 17-jährige Mario Kumm ist. Schon die Anreise ist ein Statement, denn wenn die Biathlon-Tour nicht an die Nordsee kommt, dann reist der begeisterte Biathlonfan eben von der Nordsee aus Leck zusammen mit seiner Mama, Marita, rund 400 km nach Wolfenbüttel zu einem Biathlonwochenende. “Halbe Sachen” hat er auch zuvor als Biathlonfan nicht gemacht und ist in seinem jungen Alter bereits Autor zweier im Eigenverlag herausgebrachter Bücher über Franzi Preuss und ganz frisch auch über den 5-fachen Olympiasieger Quentin Fillon Maillet. Keine Frage, ein junger Mensch mit derartigem Engagement sollte gefördert werden von der Biathlon-Community, z.B. mit dem Kauf eines seiner sehr lesenswerten Bücher bei amazon
Wir sind also gespannt auf den Youngster von der Nordsee und sportlich überzeugt uns der Langstreckenläufer weniger als “Überflieger”, sondern vielmehr durch seine Beharrlichkeit. Mit 3 Treffern und 2 Fehlschüssen holt Mario am Vormittag die erste Etappenführung, verliert sie wieder und erkämpft sie mit 4 Treffern und 2:29 Minuten zurück, verliert sie dann erneut und kämpft verbissen unglaubliche 15 x an diesem Tag, bis tatsächlich das Meisterschießen mit 5 fehlerlosen Schüssen erstmals gelingt und das sogar mit der bis dahin deutlich besten Zeit von 2:22 Minuten. Auch wenn es am heutigen Tag nicht ganz für den Etappensieg reicht, so hat er einen Tour-Rekord bereits locker geknackt, denn 15 Wettkämpfe innerhalb eines Tages sind eine positive Verrücktheit, die wir bisher noch nicht erlebt haben. Und ganz sicher finden auch wir einen Weg das besondere Engagement zu fördern.
Laura Käse bricht den Bann

Die Etappe ist bereits rund 4 Stunden alt, als Laura Käse (links im Bild) zusammen mit ihrer Mama, Mareike, in den Wettkampf startet. Knapp 50 Wettkämpfende hatten bis dahin vergeblich versucht nach den 400 m Cardioskilanglauf zu Meisterschützen zu werden und alle 5 Schüsse ins Ziel zu bringen. Die jjunge Holzmindenerin hat genau dies schon einige Male zuvor bei der Biathlon-Tour geschafft und erreichte während des Tourfinals 2026 sogar den 2. Platz unter allen Etappensiegern des Jahres 2025 bei der Shootingstar-Challenge. So legt Laura tatsächlich einen Führungswechsel mit Ansage hin, schenkt dem 2. Wolfenbütteler Citybiathlon das erste Meisterschießen und übernimmt mit 3:04 Minuten unter viel Applaus die Etappenführung.
Lange darf sich Laura nicht über die Etappenführung freuen, denn einer scheint besonders gut zugeschaut zu haben. Philip Becker (Bildmitte), Sportlehrer und Fußballcoach im Nachwuchsbereich der Sportfreunde Ahlum zusammen mit unserem Gastgeber des Tages, Marc Both, gestaltet im Duell mit dem Braunschweiger Alex Gerneth seine Biathlonpremiere derart erfolgreich und scheinbar mit innerer Uhr im Kopf, dass er bei 3:02 Minuten nach 4 Treffern auch seinen 5. Schuss ins Ziel bringt und ganze 2 Sekunden schneller als zuvor Laura Käse Maßarbeit liefert und die Spitze der Tageswertung übernimmt. Es ist der 4. Führungswechsel, doch es ist nicht der Letzte, denn wie oben bereits beschrieben, erkämpft sich unser heutiger Marathon-Biathlet, Mario Kumm, seinen fehlerlosen Biathlon in 2:22 Minuten und legt damit den 5. Führungswechsel hin.
Was macht eigentlich der Titelverteidiger? Jörg Weimar (im Bild rechts) hatte 2025 den 1. Wolfenbütteler Citybiathlon in 2:48 Minuten mit 5 Treffern gewonnen und damit die Qualifikation zum Tourfinale aller Etappensieger nach Oberhof geschafft. Beim Tourfinale erreichte der Informatik-Professor der Ostfalia-Hochschule im März diesen Jahres den 17. Platz unter den 32 Finalisten und kämpft heute um die erneute Qualifikation. Doch Biathlon ist ein “Spiel um Millimeter” und heute fehlen dem Hobby-Inliner bei zwei Schüssen genau diese zur perfekten Präzision. In 2:56 Minuten mit 3 Treffern erreicht der Vorjahressieger den 14. Platz.
Zwei Ausnahme-Könner und ihr Trainer

Welche Leistungen in diesem Wettbewerb über die 400 m Cardioskilanglauf und 5 Schüsse Stehendschießen möglich sind zeigt dann wenig später Linus Timmermann (Bildmitte). Der Mechatronik-Azubi aus Holzminden ist in Wolfenbüttel ausser Konkurrenz am Start, weil er sein Finalticket bereits im Mai diesen Jahres als Sieger des Citybiathlons in Hameln gewinnen konnte. Heute ist der zweimalige Tourfinal-Zweite als Sparringspartner seines Teamkollegen Hannes Kuhnt (im Bild links) und seines Papas und Trainer, Andreas (im Bild rechts) dabei und imponiert im Wettbewerb mit der bisher besten Leistung des gesamten Tourjahres in diesem Wettbewerbsformat mit 1:44 Minuten und 5 Treffern. Der 20-Jährige gehört zu den Ausnahmesportlern der Biathlon-Tour was kaum weniger auch für Hannes Kuhnt gilt, der bei bereits 3 Tourfinals stets im Bereich der Top 10 erfolgreich war und Etappensiege in Holzminden 2022 und Hofgeismar 2024 erreichte. Als Dualer Student der Symrise AG steht das Biathlontraining beim TV Deutsche Eiche unter Andreas Timmermann für Hannes aktuell etwas hinten an, doch heute erreicht er in 1:53 Minuten mit 5 Treffern sein bestes Ergebnis in seinen mittlerweile 7 Jahren bei der Biathlon-Tour und übernimmt die Etappenführung. Diese Leistung erscheint kaum mehr zu schlagen, obwohl Andreas Timmermann seinem Schützling mit 2:11 Minuten und 4 Treffern zumindest noch recht nahe kommt. Somit geht der Sieg beim 2. Wolfenbütteler Citybiathlon nach Holzminden und wir freuen uns beim Tourfinale in Oberhof am 3./4. April 2027 auf einen “alten Bekannten”, wenn Hannes Kuhnt ein viertes Mal im Schnee der Skisporthalle um den Titel des Tourchampions kämpfen wird.
Ehrung und Dank

Mit der Ehrung der Besten (leider fehlt Philip Becker auf dem Bild) durch Marc Both aus dem Vorstand des Kreissportbundes Wolfenbüttel endet diese BIathlonetappe in Wolfenbüttel feierlich. Die Biathlon-Tour bedankt sich herzlich bei allen Wettkämpfenden, die mit so viel Mut und Motivation gekämpft haben.
Ein besonderes Dankeschön möchten wir an dieser Stelle auch an unseren Hauptpartner, den Biathlon-Weltcup Oberhof richten. Das größte Deutsche Biathlonspektakel, das im nächsten Jahr erstmals vom 4.-7. März 2027 in der Arena am Rennsteig erneut die komplette Weltelite des Biathlons am Start haben wird, unterstützt die Biathlon-Tour und ermöglicht ihr damit erst den großartigen Siegerpreis der Reise zum Tourfinale für die Besten jeder Etappe.
Herzlichen Dank an mein Team der Biathlon-Tour, an Marco, Harry und unseren Star hinter der Kamera, Thomas, für perfektes Teamwork und hohe Bereitschaft.
Ein großes Dankeschön gilt den Veranstaltern dieser Touretappe, dem Kreisportbund Wolfenbüttel, namentlich Marc Both für sein Vertrauen in die Biathlon-Tour und die erstklassige Organisation. Herzlichen Dank auch an die Braunschweigische Landessparkasse und ihren Leiter Filialbereich Regionen, Oliver Fuchs, für die große Unterstützung des Events als Sponsor. Es macht uns großen Spaß mitzuerleben, wie sich dieses Event positiv weiterentwickelt!
Biathlon-Tour-Team: Bilder: Thomas Lempken, Wettkämpferbetreuung/Technik: Marco Feulner; Siegward Pein, Social Media: Lena Bremer und Marvin Meisel; Moderation und Text: Martin Bremer

