NACHbericht zur 8. Etappe am 20. Sept. in Meschede

Der 11-jährige Alexander Nölke (im blauen Kapuzenpulli am 2. Gewehr von rechts) verblüffte mit einem fehlerfreien Schießen im Biathlonduell.

Der 11-jährige Alexander und seine Jäger

nach der ersten Indooretappe in der Vorwoche im Münchener Einkaufszentrum pep gab es für die Biathlon auf Schalke-Tour am zurückliegenden Sonntag gleich eine zweifache Rückkehr. Wieder unter freiem Himmel ging es erneut ins nördliche Sauerland, nach Brilon am 29.08. dieses mal in die Hochschulstadt Meschede zum dortigen Bürgerfest.

Stadtmarketing und Werbegemeinschaft der rund 30.000 Einwohner zählenden Kreisstadt organisieren schon traditionell rund um den verkaufsoffenen Sonntag am dritten Septemberwochenende ihr Cityfest in der Fußgängerzone und dem zentral gelegenen von-Stephan-Platz, der nur einen Steinwurf entfernt von der lauschigen Ruhrpromenade liegt.

Pünktlich mit Beginn der kürzeren Jahreszeit dem Platz Wintersportatmosphäre zu verleihen und der regionalen Schützentradition gemäß Biathlon als Mitmachgelegenheit zum Bürgerfest zu präsentieren, war die Idee von Citymanager Christoph Hermes. Was lag da näher, als die Veltins-Arena sozusagen zur Veltinsquelle einzuladen für eine Etappe der Biathlon auf Schalke-Tour.

Zuschauen - ausprobieren - duellieren: Die Biathlon auf Schalke-Tour läd zwanglos zum Mitmachen ein und ist in Meschede 6 Stunden lang immer wieder ein Besuchermagnet.

Zuschauen – ausprobieren – duellieren – gewinnen: Die Biathlon auf Schalke-Tour läd zwanglos zum Mitmachen ein und ist in Meschede 6 Stunden lang immer wieder ein Besuchermagnet.

Die Tour kam gerne nach Meschede und erlebte hier eine muntere Tagesetappe, bei der wir vom Turniertänzer bis zum Bundeswehr-Scharfschützen, dem heimischen Biolandwirt, Kaminbauer und Malermeister viele engagierte Biathlon-Duellanten begrüßen durften. Doch es wurde der Tag des Jüngsten: Der 11-jährige Malersohn Alexander Nölke aus Warstein verblüffte mit seiner tollen Leistung. Aber der Reihe nach.

Schon der Auftakt ist vielversprechend. Sabine Hermes kommt mit ihren beiden Kids Lena und Paul zur Biathlonarena. Alle drei sind begeistert dabei. Insbesondere die 12-jährige Lena zeigt im Schnupperschießen Schützentalent. Doch an ein Biathlonduell traut sich das schüchterne Mädchen zunächst nicht heran. Doch nach etwas Zeit zum Kennenlernen überwiegt dann doch der Mut zur Herausforderung. Ein Glück! Denn Lena kann auf dem Crosstrainer kämpfen wie eine Athletin und mit ihrem Stehendschießen beweist sie ihre Stärke: 4 von 5 Schüssen bringt sie ins Ziel, obwohl sie nach der Belastung sichtbar um Atem ringt. Das ist zunächst Platz 1 in der Etappenwertung, doch vor allem bleibt sie auch mit dieser Leistung die beste weibliche Teilnehmerin dieser Etappe. Chapeau, Lena!

Lena Hermes wurde beste weibliche Teilnehmerin der Etappe. Den Wunsch nach einem Teddy unseres Tourpartners Dorint Hotel erfüllte ihr Lena Bremer vom Tourteam gerne. Im Bild rechts: Lena mit ihrem Bruder Paul und ihrer Mutter Sabine.

Lena Hermes wurde beste weibliche Teilnehmerin der Etappe. Den Wunsch nach einem Teddy unseres Tourpartners Dorint Hotel erfüllte ihr Lena Bremer vom Tourteam gerne.
Im Bild rechts: Lena mit ihrem Bruder Paul und ihrer Mutter Sabine.

Von der Etappenspitze wird Lena gleich im nächsten Duell von dem athletischen Marco Bönner verdrängt, der mit seinem Vater Erich zum Duell antritt. Es ist erst früher Mittag, das Bürgerfest noch nicht eröffnet, da zeigen die beiden gleich einmal, dass man das Biathlonduell auch unter 2:00 Min. schaffen kann. Marco gewinnt das Duell mit 4:3 Treffern  und legt mit guten 1:56 Min. die Marke vor, die es nun zu schlagen gilt.

Marco und Erich Bönner im Biathlonduell

Marco und Erich Bönner im Biathlonduell

Eine gute Stunde bleibt Marco Etappenerster. Ein fehlerloses Schießen mit 5 Treffern scheint heute eine (zu?) hohe Hürde zu sein. Dann kommt Alexander Nölke zur Biathlonarena. Der Autor dieser Zeilen muss gestehen, dass er den 11-jährigen zunächst nicht zum Biathlonduell starten lassen mochte, weil die Vorgabe „ab 12 Jahren“ durchaus Sinn macht. 11-Jährige können in den seltensten Fällen das rund 3 kg schwere Biathlongewehr einigermaßen ruhig und freihändig in den Anschlag bringen. Und dann erst dieser doch recht zierlich wirkende Alexander. Doch beim Schnupperschießen qualifiziert er sich mit lockeren 5 Treffern für ein Duell und Zweifel, er werde auf dem recht schwer eingestellten Crosstrainer ein Frusterlebnis erfahren behalte ich jetzt mal für mich.

Alexander

Alexander Nölke: Der erste fehlerfreie Schütze im Biathlonduell in Meschede

Los geht’s für Alexander ins Duell mit seinem älteren Bruder Christian und unter den Augen der Eltern, die in Warstein einen Malereibetrieb führen. Natürlich kann Alexander auf dem Crosstrainer die Zeiten der kräftigeren Erwachsenen nicht erreichen. Nach 1:46 Min hat er die 200 m  absolviert und kommt gut 15 Sekunden nach seinem Bruder an den Schießstand. Doch was dann passiert, ist wirklich verblüffend. Obwohl Alexander stark ausser Atem ist, schafft er sich immer wieder kurze Momente der Kontrolle und Fokussierung. Offensichtlich weiss er ganz genau, in welchen Momenten er abziehen muss. Seit dem Moment, als er das Gewehr aufnimmt, macht es den Eindruck, als laufe ein Film vor seinem geistigen Auge ab. Die Qualität der Konzentration, die er in diesen Schießprozess investieren kann ist nachvollziehbar weit überdurchschnittlich. Eine grüne LED-Treffererkennung nach der anderen leuchtet auf, bis sie im Quintett strahlen. Strahlende Gesichter auch ringsum, nur einer bleibt cool, nachdem er in 2:21 Min mit 5 Treffern die Etappenführung übernommen hat: Alexander. Auf die Frage, wie er das denn habe schaffen können entgegnet er, dass er dafür doch schließlich trainiere. Als Sportschütze trainiert er ebenso regelmäßig, wie als Mittelstürmer der TUS 45 Warstein, wo er seine Treffsicherheit wohl ebenfalls schon unter Beweis gestellt hat. Treffsicher müssen nun in den verbleibenden 3 Stunden auch jene Biathlonduellanten sein, die noch um den Etappensieg und die reizvollen Gänsehaut-Tickets für den Biathlon auf Schalke am 28.12. in der Veltinsarena eingreifen möchten.

Wer könnte es eher wagen, noch nach dem Etappensieg zu greifen, als ein Jäger / Scharfschütze der Bundeswehr? Der 20-jährige Jashar Gashi hat sich für 8 Jahre im JgBtl. in Donaueschingen verpflichtet und wird dort auf Einsätze in Afghanistan und Irak vorbereitet. Nur an den Wochenenden kommt er zu Besuch in die Heimat, die für ihn Meschede-Remmlinghausen ist. Doch auch an diesem Sonntag hat er zu Trainingszwecken bereits einen 20 km-Lauf mit 50 kg Sturmgepäck absolviert. Was ihn nicht davon abhält, noch die 200 m Crosstrainerlauf des Biathlonduells auf sich zu nehmen.

Jäger / Scharfschütze Jashar Gashi im Biathlonduell

Jäger / Scharfschütze Jashar Gashi im Biathlonduell

Locker aber zügig spult der Modellathlet die Meter herunter und auch beim Schießen sieht er sehr souverän aus. Doch wie fast allen Teilnehmern, so unterläuft auch ihm eine winzige Konzentrationslücke. Den 5. Schuss setzt er nach 4 Treffern milimeterweit links daneben. Um diese Milimeter verpasst er die Etappenführung in 1:54 Min mit 4 Treffern und einmal mehr wird deutlich, dass ein fehlerfreies Schießen ein außerordentliches Ereignis ist, das höchste mentale Kraft erfordert.

Wenn der Scharfschütze den 11-jährigen Alexander nicht von Platz 1 verdrängen kann, dann vielleicht der Kraftsportler und Turniertänzer Mario Kraska? Der 45-jährige Dortmunder ist als Tourist am Hennesee und hatte von der Biathlonetappe in Meschede in der Zeitung gelesen. Seine Übungsschüsse sind vielversprechend, doch Erfahrung im Umgang mit dem Gewehr habe er nur in seinem Grundwehrdienst gesammelt, beteuert der sympathische leitende Angestellte.

Mario Kraska wird mit 1:50 Min. und 4 Treffern Vierter der Etappe in Meschede.

Mario Kraska wird mit 1:50 Min. und 4 Treffern Vierter der Etappe in Meschede.

Auf dem Crosstrainer tanzt er sozusagen in hohem Tempo, bewältigt die Strecke in 71 Sekunden und damit noch 5 Sekunden schneller als zuvor Jashar Gashi. Doch auch Mario reiht sich ein in die Gruppe von gleich 17 Teilnehmern aus Meschede, die starke 4, aber eben nicht überragende 5 Treffer schaffen. Wenige Meter entfernt registriert Alexander, dass ein weiterer Modellathlet vor seiner Leistung kapitulieren musste. Natürlich verzieht er dabei keine Miene…

Was die Modelathleten nicht schafften, könnte Bio-Landwirt Frank Meier schaffen. Der aus Borchen im Paderborner Land stammende Tierhalter ist mit seiner Familie in Meschede zu Besuch und nahm am frühen Nachmittag bereits am Biathlonduell teil. Dabei erzielte er 4 Treffer. Die von Alexander erzielte Zeit von 2:21 Minuten traut er sich zu und voller Tatendrang kommt er eine Stunde vor Etappenschluss zur Biathlonarena, um im zweiten Anlauf ein Duell mit fehlerfreiem Schießen hinzulegen. Und dieses Mal scheint alles bei ihm zu passen. Die Leistung auf dem Crosstrainer deutet auf eine Endzeit von ca. 2:00 Min. hin. Bei den Schüssen wirkt er sehr konzentriert.

Frank Meier hier mit seiner Tochter Celine am Start.

Frank Meier hier mit seiner Tochter Celine am Start.

Aber eben nicht konzentriert genug. Auch er leistet sich jenen einen Fehlschuss, den man sich eben nicht erlauben darf, wenn der Gegner Alexander Nölke heisst.

Doch es kommt noch ein Duellant, der das „Kunststück“ der 5 Treffer an diesem Tag in Meschede schaffen soll. Malermeister Andreas Millack rückt dem Malersohn und Führenden ganz nah „auf den Pelz“. Ach hätte der 52-Jährige doch etwas mehr Kraft und Ausdauer in seinen Crosstrainerlauf investiert. So bleibt die Uhr für ihn bei 2:31 Minuten stehen und er verpasst den Etappensieg um glatte 10 Sekunden.

Malermeister Andreas Millack (rechts im Bild beim Duell mit Robert Ricci. Die Szene zeigt den Zwischenstand von 2:2 Treffern. Andreas gewann das Duell mit 5:3 Treffern und holte den 2. Etappenplatz.

Malermeister Andreas Millack (rechts im Bild beim Duell mit Robert Ricci. Die Szene zeigt den Zwischenstand von 2:2 Treffern. Andreas gewann das Duell mit 5:3 Treffern und holte den 2. Etappenplatz.

Einen letzten ernsthaften Versuch, den Etappensieg zu holen, gab es noch. Doch er scheiterte, obwohl äusserst aussichtsreich, beinahe symptomatisch durch einen Schießfehler beim letzten Schuss. Der Möhneseer Kaminbauer Dirk Grothof erreichte deshalb mit seinen ausgezeichneten 1:41 Min. und 4 Treffern „nur“ Platz 3 der Etappe. Und deshalb schalten wir hier nocheinmal alle Lichter an und feiern den Sieg unseres bisher jüngsten Etappensiegers: Alexander Nölke. Ein Sieg, wie gemalt!

Alexander Nölke gewinnt die Gänsehaut-Tickets für den Biathlon auf Schalke am 28.12. in der Veltinsarena. Lena Bremer gratuliert "unserem" Finalisten im namen des Tourteams.

Alexander Nölke gewinnt die Gänsehaut-Tickets für den Biathlon auf Schalke am 28.12. in der Veltinsarena. Lena Bremer gratuliert „unserem“ Finalisten im namen des Tourteams.

Fotograf: Klaus Kremer

Autor: Martin Bremer