Nachbericht zur 25. Etappe 2018 in Wittlich

Biathlon in der Wohlfühl-Stadt

im dritten Jahr in Folge ist Wittlich an der Lieser, die Kleinstadt in der Südeifel und nur wenige Kilometer von der östlich und südlich verlaufenden Mosel entfernt, auf unserer Etappenlandkarte verzeichnet. Wir mögen alle unsere Etappenorte, müssen aber gestehen, dass wir dieses gastliche Städtchen mit seinen gepflegten Altstadtgassen, gemütlichen Plätzen sowie den ambitionierten Fachgeschäften und Gastronomiebetrieben besonders ins Herz geschlossen haben. Das geht offensichtlich nicht nur uns so, denn wie 2017 so ist auch heute an diesem verkaufsoffenen 1. November-Sonntag mächtig Betrieb im autofreien Altstadtbereich. Da wir die Menschen fragen, wo sie herkommen, wird rasch deutlich, dass Wittlich als Einkaufsstadt einen guten Ruf im Umland genießt, denn nicht wenige kommen heute aus 10, 20, 30 km Entfernung hier her.  Einige kommen erfreulicherweise auch gezielt wegen der Biathlon-Tour. Und so wird es hier auf dem gemütlichen, kleinen Marktplatz erneut jenes fröhliche Event, wie wir es aus den beiden Vorjahren schätzen gelernt haben:

Das Wittlicher Biathlonfest

Zahlreiche Zuschauer bilden nicht nur eine tolle Kulisse, sondern unterstützen die Wettkämpfer/innen auch häufig mit empathischen Applaus. Dabei geht es den ganzen Tag über auffallend entspannt zu. Die Menschen haben Zeit mitgebracht und es entfaltet sich viel mehr eine Art Urlaubsstimmung anstelle von Betriebsamkeit. Manchem guten Schützen flößt die Kulisse Respekt ein. Es ist auch eine Mutfrage, sich vor Publikum spontan in einen Wettkampf zu trauen in einer Sportart, die kaum einer der Neugierigen je trainiert hat. Insofern freuen wir uns über die 50 mutigen Wettkämpfer/innen und arbeiten weiter an unseren Fähigkeiten, den Menschen Mut zur Herausforderung einzuflößen.

Skilanglauf zwischen gebrannten Mandeln und Glühwein

Sich dort anstrengen, wo andere Glühwein trinken und relaxen, wo einem der Duft gebrannter Mandeln um die Nase weht, während man um Atem ringt…funktioniert das? Ja, es funktioniert aus mehreren Gründen. Zum einen ist Biathlon der Lieblingswintersport der Deutschen. Die Sportart fasziniert und zugleich haben die Wenigsten sie selbst schon einmal ausprobiert. Neben der Neugierde ist bei Manchen auch die Freude an der Herausforderung noch lebendig oder wird spontan lebendig. Herausforderung schafft Momente unmittelbaren Erlebens, die einem Tag eine ganz andere Qualität verleihen, als es Konsum und Genuss vermögen. Es ist wie bei Hans im Glück, der in der Fülle erkennt, dass sein Glück im Loslassen liegt. Und so sind sie jeweils in ihrer eigenen Welt, die Wettkämpfer und die Zuschauer und finden doch zusammen hier auf dem Marktplatz. Die schönsten Momente sind die, wenn wieder einer „rüberspringt“ von der konsumierenden Seite und zum Akteur wird. Durch sie erst wird der Marktplatz-Biathlon lebendig.

Ein Meisterschütze setzt die erste Marke

Als der Tag noch jung ist und die Geschäfte noch geschlossen sind nehmen Jürgen Bayer und Heidi Kuhnen die Herausforderung des Wettkampfes an. Da noch kein Wettkämpfer 5 Treffer geschafft hat lassen es beide auf dem Skilanglaufergometer, Thoraxtrainer, ruhig angehen, benötigen für die 400 m-Strecke rund 3 Minuten und konzentrieren sich auf ihre Schießleistung. Dabei schafft Jürgen, der mit seiner Frau Gabi aus Laufeld zum verkaufsoffenen Sonntag gekommen ist, das erste fehlerlose Schießen des Tages mit 5 Treffern auf die 45 mm-Ziele. Der 63-Jährige hat zu seiner aktiven Zeit für die SG Wittlich als Pistolenschütze sogar an Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Die ruhige Hand und das gute Auge helfen ihm auch am Biathlongewehr. In 4:29 Minuten und 5 Treffern legt Jürgen die erste Meßlatte auf.

Mutige junge Damen

Jahlia Tavarez (mit blauem Pulli) traut sich zunächst nicht recht, doch als Harulka Akebo frohgemut gar keinen Zweifel daran lässt mitmachen zu wollen, ist das auch für Jahlia der Anstoß. Die junge Tänzerin schafft die 400 m in sehr sportlicher Zeit. Doch am Biathlongewehr siegt Harulka mit 3:2 Treffern. Der Modus der Biathlon-Tour gewichtet das Schießergebnis höher. Wer mehr Treffer hat ist der Sieger. Bei Treffergleichheit gewinnt aber natürlich der Schnellere. Da Jürgen bereits die 5 Treffer geschafft hat ist klar, dass nur ein fehlerfreies Schießen zum Etappensieg führt.

Duell zweier Treffsicherer

Dimitri Steinmetz (im grauen Pulli) aus Kyllburg ist mit Frau und Sohn in Wittlich. Einige Zeit schon üben die 3 am Biathlongewehr. Anfangs wollte es noch nicht so gut gelingen, doch schnell macht der gehörlose Schreiner große Fortschritte. Auf dem Thoraxtrainer wird rasch deutlich, dass Dimitri auch sportlich aktiv ist. Der Duathlet benötigt nur 1:45 Minuten für die 400 m. Fast eben so schnell ist der erfolgreiche Bogenschütze des PSV Wengerohr, Helmut Dusemund. Am Biathlongewehr bleiben beide bis zum vierten Schuss fehlerfrei. Dort passiert Helmut ein Fehlschuss, während Dimitri seinen vierten Treffer setzt. Mit dem letzten Schuss kann  Dimitri nun die Etappenführung übernehmen, doch ein kleiner Wackler führt zum Fehlschuss. Beide schaffen 4 Treffer. Dimitri ist zunächst in 2:49 Minuten Zweiter und Helmut in 2:54 Minuten Dritter, am Ende sind es die Plätze 7 und 9.

Die sibirischen Brüder 3.0

Es gehört zu dieser Etappe einfach dazu, das Duell der sympathischen Brüder Walter und Jakob Schaubert. Vor 2 Jahren gewann Walter (hellbraune Jacke) das Familienduell deutlich und wurde zweitbester der Etappe. Jakob kündigte an, dass er im Urlaub in Sibirien beim Enten-Jagen für den nächsten Biathlon üben werde und siehe da, im vergangenen Jahr schaffte Jakob die Revanche und lag vor Walter, der in seiner Jugend begeisterter Skilangläufer war. Und heute? Walter sieht fitter aus. Das könnte aber auch daran liegen, dass Jakob zu viele Enten gefuttert hat. Der erste Blick täuscht, heute ist es eine klare Sache für Jakob. Der lustige Fernfahrer ist sogar schneller auf dem Thoraxtrainer und legt zum ersten mal in den 3 Jahren ein fehlerfreies Schießen hinterher. 2:22 Minuten und 5 Treffer. Wow, das ist schon Etappensieg-verdächtig. Den sibirischen Enten droht ein hartes Jahr.

Der Entenjäger wird gejagt

Einmal versucht es Walter noch, den feixenden Bruder doch noch mundtot zu machen. An den Seiten hat er starke Konkurrenz. Steve Schulz (im grauen Pulli) den Kraftsportler und Marco Feulner, der seine Treffsicherheit als Sechster der Biathlon-Etappe in Mülheim-Kärlich im Frühjahr schon beweisen konnte. Dass Marco auch viel Kraft auf dem Thoraxtrainer einsetzen kann, das hat er uns in Mülheim-Kärlich gar nicht gezeigt. Heute aber ist er gemeinsam mit Steve so schnell, dass sie Jakobs Etappenführung gefährden können. Marco, der mit Frau und Sohn aus Zeltingen-Rachtig die nur rund 10 km rüber nach Wittlich kam, schießt gewohnt sicher und legt mit 4 Schüssen 4 Treffer vor. Wird es ihm nun wie in Mülheim-Kärlich ergehen, wo er ausgerechnet den 5. Schuss daneben setzte? Dieser letzte Schuss erweist sich im Biathlon so häufig als verflixter Schuss. Der Schütze wähnt sich fast am Ziel und vielleicht drängen genau deswegen wieder erste Gedanken hinein in die Konzentration. Auch Marco verzieht diesen letzten Schuss und ist zunächst mit 4 Treffern Dritter. Steve schafft 3 Treffer, während Walter heute nicht seinen besten Tag erwischt hat und wohl vor dem nächsten Jahr erst ins sibirische Trainingslager gehen muss?

Wer wird Wittlichs Finalist in Ruhpolding?

Gar nicht so einfach zu knacken, was Jakob Schaubert da vorgelegt hat. Das müssen auch Simon Kubas, , Babak Alikaram und Stefan Hirschfeld anerkennen. Simon (im nebenstehenden Bild links) gewinnt den Dreikampf mit 4 Treffern, doch vorne bleibt Jakob.

Mit Selbstvertrauen und Ehrgeiz startet Marco Feulner in seinen 2. Versuch. Der ehemalige Jungschützenkönig hat in diesem Jahr das Schwimmen für sich entdeckt. Die gewonnene Kraft hilft ihm auf dem Thoraxtrainer, wo er ein ganz starkes Rennen hinlegt. Mit seiner Endzeit von 2:06 Minuten ist Marco gleich 16 Sekunden schneller als Jakob, doch erneut wird der letzte Schuss für ihn zum verflixten.

Zwei, die es wissen wollen

Die Arme sind schon müde, doch sie möchten als Etappensieger in Wittlich das Finale der Biathlon Deutschland-Tour erreichen. Deswegen nehmen Dimitri Steinmetz aus Kyllburg und Marco Feulner aus Zeltingen-Rachtig noch einen dritten Anlauf auf Jakobs Bestleistung. Bei Dimitri schwinden auf dem Thoraxtrainer etwas die Kräfte, während Marco auch jetzt noch einmal volle Kraft auf die Stöcke bekommt. Doch kann der 43-jährige Projektleiter für Feuerschutzanlagen, der in Mülheim-Kärlich und hier in Wittlich nun dreimal nur mit seinem letzten Schuss gescheitert ist, diese schon beinahe unheimliche Serie überwinden? In der Pause zwischen seinen Rennen erzählt er uns, dass seine Mutter Gisela ein ganz großer Biathlonfan ist und er sie so gerne als Begleiterin mit zum Finale nach Ruhpolding nehmen würde. Nun hat er die nächste Chance und tatsächlich ist er auf Kurs. Die Zeit passt und es kommt genau jene Situation, dass der 5. erneut zum entscheidenden Schuss für ihn wird. Man mag kaum hinschauen und meint zu ahnen was passiert. Doch negative Serien sind dazu da, gebrochen zu werden und Marco erfüllt sich seinen Wunsch mit dem 5. Treffer und der Zeit von 2:07 Minuten. Am Abend verbessert er seine eigene Bestleistung sogar noch auf 1:51 Minuten. Doch auch Dimitri schafft nach 2 und 4 Treffern nun das fehlerfreie Schießen und wird Etappendritter. Beiden gratulieren wir herzlich zu ihren Leistungen, was natürlich auch für Jakob gilt, der sich nun statt mit Bayerischem Brathendl in der Ruhpoldinger Zirmbergalm doch wieder Ente auf sibirische Art stärken muss.

Mit dem Sieg von Marco Feulner endet diese 25. Etappe und mit ihr ein toller Tag in Wittlich, für den wir uns bei allen Wettkämpfern und Zuschauern herzlich bedanken, was ganz besonders auch für unsere Gastgeber, den Stadtmarketing e.V. mit seinem Geschäftsführer Karsten Mathar gilt, die erneut dieses stimmige Umfeld organisiert haben. Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen am Sonntag, den 3.11.2019!

Bilder: Siegward Pein   Text: Martin Bremer