27. Etappe 2018: Der Etappensieger aus Kassel im Porträt

Swen Jan Sellin: Ein leiser Kämpfer probt sein Tüpfelchen

Emsig und still trainiert Swen Jan Sellin am Biathlongewehr für seinen Wettkampf. Der Kasseler Kampfsportler und Student der Wirtschaftswissenschaften lernte die Biathlon-Tour 2017 in Hofgeismar kennen und war seinerzeit der Etappenschnellste, jedoch für den Etappensieg nicht treffsicher genug. Nun übt der leistungssportlich orientierte Sambo-Kämpfer eine 5er-Serie nach der nächsten am Biathlongewehr. Sambo ist ein russischer Kampfsport und bedeutet „Kampf ohne Waffen“. Heute führt er seinen Kampf zunächst mit der Waffe, denn die will ihm nur ganz allmählich so gehorchen, wie es sich der ehrgeizige 26-Jährige vorstellt. Als er dann in den Wettkampf geht wirkt er sehr ruhig und fokussiert. Sein Tempo von 90 Sekunden für die 400 m Skilanglauf lässt ihm nun am Biathlongewehr wenig taktischen Spielraum. Er wird recht zügig mit dem Schießen beginnen müssen, wenn er auf den Etappensieg aus ist. Zumeist geht ein zu schnell gesetzter erster Schuss daneben, doch Swen Jan trifft und auch der zweite und dritte Schuss treffen. Wenn er den schnellen Rhythmus beibehalten kann ist nun alles möglich und tatsächlich legt er sogleich den 4. Treffer hin. Wie viele ambitionierte Wettkämpfer haben wir alleine auf den vergangenen Etappen am 5. Schuss scheitern gesehen. Es wird in diesem Moment auch ein Kampf mit dem Kopf. Wenn das Denken beginnt schwappt Ablenkung hinein in die Fokussierung und verdirbt nicht selten die perfekte Vorleistung. Was geht in Swen Jan vor, als er schießt? Wir wissen es nicht, doch wir sehen 5 grüne Ziele und die gestoppte Zeit von 2:01 Minuten. Die Etappe erlebt tatsächlich noch einen Führungswechsel und schließlich den Etappensieg von Swen Jan Sellin, auf dessen Wiedersehen zum Tourfinale am 26./27. Januar 2019 wir uns sehr freuen.