Integration, Spaß und starker Sport auf einem „Bilderbuch-Marktplatz“

Die Etappe in Rotenburg a.d. Fulda ist schon eine ganz besondere im Tourprogramm und findet am heutigen 2. Oktobersonntag bereits zum 4. Mal seit 2023 statt. Einzigartig ist sie bereits durch ihre Entstehung, denn Klaus Hartwig wurde 2023 vom begeisterten Mitmacher und Etappensieger dann wenige Monate später zum Veranstalter und Organisator. Als ehrenamtlicher Sport-Coach der Stadt Rotenburg und mit dem Knowhow als Projektleiter des erfolgreichen Red Castle Run waren die Voraussetzungen für Klaus gegeben, diese Idee so zügig zu verwirklichen und die Förderung über das Programm „Sport integriert Hessen“ des hessischen Sportbundes unterstützte die finanzielle Umsetzung.
Der Charakter dieses Citybiathlons in Rotenburg als sportliches Integrationsevent ist ebenfalls einmalig im Rahmen der Biathlon-Tour, denn Integration steht nicht nur auf der „Verpackung“, sondern wird hier so lebendig umgesetzt, u.a. durch den Ukrainehilfe- und Kulturverein Hersfeld-Rotenburg mit Olena Miatlik an der Spitze und so vielen Helfern neben ihr. Der Verein organisiert die Verpflegung an der Biathlonarena mit Kaffee und Waffeln, Wurst und Bier, sowie mit zahlreichen ukrainischen Spezialitäten. Die Erlöse daraus fließen zu 100% in sogenannte Turniketten, blutstillende, medizinische Bandagen, die wiederum als Hilfslieferung an die Zivilbevölkerung in Frontnähe ins Heimatland geschickt wird. Wunderbar ist aber auch die sportliche Verbindung zwischen dem Ukraine Hilfe- und Kulturverein und der Biathlon-Tour, denn gleich 4 vierköpfige Teams mit sportlichen Ukrainer/innen erleben heute im Rahmen der Teamchallenge ihre persönliche Biathlonpremiere und kämpfen um den Sieg. Hierfür gilt der Team-Organisatorin, Olena Ionova, unser herzliches Dankeschön.
Und schließlich stellt auch die Location dieses Citybiathlons eine Besonderheit dar, denn die herrliche Fachwerkkulisse auf dem historischen Marktplatz schmückt die Biathlonarena ebenso individuell wie sehenswert.
Der Rotenburger Weg

Es gibt auch nur wenige Beispiel im Tourprogramm 2026 für ein Sonntagsevent in einer Innenstadt, die nicht zugleich dann auch einen verkaufsoffenen Sonntag anbietet. Hier in Rotenburg sind die Geschäfte geschlossen und es findet neben dem Citybiathlon kein zusätzliches Eventprogramm statt. Wunderbar ist, dass das Event dennoch funktioniert. Das liegt einerseits daran, dass die Teamchallenge mit vorangemeldeten Teams im Mittelpunkt des Tages steht und andererseits an den Teams selbst, die neben Motivation und Leidenschaft zum Glück auch viel Zeit und einige Fans mitgebracht haben. So fehlt es diesem Citybiathlon an nichts, die Stimmung ist bestens, die Leistungen der Mitmachenden ausgezeichnet und 70 Wettkämpfende sorgen während der Einzelchallenge und im Teamwettbewerb mit 3 Vorrunden-Rennen, 2 Halbfinals und dem Finale der 3 besten Teams für ein pralles 6-stündiges Programm, das gegen 17 Uhr mit der Siegerehrung seinen Abschluss findet. Der Modus umfasst erstmals hier in Rotenburg sowohl Liegend- als auch Stehendschießen. 2 Abschnitten mit Cardioskilanglauf von je 250 m (Frauen, U14, Ü64: 200 m) folgen jeweils 5 Schüsse zunächst liegend und danach stehend. Der spätere Etappensieger beweist, dass dieses Programm aus 500m Cardioskilanglauf und 10 Schüssen sogar unter 3 Minuten absolviert werden kann. Extraklasse!
9 vierköpfige Teams starten in ihre Challenge

Im 1.Rennen der Teamchallenge treten die Biathlon-Neulinge mit dem Namen GlitzerFlitzer gegen das Ukrainische Team „Sonnenblumen-Power an, das ebenfalls zum ersten Mal beim Citybiathlon dabei ist. Siegreich in diesem Rennen ist aber das Quartett „Die Bounty-Girls“ vom Rotenburger Bogensportverein, Bounty Bows, die bereits vor 2 Jahren das Finale der Biathlon-Teamchallenge und darin als Dritte das Podium erreichten. Die treffsicheren Bogenschützinnen schaffen es auch heute bis ins Finale, über das wir weiter unten berichten. Im Halbfiale wird dabei Alicia Emrich zu ihrer großen Stütze. Die Studentin in Life science engineering bringt dort 9 ihrer 10 Schüsse ins Ziel und benötigt nur 4:17 Minuten. In der Einzelrangliste wird sie damit 5. und zugleich zweitbeste Biathletin des Tages und wird später im Finale nur von Ihrer Teamkollegin noch überflügelt. Das Team der „Sonnenblumen-Power“ wird mit der Endzeit von 23:10 Minuten Zweiter dieses 1. Rennens und verbessert sich später im Halbfinale noch auf 22:45 Minuten. Sie werden Sechste in der Teamwertung vor den GlitzerFlitzern, die mit Ragna Boese die fünftbeste Dame in ihren Reihen haben. Ragna erzielt 8 Treffer mit ihren 10 Schüssen und benötigt 4:32 Minuten. Klasse.
Das 2. Rennen wird zum schnellsten der 3 Vorläufe und endet mit einem knappen Sieg der Theken-Mannschaft, Lokal(e) Legenden in starken 17:52 Minuten vor den Bounty Rebels in 18:17 Minuten. Beide Teams qualifizieren sich damit für das Halbfinale und ziehen dort auch als die beiden schnellsten Teams ins Finale ein. Bei den Rebels, die als Dart-Abteilung ebenfalls im Bogensportverein Bounty Bows zu Hause sind, erweisen sich Sascha Linhart mit 9 Treffern und 4:18 Minuten und Carina Schreiber mit 8 Treffern und starken 3:37 Minuten als die Treffsichersten. Sie holen in der Einzelwertung die Plätze 6 und 10, wobei Carina zur viertbesten Biathletin des Tages wird. Die Lokalen Legenden stellen vor dem Finale der 3 schnellsten Teams den besten in der Einzelwertung. Daniel Kosic überragt nicht nur durch 9 Treffer mit seinen 10 Schüssen, sondern zugleich mit der schnellsten Zeit des Tages von 2:57 Minuten. Beim Tempo ist ihm sein Teamkollege, Christoph Schöpf nahezu ebenbürtig. Der Landschaftsgartenbauer erreicht 3:04 Minuten und 8 Treffer. In der Einzelwertung schafft er Platz 8. Beide haben es damit schon zu Legenden gebracht, das ganze Team möchte im folgenden Finale nachziehen. Unbedingt Erwähnung finden sollte auch das drittplatzierte Team dieses 2. Rennen, denn das als „Ersatzbank“ startende Quartett geht spontan und nahezu ohne Übung ins Rennen und qualifiziert sich in 22:25 Minuten für das Halbfinale, in dem es mit 22:02 Minuten den 5. Platz der Teamwertung erreicht. Insgesamt erzielt das Team 47 Treffer mit seinen 80 Schüssen. Alle Achtung. Ihre Besten sind Julia Timoshina mit 8 Treffern und Justus Krautkrämer der mit 7 Treffern und hohem Tempo (3:45 Minuten) punktet.
Im 3. Rennen setzt sich das Team Parvaneh, das auf persisch „Schmetterling“ bedeutet, durch und kann dabei vor allem auf Überfliegerin Maryna Karan bauen, die 9 ihrer 10 Schüsse ins Ziel bringt und 4:35 Minuten benötigt. Das ist Platz 7 in der Einzelwertung. Maryna wird drittbeste Biathletin des Tages. Ganz stark in Tempo und Treffsicherheit zeigt sich auch Oleksandr Tymofieiev mit schnellen 3:46 Minuten und 8 Treffern. Die Schmetterlinge werden in 20:18 Minuten zum viertbesten Team des Tages. Lange Zeit vor den Schmetterlingen liegen die Volleyball-Oberliga Damen der TG Rotenburg doch am Ende kann Trainerin Elimada Rauch in 24:17 Minuten ihr Team nicht ganz ins Halbfinale bringen. Ähnlich geht es auch dem Team Grenzenlos, das 25:10 Minuten benötigt und 18 Treffer mit seinen 40 Schüssen erzielt. Zahlen sagen nicht alles über diesen Tag, denn wer die Vier kämpfen sieht, wer die Leidenschaft und Begeisterung spürt, dem wird klar, dass bei diesem Citybiathlon das Erlebnis nicht auf die Platzierung verengt ist.
Das Finale der 3 besten Teams

Wie vor 2 Jahren ist der Bogensportverein Bounty Bows gleich mit 2 Teams im Finale vertreten. Die Bounty Girls holen sich das Finalticket durch 31 Treffer mit 40 Schüssen. Das ist die beste Ausbeute aller Teams. Die Bounty Rebels waren als Sieger des 1. Halbfinals in 18:12 Minuten als zweitschnellstes Team nur knapp eine Minute langsamer als die Sieger des 2. Halbfinals, die Lokal(en) Legenden, die nach den starken 17:20 Minuten leicht favorisiert ins Rennen um den Championstitel starten. Los geht’s und der Beste der Einzelwertung, Daniel Kosic kann sogar 4 Fehler in seiner 10 Schuss-Serie kompensieren und schickt dennoch mit einer knappen Minute Vorsprung Legenden-Kollege Martin Aschenbrenner in die 2. Runde. Hinter Daniel müssen auch die beiden sehr treffsicheren Damen, Carina Schreiber (4 Fehlschüsse) und Alicia Emrich (3 Fehlschüsse) etwas mehr Fehler akzeptieren, als in den Runden zuvor. Fast gleichauf schicken sie Sascha Linhart und Freya Moser auf die Verfolgung der Legenden. Star dieser 2. Runde ist die junge Bogenschützin, Freya Moser, die bereits vor 2 Jahren zweitbeste Biathletin des Tages wurde und in diesem Finale wunderbar über sich selbst hinauswächst. Mit 9 Treffern und beinahe unglaublich guten 3:49 Minuten wird sie nicht nur beste Biathletin des Tages, sondern übernimmt unter dem Jubel der Bounty Bows-Fans auch die Führung und übergibt 35 Sekunden Vorsprung an das Bounty Girl-Küken Tamina Schreiber. Hinter Freya liegen zeitgleich die Bounty Rebels, die mit Justin Bedrich in die 3. Runde gehen und die Legenden, für die Martin Aschenbrenner nun Christoph Schöpf in die Verfolgung schickt.
Die Bounty Girls sind hier bereits die größte Überraschung dieses Biathlontages. Dazu trägt auch die erst 13-jährige Tamina Schreiber bei, die im Halbfinale sichtbar mit ihren letzten Kräften in ihrem 2. Einsatz an diesem Tage kampfstark die Finalqualifikation zu sichern hilft. Definitiv erwarten wir zum Finale einen Wechsel im Girls-Team. Doch was macht das Küken? Es springt sozusagen aus dem Nest und hinein ins Finale mit dem 3. Wettkampf am heutigen Tag. Und es wirkt fast surreal, wie die zierliche Dartsportlerin ausgerechnet gegen die beiden Hünen, Justin Bedrich für die Bounty Rebels und Christoph Schöpf für die Legenden in den Kampf zieht. Aber Tamina erzielt großartige 7 Treffer und geht mit solcher Tapferkeit durch die 2 x 200 m, dass die Bounty Girls vor der letzten Runde nur gerade 18 Sekunden hinter ihren Teamkollegen der Rebels liegen. Enteilt ist freilich Christoph Schöpf, der mit seinem Toptempo von 3:04 Minuten und den starken 8 Treffern eben auch eine Legendenleistung hinlegt. Die Schlussrunde wird damit beinahe zum Schaulaufen für unsere Legende der Biathlon-Tour, denn diesen Titel hat sich Klaus Hartwig als Veranstalter dieses Citybiathlons, bei uns längst verdient. Er braucht gar nicht so viele Treffer, wie er sie sich vermutlich gewünscht hat, um nach 18:13 Minuten die Lokal(en) Legenden zum Rotenburger Biathlon-Teamchampion zu machen. Hinter Klaus versucht Rebel, Titus Ruck, mit 2 schnellen Treffern im Stehendschießen noch alles, um das Ding noch zu drehen, aber er hätte ganz schnelle 5 Treffer gebraucht, die „auf Knopfdruck“ beinahe unmöglich sind. Titus bringt die Bounty Rebels nach 19:07 Minuten auf Platz 2. Und den größten Applaus holen sich nach 19:55 Minuten Mia Heßler und Bounty Girls ab, die von der Vorrunde über das Halbfinale und im Finale von Runde zu Runde schneller wurden. In diesen knapp 20 Minuten sind sie gemeinsam über sich selbst hinausgewachsen. Alle Achtung!
Die besten Einzelbiathleten auf einen Blick

Daniel Kosic heisst also der Etappensieger und Gewinner der Reise zum Tourfinale nach Oberhof. Der Kraftsportler und Viertbeste des 1. Citybiathlons hier 2023 nutzte also seine wenige Vorerfahrung im Biathlon optimal und kann nun ganz entspannt gegen die Etappensieger der anderen Tourstädte ins Finale ziehen, denn eine Lokal(e) Legende ist der SPS-Programmierer bereits und eine bundesweite kann er am Samstag, den 3. April 2027 auf Skiern und am Kleinkalibergewehr in der Oberhofer Skisporthalle nun werden. Ein anderer hätte genau diese Zeilen auch gerne über sich gelesen. Stefan Weingarten aus Gießen kam mit seiner ganzen Familie nach Rotenburg, um die Serie von 3 zweiten Plätzen bei Biathlon-Touretappen im vierten Anlauf in einen Sieg zu verwandeln. Erst vor 7 Tagen in Zell an der Mosel wurde Stefan von Freddy Knollmann mit dem allerletzten Schuss des gesamten Biathlontages noch vom Etappenthron gestoßen. In Rotenburg ist der sympathische Hesse wieder oben auf und holt sich mit 3:15 Minuten und 9 Treffern auch gleich in der 1. Eventstunde den ersehnten Platz an der Sonne. Der kleine Schatten ist dabei ausgerechnet der letzte Schuss, der nach 9 Treffern das Ziel verfehlt. Und ausgerechnet dieser verflixte letzte Schuss sorgt heute dafür, dass Stefan welchen Platz mit nach Hause nimmt? Natürlich den 2. Nun darf er sich weiterhin nicht Etappensieger der Biathlon-Tour nennen, aber ein Champion ist er mit vier 2. Plätzen dennoch für uns. Deswegen möchten wir ihm vor seinem nächsten Start in 2 Wochen in Marburg mit auf den Weg geben, dass er auch ohne Etappensieg von uns ein Ticket für das Tourfinale bekommen wird. Wir möchten an dieser Stelle auch nocheinmal die besten Biathletinnen des Tages feiern, Freya Moser, Alicia Emrich und Maryna Karan die uns mit ihren nahezu perfekten 9 Treffer begeistert haben. Herzlichen Gückwunsch.
Die Biathlon-Tour sagt Dankeschön

Die Biathlon-Tour bedankt sich herzlich bei allen Wettkämpfenden, die mit Mut und Motivation diesen Tag zu einem Biathlonfest gemacht haben.
Ein besonderes Dankeschön möchten wir an dieser Stelle auch an unseren Hauptpartner, den Biathlon-Weltcup Oberhof richten. Das größte Deutsche Biathlonspektakel, das im nächsten Jahr erstmals vom 4.-7. März 2027 in der Arena am Rennsteig erneut die komplette Weltelite des Biathlons am Start haben wird, unterstützt die Biathlon-Tour und ermöglicht ihr damit erst den großartigen Siegerpreis der Reise zum Tourfinale für die Besten jeder Etappe.
Herzlichen Dank an mein Team der Biathlon-Tour, an Marco, Harry und erstmals auch an die junge Sommerbiathletin Sophie Wink, die gemeinsam mit ihren Eltern das kurzfristig in Unterzahl geratene Tourteam kompetent und fleissig unterstützte. Es war perfektes Teamwork.
Ein großes Dankeschön gilt den Veranstaltern dieser Touretappe, den Sport-Coaches der Stadt Rotenburg, Klaus Hartwig und Ana Cutura, die nicht nur beide den gesamten Tag von der ersten bis zur letzten Minute dabei waren, sondern auch in der langen Organisationsphase manche Extraschicht für das Event auf sich genommen haben. Herzlichen Dank auch an den Hessischen Sportbund, der mit seinem Programm „Sport integriert Hessen“ genau solche Events wie den heutigen Citybiathlon ermöglicht und sich hoffentlich auch durch diesen Tag in seiner Arbeit bestätigt fühlt.
Biathlon-Tour-Team: Bilder: Siegward Pein; Videos: Gisi Feulner, Wettkämpferbetreuung/Technik: Marco Feulner; Siegward Pein und Sophie Wink, Social Media: Lena Bremer und Marvin Meisel; Moderation und Text: Martin Bremer

