Nachbericht zur 32. Etappe 2017 in Kassel

dez-Biathlon wird zum Familien-Fest

Es ist noch nicht ganz Halloween, doch für uns sind es stets Feiertage, wenn die Biathlon-Tour Station macht im dez-Einkaufszentrum in Kassel. An diesem Wochenende ist es wieder soweit, Centermanager Kai Ehlers lädt die Biathlon auf Schalke-Tour auch in ihrem dritten Jahr wieder für die zweitägige Etappe in diesen exklusiven Einkaufstempel ein und wir machen die Ladenstraße zur Biathlonarena auf der Suche nach Kassels bestem Indoor-Biathleten.

Wir erleben zwei recht unterschiedliche Tage. Während uns der Freitag Zeit lässt, mit den Fans unserer Sportart, die es in Nordhessen reichlich gibt, auch einmal ins Gespräch zu kommen, ist der Samstag, wie wir ihn hier kennen, ein Familien- und Spektakeltag mit hunderten Mitmachern, noch mehr Zuschauern und vielen Kids, die mit neugierigen Äuglein den Blick durch Kimme und Korn entdecken.

Doch der Samstag wird natürlich auch zum Finish um den Etappensieg, bringt Biathlon-Dreikämpfe und -Duelle mit Ehrgeiz, Motivation und hohem Einsatz in den „Indoorloipen“, den Thoraxtrainern, auf denen jeder Wettkämpfer 400 m in der Doppelstocktechnik zurücklegen muss. Um Etappensieger zu werden, muss nach der körperlichen Belastung ein fehlerloses Schießen gelingen, also 5 Treffer mit den 5 Schüssen aus 10 m Entfernung auf die 50 mm-Ziele. Das ist die Herausforderung, die an diesen beiden Tagen immerhin jeder zehnte Wettkämpfer besteht. Unter diesen 9 fehlerlosen Schützen sind gleich 4 Damen. Das ist durchaus außergewöhnlich und freut uns besonders, folgt dies doch schon einer Tradition hier im dez, denn 2015 schafften bereits die Sommerbiathletin Lena Heere und Winterbiathletin Katherina Freitag Platzierungen unter den besten 5. In diesem Jahr sind es die frühere deutsche Vizemeisterin im Dreisprung, Ekaterina Menne (im nebenstehenden Bild, oben) aus Baunatal mit 3:01 Minuten und 5 Treffern auf Etappenplatz 4 und die Kung Fu-Trainerin Ulrike Keller aus dem Edertal in 3:18 Minuten und 5 Treffern auf Platz 6, die nicht nur ihre direkten Dreikämpfe gegen die männlichen Mitstreiter gewinnen, sondern auch zu jenen nur knapp 200 von rund 2000 Tour-Wettkämpfern 2017 zählen, die mit ihren fehlerlosen Schießen nach körperlicher Belastung zu den Biathlonmeistern dieser Tour gehören.

Die Familie als Fans

Im Bild oben, oben links: Shootingstar Michael holt Freikarten für ein Skierlebnis in Deutschlands größter Skihalle in Neuss für seine Familie. Bild oben, unten rechts: Alle Anfeuerung durch seine drei Liebsten hilft Peter im Duell mit Dennis  nicht. Der Jüngere gewinnt mit 4:1 Treffern. Papa bleibt dennoch der Größte. Bild oben, unten rechts: Enno erzielt 5 Treffer und holt sich den verdienten Familienapplaus. Auch Vanessa (oben rechts) hat den Familien-Fanclub im Rücken. In einem kurzen Biathlonwettkampf von 2-3 Minuten Länge, ohne vorherige Wartezeit diese populäre Sportart zwischen Shopping und Eiscafe einmal aus Athletenperspektive erleben, dies ist das Konzept der Biathlon auf Schalke-Tour. Jeder Wettkampf bringt dabei seine eigene Geschichte hervor und zieht nicht selten eine ganze Traube an Schaulustigen an.

Die Besten des Freitags

Treffsicher sind am Freitagmittag zunächst die Frauen. Der Modus der Biathlon auf Schalke-Tour belohnt primär das fehlerlose Schießen. Die höhere Trefferzahl gewinnt. Erst bei Treffergleichheit gewinnt das schnellere Resultat. Diese Regel ermöglicht Sandra Bischoff den Sieg im Eheduell mit ihrem Mann Volker. Die beiden aus Kaufungen haben ihre Talente unterschiedlich verteilt. Ausdauersportler Volker fällt die 400 m-Strecke auf dem Thoraxtrainer recht leicht. Am Biathlongewehr muss er jedoch 3 Fehlschüsse hinnehmen. Das ist die Chance für Sandra. Die 51-jährige war Hessische Jugendmeisterin mit der Luftpistole für den RSV Baunatal-Großenritte. Die ruhige Hand und Konzentrationsfähigkeit hat sie sich bis heute bewahrt. Mit 5 Treffern und 4:56 Minuten schafft sie es unter die Besten des Freitags.

Noch besser macht es Ilka Weschbach. Die 41-jährige aus dem Habichtswald geht mit ihrer Freundin Tanja Johannes ins Biathlonduell. Während Tanja beeindruckend schnell durch den Wettkampf kommt und in 2:38 Minuten die beste Zeit aller Teilnehmerinnen der beiden Tage erreicht, jedoch drei Fehlschüsse produziert, bleibt die Zahnarzthelferin Ilka, die heute hier im dez ihren Geburtstag mit einem Shoppingbummel feiert, konzentriert. Trotz unkonventioneller Schießtechnik bringt sie alle Schüsse ins Ziel und benötigt 4:12 Minuten.

Die meisten Mitmacher begnügen sich damit, Ihre Treffsicherheit zu testen und können sich zu der Skilanglaufsimulation über 400 m nicht aufraffen. Schade, denn sie verpassen den eigentlich spannenden Moment des Biathlons, den belasteten Körper und die eigene Atemlosigkeit durch Konzentration und Willenskraft unter Kontrolle zu bringen. Jene Qualität, die Olympiasieger Fritz Fischer vor drei Wochen auf unserer Etappe in Holzminden als „Schule des Lebens“ bezeichnete.

Schüler Vahit Kurt (im nebenstehenden Bild auf dem Weg zum Biathlongewehr) besteht diese Prüfung mit Bravour. Sportlich, schnell und entschlossen nimmt der 17-jährige Deutsche mit türkischen Wurzeln die Herausforderung an. Im Duell mit Freund Ali gelingt dem in der Berufsvorbereitung zum Lagerlogistiker befindlichen Fitnessfan in 2:34 Minuten und 5 Treffern das beste Resultat des 1. Tages. Bis wenige Stunden vor Etappenende am Samstag bleibt der sympathische Kasselaner, der so gerne ins Finale auf Schalke eingezogen wäre, auf Etappenplatz 1. Am Ende reicht es jedoch „nur“ zu Platz 2.

Der Schnellste des 1. Tages ist Malte Uesbeck (oben links im schwarz-weiss gestreiften T-Shirt). Mit 2:20 Minuten verpasst er die Etappenführung nur wegen eines Fehlschusses. So ergeht es auch Ammar Al Aghawani (im roten Kapuzenpulli). 2:32 Minuten und 4 Treffer reichen am Ende der zweitägigen Etappe zu Platz 15. Michael Behrendt (im grau-schwarzen Pulli) wird Etappenfünfter mit 3:07 Minuten und 5 Treffern.

Der Kampf um den Etappensieg

Ganz knapp vorbei an der Etappenführung geht es am Samstagmorgen für Michael Bünning. Der 49-Jährige geht zusammen mit seinen Söhnen Felix und Henrik in den Biathlon-Dreikampf und schafft das fehlerlose Schießen in 2:35 Minuten und damit nur eine Sekunde langsamer, als der Etappenführende Harit Kurt am Vortag. Auch der ältere Sohn, Felix (4 Treffer) und Henrik (3 Treffer) zeigen ihr Talent am Biathlongewehr.

Drei starke Pechvögel

Wie schwer die Vorgabe der 2:34 Minuten mit 5 Treffern des 17-jährigen Vahit Kurt zu knacken ist, das erfahren Jiu Jitsu-Kämpfer Swen Jan Sellin (im roten Pulli), Langstreckenläufer Tom (im grauen T-Shirt) und Marco Fuhrmann. Alle Drei unterbieten Vahits Zeit und scheitern an einem einzigen Moment der Ungenauigkeit, der ihnen 4 statt 5 Treffer einbringt. Swen Jan wird als Schnellster der beiden Tage in 1:56 Minuten 11. der Etappe, Marco in 2:26 Minuten 13. und Tom in 2:29 Minuten 14.

Das überragende Resultat dieser Etappe

Dann kommt sie doch noch, die überragende Leistung dieser zweitägigen dez-Etappe, die den jungen Vahit Kurt noch von der Etappenspitze verdrängt. Der 25-jährige Alexander Kobyljanskij (links am Gewehr), Deutscher mit ukrainischen Wurzeln geht mit Freund Paul und Benjamin Drenkhahn (im blauen T-Shirt) in den Dreikampf. Schnell bildet sich eine Menschentraube um die mobile Biathlonarena, denn die 3 bringen die „Indoorloipen“ mit ihrer Kraft zum Beben. Kampf und Athletik wird sichtbar und hörbar und zieht die Schaulustigen an.  Alexander, der für unity media arbeitet und zudem sein Abitur nachholt, ist weinige Sekunden vor Paul und Benjamin am Biathlongewehr. Er hat dieses Talent der ruhigen Hand, das es ihm ermöglicht, nach nur ganz kurzer Erholungspause bereits sicher zu schießen. Und während Paul und Benjamin mit den jeweils ersten Schüssen patzen, bleibt Alexander fehlerfrei. Es wirkt bei ihm so souverän, als könne er auch die nächsten 5 Treffer mühelos hinterhersetzen, doch 5 reichen ihm ja schon, um nach nur 2:00 Minuten eine großartige Etappenbestzeit zu erzielen. Dem Fitness-Sportler, der in Kassel zu Hause ist, gelingt damit die 15.-beste Leistung aller rund 2000 Wettkämpfer der Tour 2017 und die Qualifikation zum Tourfinale am 28.12. auf Schalke. Dorthin wird Alexander von Dimitri Tschischik, dem Vater von Paul, begleitet. Dimitri war in der Ukraine viele Jahre lang aktiver Biathlet. Einen besseren Coach könnte er sich wohl kaum aussuchen für den Kampf der Tourbesten. Nach dem Finale werden Alexander und Dimitri dann Ehrengäste der VELTINS-Arena zum Biathlon auf Schalke sein. Wir freuen uns auf die beiden Kasselaner am 28.12.

Mit diesen Szenen endet der diesjährige dez-Biathlon, eine Etappe der ersten Stunde der Biathlon auf Schalke-Tour, die uns längst fest ans Herz gewachsen ist. Unser Dank gilt Centermanager Kai Ehlers und seinem freundlichen Team der Haustechnik. Gerne kommen wir 2018 wieder zurück ins dez in Kassels Süden, gleich an der Autobahnausfahrt Auestadion.

Bilder Ralph Muijsers       Text: Martin Bremer