Nachbericht zur 40. Etappe 2017 in Hagen

40. Etappe beim 50-jährigen Jubiläum

Erstmals kommt die Biathlon-Tour in die Stadt der Fernuniversität und der 4 Flüsse, Ruhr, Lenne, Volme, Ennepe hier ins südöstliche Ruhrgebiet. Hagens Weihnachtsmarkt erfreut sich in Westfalen und weit in den Märkischen Kreis hinein großer Beliebtheit, weshalb wir besonders froh über die Einladung durch Hagens „Mr. Weihnachtsmarkt“, Dirk Wagner, zur Jubiläumsveranstaltung (50. Auflage) sind. Inmitten der Woche kommen wir an diesem Donnerstag in die Hagener Fußgängerzone und sind schon am Mittag überrascht, wie wuselig und gut besucht die Innenstadt alltags und bei nass-kalt-windigem Wetter doch ist. Hier, auf der Elberfelder Straße geht es eher geschäftig zu, doch Richtung Volksgarten und am Friedrich-Ebert-Platz schafft der in der gesamten Innenstadt ausgebreitete Weihnachtsmarkt Zonen der Besinnlichkeit. Man merkt rasch, dass hier Organisatoren mit Herzblut am Werke sind, die Auswahl der Fahrgeschäfte, Riesenrad, Kinderkarussels, Riesenrutsche, die aufwändige Weihnachtsbeleuchtung oder die auffallend abwechselungsreichen Bewirtungsstände zeugen davon.

Warm eingepackt und ordentlich vor Niederschlägen geschützt sind wir ab 14 Uhr mit viel Vorfreude für die Hagener da und es wird ein Tag mit vielen Mitmachern und noch mehr guter Laune. Ca. jeder zehnte Mitmacher startet auch in den Wettkampf, so dass 50 Biathleten/innen um den Etappensieg und die Finalteilnahme auf Schalke am 28.12. kämpfen.

Ein Tour-Pechvogel zu Besuch

Unter den Wettkämpfern in Hagen ist auch Patrick Pöhler aus Hövelhof bei Paderborn. Der 28-Jährige wurde in den letzten Wochen so etwas wie der Tour-Pechvogel. Bei der Etappe im Paderborner Südring-Center kämpft der Montageprojektleiter sage und schreibe in 8 Duellen um die Etappenspitze und schafft es sogar im 8. Anlauf, um dann im letzten Wettkampf des Tages von Kevin Mersmann noch von der Spitze verdrängt zu werden. Am vergangenen Sonntag im nordhessischen Hofgeismar kämpfte er sich erneut an die Etappenspitze, um dann dem Senior der Tour-Etappensieger, dem 74-jährigen Reinhold Kersten am Ende doch noch den Vortritt lassen zu müssen. Kann der „ewige Zweite“ heute in Hagen den Bann brechen? Sein Start mit 2 Treffern und der Zeit von 2:41 Minuten sind nicht verheißungsvoll. Doch Patrick braucht etwas Anlaufphase, das wissen wir schon.

Die Mendener Damen

Keine Anlaufphase benötigt Lena Schmücker (oben mit der grauen Bommelmütze). Die Schützenkönigin ist mit ihrer vielköpfigen Mendener Damenclique in Hagen unterwegs und die bringt ein erstes mal Stimmung an die Biathlonarena. Lena kämpft mit Kollegin Brigitte Kletke auf dem Thoraxtrainer und schafft danach 4 Treffer mit ihren 5 Schüssen auf die 50 mm-Ziele. Alle Achtung! Damit setzt sie eine erste Marke. Die begeisterte Clique feiert Lena mit Laola.

BVB-Fan übernimmt Spitzenposition

Kurz darauf ist das erste fehlerlose Schießen des Tages perfekt. Der Dortmunder Stadtbahnfahrer und BVB-Fan Dennis Dickes (am linken Biathlongewehr) schafft die 5 Treffer (die hätten dem BVB gegen Schalke auch gut zu Gesicht gestanden). Schießerfahrung hat der 30-Jährige nicht, aber er schaue leidenschaftlich gerne Biathlon im TV und habe sich die Technik dabei abgeschaut. Das hat der ehemalige Kickboxer jedenfalls gründlich getan und ist nun zunächst derjenige, der sich mit 3:37 Minuten und 5 Treffern auf die beiden Premiumkarten zum Biathlon auf Schalke freuen darf. Doch, er käme gerne in die VELTINS-Arena, denn der Biathlon habe ja nichts mit der Fußballmannschaft zu tun. Recht hat er.

Streetboard-Weltmeister im Biathlonduell

Leistungssportler mögen Herausforderungen und so unterbricht auch Eduard Wojcik seinen Familienbummel, um sich im Biathlon zu testen. Der 33-jährige Streetboard-Weltmeister in der Kategorie „Bester Trick“ ist europaweit für seinen Sport aktiv. Hier in Hagen hat er sich mit Lagervermietung selbständig gemacht. Jetzt in der Adventszeit hat das Streetboarden Nebensaison. Das reduzierte Training findet in der Halle statt und es bleibt auch mal Zeit für Shopping mit Frau Nadine und Söhnchen Noel. Oder eben zur Biathlon-Challenge. Und auch dabei machtEduard eine gute Figur. Jedenfalls ist er nach dem, wie er meint, ganz schön harten 400 m-Skilanglauf auf dem Thoraxtrainer auf den Punkt top-konzentriert und bringt alle Schüsse ins Ziel. Mit seiner Zeit von 2:52 Minuten ist er deutlich schneller als der Führende Dennis Dickes und übernimmt die Etappenführung.

Wer packt den Weltmeister?

Im spannenden Duell mit Maximilian Weber macht Andreas Welberts (im Bild mit der schwarzen Jacke) eigentlich alles richtig. Er ist schnell beim 400 m-Skilanglauf, braucht wenig Erholungszeit vor dem Schießen und ist treffsicher auch im schnellen Schießrhythmus. Entsprechend ist seine Wettkampfzeit mit 2:30 Minuten gleich 22 Sekunden schneller, als die des Weltmeisters, Eduard Wojcik. Doch ein kleiner Flüchtigkeitsfehler sorgt dafür, dass es für Andreas eben nur 4 Treffer werden und schon wird es nichts mehr mit der Etappenführung.

Ähnlich ergeht es dem jungen Birdal Ulutas. Er ist in 2:26 Minuten sogar noch etwas schneller als Andreas, doch auch ihm wird ein Schuss zum Verhängnis. Doch der 15-jährige Boxer aus Hagen ist nun heißgelaufen  und will es ein zweites Mal wissen. Doch es lässt sich kaum erzwingen, diese Erfahrung haben schon viele Wettkämpfer bei der Biathlon-Tour machen müssen. Birdal ist zwar in 2:13 Minuten nochmals schneller als im ersten Wettkampf, doch seine 2 Fehlschüsse werfen ihn zurück.

Die Erfahrung, dass man es nicht erzwingen kann, muss auch Pechvogel Patrick Pöhler (im Bildhintergrund) machen. Er ist mit zwei Resultaten (1:59 Minuten und 2:07 Minuten) der Schnellste des Tages. Doch nach dem hohen Skilanglauftempo auf dem Thoraxtrainer fehlt ihm, wenn auch nur minimal, die Kontrolle über den Atem. Im Duell mit dem jungen Hagener Volleyballer, Tobias Kurzhöfer, schafft Patrick die 2:07 Minuten mit 4 Treffern. Das bedeutet Platz 4. Ein starker Wettkampf, aber ein 4. Platz stellt ihn nach den beiden 2. Plätzen in Paderborn und Hofgeismar natürlich nicht zufrieden.

Happy-end in Hagen?

Es ist schon kurz vor 20 Uhr, das Wetter ist wieder richtig ungemütlich geworden. Es regnet und ist kalt, da geht Patrick Pöhler im Dreikampf mit Jessica Strietzel und Birdal Ulutas in den letzten Versuch um den Etappensieg. Bei seinen beiden zweiten Plätzen war es genau jener letzte Wettkampf des Tages, der ihn noch seine Spitzenposition kostete. Läuft es heute anders herum? Die Hagener Innenstadt hatte sich mit dem einsetzenden Regen schon geleert, doch Jessicas Freundinnen sorgen noch einmal für ein letztes Stimmungshoch an der mobilen Biathlonarena. Statt auf Tempo zu setzen, konzentriert sich Patrick auf die 2:52 Minuten von Eduard Wojcik, die es zu schlagen gilt. Nach seinem 400 m-Skilanglauf, den er mittlerweile in 82-84 Sekunden bewältigt, kann er sich vor dem 1.  Schuss etwas Zeit nehmen und den Atem beruhigen. Doch auch dieses längere Warten ist ein Wagnis, denn Biathleten fürchten die sogenannte „Nähmaschine“, ein Zittern, das aufkommt, wenn der Puls etwas zu tief absinkt. Die Zeiteinteilung beim Schießen ist also ein schmaler Grat. Doch bei Patrick ist zu spüren, dass er sich für diese Etappe in Hagen einiges vorgenommen hat, und das wandelt er nun in Entschlossenheit und Konzentration um. Er schafft das fehlerfreie Schießen und die innere Uhr tickt bei ihm mit. Nach 2:44 Minuten beendet er seinen Wettkampf, holt sich den Sieg der 40. Etappe und löst sein Finalticket für den 28.12. auf Schalke.

Wir bedanken uns herzlich beim Organisator des Hagener Weihnachtsmarktes, Dirk Wagner, für die gute Zusammenarbeit, die engagierte Pressearbeit, den guten Standort in der Fußgängerzone. Leider musste die Staffel-Stadtmeisterschaft wegen zu weniger Anmeldungen ausfallen, doch vielleicht wird es in Hagen ebenso laufen, wie bei vielen anderen Touretappen, dass die Staffeln bei einer Neuauflage im Folgejahr sehr viel leichter zu motivieren sind. Wir beenden diesen Nachbericht mit noch einigen Impressionen dieses schönen Biathlontages in Hagen.

Bilder: Ralph Muijsers   Text: Martin Bremer