Nachbericht zur 35. Etappe 2017 in Wittlich

Treffpunkt Biathlon

Die Rückkehr mit der Biathlon-Tour auf den gemütlichen Marktplatz des kleinen aber feinen Städtchens Wittlich in der Moseleifel wird für uns zu einer der schönsten Überraschungen der diesjährigen Tour. Gemessen an ihrer Einwohnerzahl bietet die Stadt an der Lieser eine bemerkenswerte Dichte an Fachgeschäften und hochwertiger Gastronomie in ihrer herausgeputzten Altstadt. Dass aber zu diesem verkaufsoffenen Sonntag derart viele Menschen in die Gässchen strömen und zugleich den Marktplatz und die Biathlonarena zum Zentrum ihres Aufenthaltes erwählen damit hatten wir nicht gerechnet, nachdem im Vorfeld die Staffel-Stadtmeisterschaft wegen zu wenig angemeldeten Teams abgesagt werden musste.

So geht es zwischen 13 und 18 Uhr stets in Duellform in die Sprintbiathlon-Wettkämpfe auf der Suche nach Wittlichs bestem Biathleten und Nachfolger des Vorjahressiegers, Jürgen Wolf aus Prüm. Dabei müssen die Biathlon-Novizen schon etwas Mut aufbringen, denn den gesamten Nachmittag über sorgen zahlreiche Schaulustige nicht nur für eine prima Stimmung an der Biathlonarena, sondern eben auch durchaus für Herzklopfen bei den über 50 Wettkämpfern des Tages. Entsprechend groß ist das Übergewicht derjenigen, die einfach nur mal ein „Schnupperschießen“ mitmachen möchten und ihre Treffsicherheit bei 5 Schüssen auf die 45 mm-Klappscheiben testen möchten, den Wettkampf dann aber lieber anderen überlassen. Dabei sind zahlreiche Kinder, die mit Hilfe der Eltern am aufliegenden Gewehr ihre wohl ersten Zielübungen unternehmen, aber eben auch mancher junggebliebene Rentner mit teilweise sehr beachtlichen Schießergebnissen. Das Team des Stadtmarketing e.V. mit seinem Geschäftsführer, Karsten Mathar, hatte eingeladen und umsorgte selbst bis in den frühen Abend hinein die Marktplatzbesucher mit Glühwein. Rechts der Biathlonarena sorgen Akyüz Feinkost, ein Imbiss und eine Creperie für das leibliche Wohl der Shoppingfans, von denen so mancher Muße und Zeit mitgebracht hatte.

Der Start in den Wettkampf

Pünktlich zum Start in den Wettkampf um 13 Uhr kommt dann sogar die Sonne heraus. Das Wetter war durchwachsen vorhergesagt, doch es zeigte sich von seiner guten Seite. Es blieb trocken und war recht mild für einen Novembertag. Der Rahmen stimmt also und los geht’s in den Wettkampf, den die beiden Remscheider Polizisten, Uwe und Ralf eröffnen, die mit ihren Frauen Urlaub an der Mosel machen. Ihre jeweils nur einen Treffer mit den 5 Schüssen verraten wir natürlich nicht dem Vorgesetzten, auch Polizisten müssen mal „abschalten“ dürfen.

Besser macht es Jakob Schaubert (im nebenstehenden Bild). Im vergangenen Jahr gewann Jakob das Duell mit seinem Bruder, Walter. Heute treten die beiden Sibirer, die schon seit 24 Jahren in Wittlich zu Hause sind, zur Revanche an. Und wieder ist es Jakob, der mit 3:2 Treffern und der schnellen Zeit von 2:17 Minuten die Nase vorne hat.  Damit setzt sich der LKW-Fahrer zunächst an die Etappenspitze und es stellt sich rasch heraus, dass 3 Treffer auf die 45 mm-Ziele für einen vorderen Platz reichen könnten. Wir setzen in Wittlich erst zum vierten mal in dieser Toursaison die Laserschießanlage ein, deren Klappscheibenziele mit 45 mm Durchmesser etwas kleiner sind, als die zumeist eingesetzten Infrarotziele (50 mm). Die Aufgabe für die Wettkämpfer ist also heute etwas anspruchsvoller im Vergleich zu den meisten anderen Etappen der Tour 2017.

Doch die nächste Verbesserung auf 4 Treffer mit den 5 Schüssen lässt nicht lange auf sich warten und bleibt in sibirischer Hand. Jakobs Sohn, Dimitri (im schwarzen Kaputzenpulli), erinnert sich an seine Qualitäten als Kind mit dem Luftgewehr und auf Langlaufskiern. Der 36-jährige Metallbauer, der seine sportliche Form im Fitnessstudio erhält, zeigt Präzision und Konzentration. Nach 2:51 Minuten beendet er seinen Wettkampf aus 400 m Skilanglaufsimulation auf dem Thoraxtrainer und 5 Schüssen Stehendschießen mit 4 Treffern und setzt damit für lange Zeit an diesem Etappentag das Maß für die folgenden Wettkämpfer.

Wittlichs Polizisten fahnden nach dem Erfolgsrezept

Julian Hohns (im beigen Pulli) ist der erste, aber nicht der letzte Wittlicher Polizeibeamte, der seine Qualitäten an der Biathlonarena zeigt. Manche(r) Polizist(in) hat in diesem Jahr schon erfolgreich bei der Biathlon-Tour mitgemischt, wir denken an die Etappensieger aus Olpe, Nicolas Dornseifer, oder aus Marl, Dominik Hoffmann.  Wie viele ihren Beruf ihren Beruf nach einem weniger erfolgreichen Duell lieber verschwiegen haben, wissen wir natürlich nicht. Die Wittlicher Polizisten sind jedenfalls entspannt und haben kein Problem damit, sich als Polizisten zu outen, auch Julian Hohns nicht. Nach einem fehlerlosen Probeschießen mit 5 Treffern geht er in das Biathlonduell mit dem ebenfalls treffsicheren American Footballer und freiwilligen Feuerwehrmann, Pascal Hennchen. In diesem sportlichen Duell steckt der Polizist bei 3:3 Treffern eine knappe Niederlage ein, weil er in 2:33 Minuten etwas länger braucht, als der kräftige Pascal (2:25 Minuten). In der Schlusswertung sind das die Plätze 5 und 6.

Die Wittlicher Polizeiehre versuchen dann etwas später Johannes Scherer und Johannes Flesch zu retten. Aus sportlicher Sicht gelingt das den beiden auch bestens.  Mit 2:06 Minuten und 2:11 Minuten sind sie die schnellsten Wettkämpfer der heutigen Etappe. Wenn nur das Schießen nicht wäre. In mehreren Probedurchgängen läuft es ganz ordentlich für die beiden Beamten, doch nach der Belastung auf dem Skilanglaufergometer schießen beide vielleicht etwas zu rasch und damit zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch stark außer Atem sind. Nach jeweils 2 Fehlschüssen kommen sie besser in den Rhythmus, doch zu mehr als jeweils 2 Treffern reicht es nicht mehr. Es sollte jedoch nicht das letzte Wort eines Polizisten heute gewesen sein.

Zwischen Marathon und Ironmen

Carsten Molitor (im blauen Hemd) aus der Läufergruppe Obelix bereitet sich in diesen Monaten, nach 10 Marathonläufen in den zurückliegenden Jahren, auf seinen ersten Ironmen  vor, den er 2018 in Hamburg in Angriff nehmen möchte. Ein besseres Trainingsgerät, um gleich alle 3 Disziplinen des Triathlons zu fördern, als den Thoraxtrainer, wird er kaum finden. Das Ausdauer- und Ganzkörpertrainingsgerät mit dem Schwerpunkt auf der Oberkörpermuskulatur wird bei der Biathlon-Tour zur Skilanglaufsimulation eingesetzt, wird aber u.a. in Skandinavien schon erfolgreich  zum Aufbau von Ausdauer und Muskulatur in Triathlon, Schwimmen, Leichtathletik, sowie Ball- und Schlagsportarten eingesetzt. Carsten kommt mit dem Thoraxtrainer bereits gut zurecht erreicht die schnelle Duellzeit von 2:17 Minuten und zeigt mit 3 Treffern auch jene Treffsicherheit, die heute viele der Wettkämpfer nicht erreichen können. Carsten erreicht zusammen mit Jakob Schaubert Platz 3 dieser Etappe.

Familien- und Freundesduelle

Ob es um die Etappenführung, um die Polizisten- oder Familienehre geht, jedes Duell sorgt für prima Stimmung auf dem Marktplatz. Im Geschwisterduell zwischen Kayleigh und Connor (obere Bildzeile) finden beide die Zeit, sich auch gegenseitig noch zuzuschauen. Diese Muße ist dem jungen David (untere Bildzeile, ganz in rot) auf dem Thoraxtrainer im Duell mit Vater Harald vor Anstrengung etwas vergangen. In 4:18 Minuten kämpft sich der Sohnemann durchs Biathlonduell doch der Sieg gehört dem Papa. Im Freundesduell zwischen Sebastian und Werner (untere Bildzeile rechts) sagt Ersterer Letzterem den Kampf an. Doch weder das hilft, noch die eigenen Frauen, die als Fans dabei helfen, dem Wittlicher Marktplatz einen Hauch von Holmenkollen zu verleihen. Werner siegt mit 2:0 Treffern. Für eine vordere Platzierung reicht es bei beiden nicht, aber Spaß hat es ihnen dennoch gemacht.

Der Polizist und Ironmen

Müsste man nach den bisher gesehenen Wettkämpfern eine besonders erfolgversprechende Kombination aus Hobby und Beruf finden, um den idealen Etappensieger hervorzubringen, es wäre wohl genau jene: Polizist und Ironmen. Jörg Groß (im Bildvordergrund) ist ein solcher. Der 47-Jährige aus Föhren wollte eigentlich mit seinen Kollegen, Johannes, Johannes und Julian bei der Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft mitmachen, die wegen nur dreier Teammeldungen ausfallen muss. Doch der nahezu täglich trainierende Ironmen, der in Roth in 10:18 Std. finishte und für Trisport Trier startet. Dann geht er eben in ein Einzelduell um den Etappensieg. Gegner des Polizisten ist der Kampfsportler John Isac und beide liefern sich ein höchst sportliches Rennen auf dem Thoraxtrainer, das Jörg mit ca. 40 m Vorsprung abschließt und als erster ans Biathlongewehr wechselt. Möglicherweise hat er aus dem etwas schnellen Schießen seiner Kollegen gleich die richtigen Schlüsse gezogen, jedenfalls nimmt sich Jörg mehr Zeit vor dem ersten Schuss und nutzt sie mit einigen tiefen Atemzügen, um möglichst rasch Kontrolle über die Atmung zu erlangen. Das zahlt sich aus, denn er trifft mit seinen ersten drei Schüssen fehlerlos. Der Blick auf die Uhr zeigt, dass ihm wohl 4 Treffer zur Etappenführung reichen düften. Doch der vierte Schuss bringt ihm die Führung nicht. Nun muss er den letzten Schuss verwandeln, um Dimitri Philipp an der Spitze abzulösen. Jörg, der sich im Triathlon als Radspezialist einschätzt, aber nach eigenem Bekunden bestimmt Biathlet geworden wäre, wenn er in einer Skiregion zu Hause wäre, lässt sich vor dem 5. Schuss noch einmal einige Sekunden Zeit. Und am Ende hat seine Taktik Erfolg. In 2:32 Minuten mit 4 Treffern holt sich Jörg Groß nicht nur die Etappenführung, sondern kann diese auch bis zum Etappenende verteidigen und ist Wittlichs Mann beim Finale auf Schalke am 28.12. in der VELTINS-Arena gegen die 40 Etappensieger der anderen Tourstädte. Am gleichen Tag wird er zusammen mit Freundin Diane Ehrengast der VELTINS-Arena sein und den Biathlon auf Schalke mit Premiumkarten verfolgen. Herzlichen Glückwunsch!

Ein Staffelduell zum schönen Schluss

Die beiden Staffeln der Läufergruppe Obelix lassen sich trotz abgesagter Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft den Spaß nicht nehmen und treten zu einem Juxstaffel-Duell an. Ihnen gehört die letzte halbe Stunde des Etappentages und vielleicht fördert es den Mut auch anderer Sportvereine, Unternehmen, Stammtische oder einfach sportlicher Familien oder Freundesgruppen mit einem vierköpfigen Team im nächsten Jahr dabeizusein, wenn die Biathlon-Tour am 4.11.2018 wieder auf den Wittlicher Marktplatz zurückkehren wird?

Im Duell der beiden Marathon-Teams gewann Obelix 1 in 16:54 min mit mit Lisa Schwarz, Birgit Wagner, Bernd Esch, Carsten Molitor knapp vor Obelix 2 in 17:15 min mit mit Moni Esch, Elke Berhard, Christian Dietz, Andreas Amend. Karsten Mathar vom Stadtmarketing e.V. lädt danach alle Staffelteilnehmer zum Glühwein ein, der Abend legt sich über die eben noch quirrligen Altstadtgassen und es geht eine Etappe zu Ende die einfach ganz viel Spaß gemacht hat. Dafür bedanken wir uns herzlich bei allen Wettkämpfern für die engagierten Leistungen, bei den vielen Schaulustigen für die Empathie und spürbar gute Laune auf dem Marktplatz und natürlich beim Stadtmarketing e.V. für die einmal mehr prima Zusammenarbeit in der Vorbereitung und der Kommunikation der Etappe! Wir freuen uns schon auf die Rückkehr nach Wittlich am 4.11.2018

Bilder: Ralph Muijsers    Text: Martin Bremer