Nachbericht zur 8. Etappe 2018 in Wuppertal

Biathlon unter beeindruckender Glaskuppel

Erneut führt uns die Tour in diesem Mai ins Bergische Land. Nach Wipperfürth am 5./6.5. sind wir an diesem herrlich sonnigen letzten Mai-Samstag in einem architektonischen Meisterwerk zu Gast. Die Elberfelder Rathaus Galerie lädt ihre Kunden, Mieter und alle Wuppertaler Sportfans zum Biathlon in die imponierende Rotunde ein, die in luftiger Höhe von einem riesigen Glasdach überspannt ist, das den Sonnenstrahlen volle Ausbreitung durch die 3 Geschosse erlaubt und für ständig sich wandelnde Lichtspiele sorgt.

Elberfelder Rathaus hinter dem Jubiläumsbrunnen. Foto: Harald Köster, Bochum

1996 gewann die Galerie im Herzen Elberfelds den European Shopping-Center-Award wohl nicht zuletzt dieses erhebenden Anblicks wegen.

Doch zur Faszination trägt auch bei, dass dieses in starker Hanglage erbaute Einkaufsparadies so intelligent in seine Umgebung integriert wurde und auf jeder seiner drei Ebenen einen ebenerdigen Eingang besitzt. Interessant auch, dass das südlich angrenzende ehemalige Elberfelder Rathaus beinahe genau 100 Jahre vor der Rathaus Galerie erbaut wurde und seinerzeit im Stil der ausgehenden Neugotik ebenfalls als architektonisches Meisterwerk galt.

 

Einkaufen – genießen – mitmachen

Die Rathaus Galerie muss sich in Wuppertal einem starken Verdrängungswettbewerb stellen. Das benachbarte Barmen bietet sozusagen eine zweite Wuppertaler Stadtmitte und lockt nicht nur mit den Wuppertal Arkaden. Elberfeld selbst bietet ein weitläufiges Netz an Fußgängerzonen und den belebten Neumarkt. Das neue Centermanagement der Rosco GmbH setzt auf ein Einkaufsvergnügen mit hoher Aufenthaltsqualität, das neben den Fachgeschäften auch Flair, gastronomische Vielfalt und eben Mitmacherlebnisse bietet. Die heutige Etappe der Biathlon Deutschland-Tour bringt den Lieblingswintersport der Deutschen nicht nur sicht- und hörbar mitten in die Galerie, sondern lädt jeden Neugierigen zum mitmachen ein. Dabei entscheidet jeder selbst, ob es nur mal eine 5er-Schussserie sein soll, mit der man die eigene Treffsicherheit testet, wozu sich rund 300 Neugierige entscheiden, oder ob es die Herausforderung des kompletten Biathlonduells sein darf, bei dem die 5 Schüsse nach dem simulierten 400 m Skilanglaufrennen auf den Thoraxtrainern erfolgen und das wahre Biathlonerlebnis bringen. Diesem Tageswettkampf stellen sich gut 4o Mitmacher und kämpfen dabei um den Etappensieg und einen attraktiven Preis. Denn die oder der Beste wird in das Tourfinale einziehen, dass am 26./27. Januar 2019 in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena stattfinden wird und trainiert dabei zunächst unter Olympiasieger Fritz Fischer auf Langlaufski und am Kleinkalibergewehr. Der Preis beinhaltet auch die Übernachtung für 2 Personen und einen gemütlichen Almabend mit allen Etappensiegern. Ein solches Erlebnis lässt sich nicht kaufen, dafür muss man für rund 2 Minuten zum geschickten Kämpfer werden und die Herausforderung suchen. Dabei kommt es zu beeindruckenden Leistungen.

Der Schnellste des Tages

Welch eine Kraft bringt der junge Wipperfürther Stabhochspringer, Eric Frielingsdorf, auf die Skistöcke! Die Schiene des Thoraxtrainers scheint heiss zu laufen unter der Wucht der Schübe und nach unglaublichen 67 Sekunden für die 400 m-Strecke wechselt Eric bereits ans Biathlongewehr. Eine solche Zeit haben wir nach ca. 7000 Tourwettkämpfern bisher nur vom Hochneukircher Fitnessstudioleiter Nicolas Schlang erleben dürfen. Dass Eric mit der überragenden Endzeit von 1:34 Minuten am Ende nur 13. des Tages wird, liegt an seinen 3 Fehlschüssen. Im Training schoss er bereits serienweise fehlerlose 5 Treffer. Wenn ihm das perfekte Schießen nach dem Lauf noch gelingen würde, dann wäre der Nachwuchsathlet der LG Wipperfürth bei der Biathlon-Tour kaum zu schlagen.

Starke Damen

Seit 2 Jahren ist die junge Handballerin und Ruderin Jana Harmeling aus dem münsterländischen Borken die mit Abstand beste Wettkämpferin der Biathlon-Tour. Doch heute bekommt sie es mit echter Konkurrenz zu tun. Zwei erfolgreiche Wipperfürther Leichtatletinnen haben den Weg in die Rathaus Galerie gefunden und nutzen ihre operationsbedingte Wettkampfpause dazu, über den Tellerrand ihrer Sportart hinaus zu schauen. Das ist zum einen die Stabhochspringerin Angela Wald (im Bild oben im hellblauen Trikot). Im vergangenen Jahr mit 4,32 m unter die besten 30 Wettkämpferinnen der ewigen Deutschen Bestenliste gesprungen muss sie in diesem Jahr erneut durch die Tiefen einer langen Verletzungspause gehen. Dass die 2-fache NRW-Meisterin auch in der Wettkampfpause ihre Fitness halten kann, beweist sie auch heute beim Biathlon. Gleich in ihrem ersten Duell erreicht sie eine Zeit von 2:30 Minuten und legt nach der Skilanglaufbelastung 3 Treffer hin. Zum Vergleich: Jana Harmeling gewann 2016 in Emmerich ihre Etappe in 2:34 Minuten, allerdings mit 5 Treffern.

Noch schneller ist am heutigen Tag die Wipperfürther Speerwerferin Fabienne Schönig. Die 9-fache Deutsche Jugendmeisterin und Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Jugendspiele ist sicherlich das herausragende einer erstaunlichen Vielzahl an Talenten, die das Trainerteam um den Vorsitzenden Bernhard Wald (auf den Bildern im gelben Polohemd) bereits seit mehreren Jahrzehnten immer wieder in Wipperfürth hervorbringen und dafür längst bundesweit höchste Anerkennung ernten.Noch keine Wettkämpferin zeigte bisher bei der Biathlon-Tour ein so schnelles 400 m-Rennen auf dem Thoraxtrainer, wie Fabienne Schönig. 93 Sekunden schafften bisher nur die besten Männer. Beeindruckend ist, dass Fabienne gleich bei ihrem zweiten Versuch auch bereits eine ganz ruhige Hand beweist und neben ihren 4 Treffern nur einen einzigen Fehlschuss zulässt. Mit 2:02 Minuten und 4 Treffern belegt sie Platz 5 dieser Etappe und wird zweitbeste Wettkämpferin.

Zweitbeste? Ja, denn die Ausnahmeathletin der Biathlon-Tour ist in der Rathaus Galerie ebenfalls am Start. Jana Harmeling ist mit ihren 15 Jahren deutlich jünger als die beiden erfolgreichen Leichtathletinnen, doch geht sie ganz ohne Hemmungen in diesen sportlichen Vergleich. Im Gegenteil. Es kommt zum direkten Vergleich mit Angela Wald. Angela ist auf dem Thoraxtrainer die etwas schnellere, doch so etwas scheint Jana stets eher zu beflügeln, als zu entmutigen. Wir sahen das bereits 2016 im Tourfinale auf Schalke, als sie die etwas schnellere Augsburger Schwimmerin Irina Bychkova mit einem fehlerlosen Schießen bezwang und auch vor 3 Wochen in Wipperfürth traute das starke Team der Lindlarer Sommerbiathleten ihren Augen kaum, als die junge Handballerin in gerade mal 6 Sekunden ihre 5 Treffer setzte und ihrem Modellathleten Timo Zinn im Kampf um den Etappenthron noch bedrohlich nahe rückte. Und heute? Angela hat das Biathlongewehr bereits im Anschlag und bereitet sich auf ihre 5 Schüsse vor, da stürmt Jana vom Thoraxtrainer ans Gewehr. Es ist schwer verständlich, wie sie das macht, aber Jana benötigt überhaupt keine Verschnaufpause, ist mit ihrer Konzentration voll da und schießt in dem schnellsten Rhythmus, den wir von allen Wettkämpfern der 3 Tourjahre kennen. In der Rathaus Galerie bleibt sie dabei erneut fehlerfrei auf die 45 mm-Ziele und beendet nach 2:01 Minuten ihren Wettkampf. Eine Demonstration, die auch Angela Wald neben ihr beeindruckt. Die erfahrene Leistungssportlerin bleibt ohne Treffer und das Erstaunen merkt man ihr deutlich an. Doch sie kann sportliche Leistungen einschätzen und anerkennen, Ihre Gratulation an Jana kommt aus dem Sportlerherzen.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die 4 Treffer in 4:04 Minuten der Wuppertaler Bundeswehr-Rettungssanitäterin Marie Müller. Wenn die Biathlon-Tour am 26./27. Januar 2019 zum Finale nach Ruhpolding einlädt, dann wird Marie bei ihrem letzten Einsatz in einem Kriegsgebiet weilen, im Irak. Nach 12 Jahren und Einsätzen u.a. im Kosovo und in Afghanistan wird danach Schluss sein mit der Bundeswehrzeit für die sympathische 28-jährige. In unserer Tagesrangliste reicht ihre Leistung heute zu Platz 8.

Und noch ein Topathlet

Vierter im Bunde der starken Wipperfürther Leichtathleten, die hier in der Rathaus Galerie den Abstecher zum Biathlon wagen, ist Michael Enns. Der junge Stabhochspringer hat in seiner Sportart die 5 Meter-Schallmauer bereits durchbrochen. Dort befindet er sich mit seinem Trainer Bernhard Wald bereits in jenem Höhenbereich, der das Training zu einer beharrlichen Zentimentersuche werden lässt. Bei seinem Biathlonwettkampf beweist Michael nicht nur Athletik, sondern zugleich Körperbeherrschung und ausgezeichnete Konzentrationsfähigkeit. 1:53 Minuten und 4 Treffer bringen ihn bereits in jenen Bereich, wo Etappensiege entschieden werden. Heute wird es ein 4. Platz, doch selbst ein fehlerloses Schießen hätte ihm nicht zum Sieg verholfen, denn es gab noch eine weitere überrangende Tagesleistung.

Vizechampion der Tour 2017 holt Etappensieg

An diesem Tag kann nur einer die 15-jährige Jana Harmeling besiegen und der ist immerhin im Tourfinale 2017 auf Schalke Zweiter von 40 Etappensiegern geworden. Es ist Janas Vater, Dirk und nun ist die Biathlon-Tour-Familie nach 8. Etappen schon wieder mit beiden Wettkämpfern für das Finale 2018 qualifiziert. Es ist schon faszinierend mitanzusehen, wie Vater und Tochter selbst gegen Ausnahmesportler, wie heute in Wuppertal oder im Vorjahr in Hochneukirch am Ende den Sieg davontragen. Klar könnte man sagen, sie seien einfach im Schießen etwas geübter. Das stimmt wohl, ist aber maximal die halbe Wahrheit. Die Verkleinerung der Zielfläche von 60 auf 45 mm Durchmesser  bei der Biathlon-Tour liegt gerade erst 5 Monate zurück. Viel Zeit zum Üben war also auch für die beiden Harmelings seither nicht. Und doch performen sie unter den neuen Bedingungen von Beginn an wieder auf hohem Niveau. Mit jeder Etappenteilnahme erzielen die beiden ehrgeizigen Sportfans beharrlich Verbesserungen und haben sich dabei eine Domäne erarbeitet. Denn neben dem 400 m Langlauf und den 5 Schüssen gibt es eigentlich noch eine 3. und 4. Komponente, die über den Sieg bei der Biathlon-Tour entscheiden. Nämlich wie schnell ist der Wettkämpfer nach der Belastung schießbereit und wie rasch nacheinander können die Treffer gesetzt werden. In diesen beiden Disziplinen sind Tochter und Vater wahre Meister. Jana sogar noch etwas mehr als Dirk, doch letzterer hat auch seine Skilanglaufleistung immer weiter verbessert und kann bei optimalem Wettkampfverlauf mittlerweile unter 1:50 Minuten schaffen. Einen solchen optimalen Wettkampf legt er heute im Staffelduell gegen die beiden Wipperrfürther Stabhochspringer hin und beendet seinen Wettkampf mit fehlerlosem Schießen nach 1:49 Minuten. Neben dem Etappensieg holt er sich damit auch den geteilten 2. Platz in der Tour-Rangliste 2018 gemeinsam mit seinem münsterländer Kollegen Andreas Terwey.

Neben diesen sehr außergewöhnlichen Wettkampfresultaten gehen weitere sehr gute Leistungen fast ein wenig unter. Etwa die 2:40 Minuten und 4 Treffer von André Wortmann (nebenstehendes Bild), die ihn zwischenzeitlich an die Etappenspitze brachten und am Ende Platz 7 bedeuten.

Von dem 16-jährigen Iraker Zead Junde liegen uns leider keine Bilder seines Duells mit Kollege Saad Hamu vor. Dabei schaffte der junge Fußballer aus Vohwinkel als einziger neben den beiden Harmelings ein fehlerloses Wettkampfschießen und erreicht in 2:58 Minuten den 3. Etappenplatz. Auch Saad zeigt in 2:12 Minuten mit 4 Treffern einen starken Wettkampf und wird Etappensechster.

Die Team-Challenge

Auch im Teamwettbewerb siegen Jana und Dirk Harmeling. Im Halbfinale gewinnen die beiden ein umkämpftes Duell gegen Eric Frielingsdorf und Michael Enns wohl nur aufgrund eines überragenden Schießergebnisses mit 9 Treffern bei 10 Schüssen. So müssen sich die beiden „Thoraxtrainer-Champions“ mit Platz 3 begnügen, während im Finale auch Angela Wald und Fabienne Schönig  das Münsterländer Duo nicht aufhalten kann und Platz 2 belegt.

Unser abschließendes Dankeschön geht an das Rosco Centermanagement mit Beate Wilczynski, Nuroj Aldur und Jörg Markert für das Vertrauen in die Biathlon Deutschland-Tour und die gute Zusammenarbeit. Gerne stehen wir für eine Weiterentwicklung dieser Rathaus Galerie-Etappe zur Verfügung, um vielleicht schon 2019 eine große, stimmungsvolle Team-Challenge in das Etappenprogramm zu integrieren.

Bilder: Harry Pien    Text: Martin Bremer