Nachbericht zur 30. Etappe 2017 in Lüdenscheid

Der 3. Tour-Stern im Stern-Center

Sie ist eine Etappe der ersten Stunde der Biathlon auf Schalke-Tour. 2015 waren wir hier im Lüdenscheider Stern-Center zur Eröffnung der Weihnachtsdeko, im vergangenen Jahr verbrachten wir den St. Martinstag in diesem so gepflegten wie gut besuchten Shopping-Center, der mit seinen südlichen und östlichen Flügeln unmittelbar an der Fußgängerzone und der Altstadt angrenzt. In diesem Jahr ist es ein goldenes Oktoberwochenende, zu dem wir hier in den Märkischen Kreis zurückkehren. Draussen steht die Sonne über der Hügellandschaft des Sauerlandes am strahlend blauen Himmel und wärmt, als wolle sie dem Sommer ein Comeback ermöglichen. Drinnen bietet dieser sehr exklusive Konsumtempel längst nicht nur den Lüdenscheidern, sondern auch Shoppinggästen aus dem gesamten Kreis und dem benachbarten Oberbergischen eine Vielfalt an Markengeschäften, Filialen, Dienstleistungen, Cafes, Gastronomie. Wegen einer Autoausstellung im oberen Erdgeschoss muss die Tour in diesem Jahr ihren Stammplatz abtreten und ein Stock tiefer aufbauen, als o sozusagen entgegen der Richtung des hier tatsächlich „springenden“ Wassers, das als Fontäne vom unteren ins obere Erdgeschoss hüpft.

Bei keiner anderen Etappe im Jahresverlauf ist die Aufbaufläche so schmal, wie hier in den Ladenstraßen des Stern-Centers. Deshalb bieten wir das Übungsschießen und den Biathlonwettkampf an 2 getrennten Ständen von 2,50 Meter Breite an.

Biathlonwettkämpfe für alle Neugierigen

Nach den zahlreichen Etappen mit Staffelstadtmeisterschaften freuen wir uns auf diese zweitägige, reine Mitmachetappe, bei der jeder Neugierige spontan entscheiden kann am Wettkampf teilzunehmen und dann sogleich in den Sprintbiathlon mit 400 m auf dem Thoraxtrainer und 5 Schüssen Stehendschießen aus 10 m Entfernung auf 50 mm-Ziele starten kann, sobald wir einen Wettkampfpartner gefunden haben.

Der Beste der beiden Tage wird am 28.12. beim Biathlon auf Schalke dann im Tourfinale gegen die Etappensieger der anderen 41 Städte antreten und um den Toursieg und die Reise für 2 Personen in das Dorint Hotel & Resort Winterberg antreten. Danach sind alle Etappensieger und deren Begleiter Ehrengast in der VELTINS-Arena und erleben den weltgrößten Biathlon inklusive Getränkeservice.

Die Besten des 1. Tages

Lange Zeit an diesem Freitag bleibt die 20-jährige Anne-Sophie Rhein die einzige Wettkämpferin mit einem fehlerlosen Schießen. Die 400 m-Strecke auf dem Thoraxtrainer kann die Sportschützin des Bürgerschützenvereines Lüdenscheid sehr ordentlich bewältigen, doch am Biathlongewehr ist ihr zunächst die unkontrollierte Atmung im Wege. Wie so häufig bei Sportschützen, lässt sich auch Anne-Sophie viel Zeit vor ihren Schüssen, denn sie ist natürlich auf perfekte Schüsse fixiert und nicht auf das Optimum der Biathleten, möglichst rasch die Scheibe zu treffen. Doch man sieht bei der Kreismeisterschaftszweiten der Juniorinnen mit dem Luftgewehr gleich den Unterschied zu den meisten Wettkämpfern des Tages. Sie entwickelt eine tiefe Konzentration, als tauche sie mit dem Griff zum Gewehr in eine andere Welt ein. Und diese Fokussierung ermöglicht der jungen Erzieherin in Ausbildung die Präzision zum fehlerlosen Schießen, wenn es auch in 4:23 Minuten recht lange dauert. In der Etappenwertung beider Tage erreicht sie Platz 4.

Etappenführung knapp verpasst

Lars Greitemann (links) und André Didschuneit sind in ihrem Duell deutlich schneller als Anne-Sophie Rhein, doch beiden unterläuft ein winziger Konzentrationsfehler beim Schießen, so dass es „nur“ zu 4 Treffern reicht. Lars, der an der TU Dortmund Chemie und Mathematik auf Lehramt studiert und bei TUS Neuenrade Handball spielt, schafft die sportliche Zeit von 2:28 Minuten und wird in der Etappenwertung 6.

Einen Platz dahinter landet der Hobby-Rennfahrer des ESP Racing-Teams aus Neuenrade, André Didschuneit, mit seinen 2:40 Minuten.

Persischer Architekt wird Bester des 1. Tages

Ganz am Ende des ersten Etappentages muss Anne-Sophie Rhein doch noch den 1. Platz räumen. Der 32-jährige Parsa Nori hatte schon einige Übungsdurchgänge geschossen, doch wir sahen keinen einzigen Fehlschuss bei dem Architekten aus dem Iran, der seit 2 Jahren in Deutschland lebt. Die Sportart Biathlon kennt Parsa ebenso wenig, wie die VELTINS-Arena, doch dennoch geht er in den Wettkampf um die beiden Premium-Tickets zum Biathlon auf Schalke. Auf dem Skilanglaufergometer gehört Parsa, der gerne schwimmt und ins Fitnessstudio geht, zu den Tagesschnellsten und am Biathlongewehr setzt der Hobbyfotograf seine Serie fort und bleibt auch unter Belastung ohne jeden Fehlschuss. In 2:29 Minuten übernimmt der sympathische Perser nach dem 1. Tag die Etappenführung.

Finalform im Brüder-Duell

Die Wettkämpfe der Greitemann-Brüder, Lars und Patrick, wecken durchaus Erinnerungen an die Vorjahresetappe hier im Stern-Center. Seinerzeit startete der jüngere, Lars, bereits am Freitag und legte 4 Treffer vor. Am Samstag kam er dann zusammen mit dem Bruder, Patrick, der dann 5 Treffer erzielte, jedoch den Etappensieg knapp verpasste. Bis zum Duellstart der beiden Werdohler an diesem Samstagmorgen läuft das Drehbuch exakt wie im Vorjahr ab. Und auch das Rennen in den Indoorloipen, den Thoraxtrainern, verläuft ähnlich, wie im Vorjahr, mit dem vielleicht entscheidenden Unterschied, dass Patrick schneller unterwegs ist, als im vergangenen Jahr, als er für seinen Wettkampf 2:18 Minuten benötigte und damit 14 Sekunden hinter dem Etappensieger, Timo Schwarzenbart zurückblieb. Patrick, der 25-jährige Maschinenbaustudent und Sportschütze des Schützenvereins Versetal, legt seine ganze Kraft in die ca. 80 Stockschübe und erreicht nach 90 Sekunden, rund 10 Sekunden vor seinem Bruder, Lars, das Biathlongewehr. Und dort sieht man, dass beide bereits Übung im Biathlonduell haben und einem konkreten Plan folgen. Jede Sekunde vor dem ersten Schuss wird konzentriert zur Beruhigung des Atems genutzt. Ähnlich, wie im Vorjahr, macht Patrick am Biathlongewehr einen sehr sicheren Eindruck und trifft mit den beiden besonders schwierigen ersten Schüssen. Während Lars einen Fehlschuss hinnehmen muss, scheint bei Patrick eine innere Uhr mitzulaufen, die ihm den Takt gibt, jene 2:04 Minuten zu unterbieten, die im Vorjahr zum Etappensieg reichten. 3. Schuss: Treffer. Kann er bei diesem schnellen Schießrhythmus fehlerfrei bleiben? 4. Schuss: Treffer. Der letzte Schuss entscheidet. Bei Treffer wird es die Etappenführung, bei Fehlschuss wird es Platz 3 hinter Parsa und Anne-Sophie. Patrick bleibt im schnellen Schießrhythmus und trifft. Seine Zeit: 2:00 Minuten. Ein starkes Ergebnis, Platz 13 unter den rund 1200 Wettkämpfern der bisher 30 Etappen und hier in Lüdenscheid nun 29 Sekunden Vorsprung vor dem Zweiten, Parsa Nuri. Wenn Patrick am Ende des Tages Etappensieger würde, dann wird er am 28.12. zum Finale auf Schalke mit seinem Bruder Lars zur VELTINS-Arena kommen, soviel steht für Patrick schon fest. Doch reicht es auch zum Etappensieg?

Noch ein Meisterschütze

Wie schwierig das Schießen nach körperlicher Belastung ist, das dokumentiert schon die Statistik. Nur 4 der 80 Wettkämpfer erreichen mit ihren 5 Schüssen 5 Treffer. Nach Patrick Greitemann gelingt dies am Samstag nur Alexander Schmidt (im Bild mit der Kappe). Alexander ist mit seiner Cousine Regina zum Einkaufsbummel im Stern-Center unterwegs und entscheidet sich nach einigen fehlerfreien Übungsschießen zum Biathlonwettkampf. Mit Mohammad Almukdad steht auch rasch ein Duellant bereit und los geht’s. Kraftvoll geht es in der Doppelstocktechnik durch die Thoraxtrainer-Loipe, doch die Zeit des Führenden, Patrick Greitemann, erreichen die beiden nicht. Am Biathlongewehr schießt Mohammad sehr schnell und zielt dabei viermal daneben. In 2:55 Minuten mit einem Treffer reicht es nur zu Platz 60, während sich Alexander etwas mehr Zeit vor und zwischen den Schüssen lässt und nach 3:05 Minuten mit 5 Treffern den 3. Platz erreicht.

Sieger der Stern-Center-Etappe und Finalist auf Schalke am 28.12. wird Patrick Greitemann, der im 2. Anlauf  in der starken Zeit von 2:00 Minuten mit gleich 29 Sekunden Vorsprung vor Parsa Nuri gewinnt. Mit einem herzlichen Dank an Centermanager Torsten Schulze und sein tolles Team verabschieden wir uns für ein Jahr aus dem Stern-Center und werden wohl erst 2019 mit der Biathlon-Tour wieder nach Lüdenscheid zurückkehren.

Bilder: Daniel Holtschneider    Text: Martin Bremer