Nachbericht zur 25. Etappe 2017 in Bad Münstereifel

Biathlon zum „Bad-Jubiläum“ im Kurpark

Im Juli 2016 kam die Biathlon auf Schalke-Tour erstmals nach Bad Münstereifel und nahm am Tag der Kirmeseröffnung direkt vor dem ehrwürdigen Rathaus Platz. Fasziniert von der filmreifen mittelalterlichen Kulisse der kleinen Eifelstadt ganz im Süden Nordrhein-Westfalens freuen wir uns schon auf dieheutige Rückkehr und bauen sozusagen 100 Treppenstufen oberhalb des Rathauses, im gepflegten Kurgarten oberhalb des Wallgrabens auf. Hier, über den Toren der Stadt, feiert Bad Münstereifel sein 50-jähriges „Bad-Jubiläum“ und huldigt dem Kurvater, Sebastian Kneipp, mit zahlreichen Aktionen zu Wassertreten, Ernährung, Bewegung, Kunst und Naturerleben. Auch unser Biathlonwettkampf für alle neugierigen Festbesucher hätte dem Pfarrer und Naturheilkundler bestimmt gefallen, fördert dieser Sport doch gleich 2 der 5 Kneippschen Säulen, nämlich zum einen die Säule Bewegung und zum anderen die Säule „Balance“, die man heute wohl mit Aufmerksamkeit oder Konzentration bezeichnen würde.

So läuft der Biathlon-Tag

An diesem herrlichen Spätsommertag, der hier in der rauhen Nordeifel sonnig, aber dennoch erfrischend kühl bleibt treffen sich ab dem späten Vormittag Einheimische und Gäste, jung und alt und bringen in angenehmer Weise gute Laune, Zeit und Freundlichkeit mit, so dass es einfach Spaß macht mit ihnen in den Biathlon-Tag zu starten. Es ist kein Fest, das Massen anlockt. Dadurch bleibt uns Zeit, jeden Neugierigen und Wettkämpfer intensiver zu betreuen. Von 10 – 17 Uhr kann jeder Festbesucher an den Infrarot-Gewehren seine Treffsicherheit testen und erhält dabei nicht nur die Information über Treffer und Fehlschuss, sondern auch sein Trefferbild mit der exakten Ringzahl seiner 5 Schüsse. Neben den 4 Schießbahnen sind 3 „Loipen“ aufgebaut. Der Skilanglaufergometer „Thoraxtrainer“ simuliert den klassischen Skilanglauf. 400 m legen die Wettkämpfer der Biathlon-Tour darauf zurück bevor sie mit 5 Schüssen Stehendschießen aus 10 Metern Entfernung auf 50 mm-Ziele die Herausforderung des Biathlons erleben. Der beste Biathlet des Tages wird Tour-Finalist auf Schalke am 28.12. und wird dort zudem Ehrengast der VELTINS-Arena zum Biathlon auf Schalke sein. Zwischen 14 und 15 Uhr treten 3 vierköpfige Teams zum Finale der Staffelmeisterschaft an.

Ein Sport für alle Generationen

Neben den Jüngsten, denen es noch etwas an Kraft mangelt, um die Stöcke auf dem Thoraxtrainer nach hinten durchschwingen zu können, die aber um so begeisterter ihre Grenzen darauf austesten, lassen sich erfreulicherweise auch die Senioren vom Biathlon begeistern. In den Wettkampf gehen die Älteren eher selten, doch es ist einfach schön, mit wieviel Freude die eigene Treffsicherheit getestet wird und wie zahlreich sich gerade die ältere Generation als Fans dieser Sportart zu erkennen geben. Da passt es bestens, dass mit dem Strahlenschutz-Ausbilder, Karl-Ludwig Stange (im oberen Bild in der dunkelblauen Jacke) ein Wettkämpfer der älteren Generation den dritten Platz in der Etappenwertung erreicht. Sein fehlerloses Schießen nach der Laufbelastung schaffen nur 6 von 41 Wettkämpfern. Mit der Zeit von 3:33 Minuten schafft es Karl-Ludwig, der sich regelmäßig in der Sportwelt Schäfer fit hält, auf’s Treppchen.

Frauen mögen Biathlon….und können es auch!

Woche für Woche erleben wir, dass Biathlon auf eine starke weibliche Fangemeinde bauen kann. Auch ohne Bundeswehrausbildung erweisen sie sich dabei nicht selten als die besseren Schützen. Das beweist hier im Kurgarten auch Dorothea Sina (im Bild oben in der unteren Bildzeile). Im Duell mit Sohnemann Lukas holt die Leiterin der DLRG-Ortsgruppe Bad Münstereifel einen glatten 5:2-Sieg und erreicht mit ihrem fehlerlosen Schießen und der Zeit von 4:13 Minuten den 5. Etappenplatz. Respekt! Sogar noch besser macht es die Entspannungspädagogin Heidrun Müller-Bothen (im Bild oben links). Wenige Minuten bevor sie als Kursleiterin die Festbesucher in Entspannungstechniken schult, zeigt sie im Duell mit Bernhard Wessling, wie das „Entspannt sein“ auch zum Erfolgsfaktor werden kann. Auf dem Thoraxtrainer legt sie ein kraftvolles Tempo vor und hält es über die gesamten 400 m durch. Am Gewehr war die Sport-Physiotherapeutin und Gastdozentin an der Universität in Fukuoka (Japan) bis heute gänzlich untrainiert. Dennoch schafft sie mit Konzentration und Wachsamkeit das fehlerlose Schießen und wird in 3:37 Minuten großartige 4. der Etappenwertung.

Duell der Urlauber

Die Familien Jungkind und Böhm sind aus Moers zu Gast in Bad Münstereifel und machen Urlaub. Gut gelaunt testen sie ihre Treffsicherheit. Als wir Sergej und Alexander zum Wettkampf motivieren möchten, schiebt Sergej seine Frau, Natalia vor. Natalia (im nebenstehenden Bild im Vordergrund) hat gleich Mut und geht in den Dreikampf mit Sandra und Mike Hansen. Drei Treffer erzielt die sympathische Natalia. Damit verliert sie zwar knapp gegen Mike, der 4 Treffer schafft, aber sie hat den beiden Männern Mut gemacht, die sich im nächsten Duell ein schnelles Rennen liefern, bei dem Alexander (im blauen Hemd) knapp vor Sergej zum Biathlongewehr kommt. Beide schaffen ausgezeichnete Zeiten, Alexander 2:28 Minuten und Sergej 2:32 Minuten, doch unterläuft ihnen jeweils ein Fehlschuss, so dass sie, statt um den Etappensieg zu kämpfen, mit den Plätzen 9 und 10 zufrieden sein müssen.

Der Zweikampf um den Etappensieg

Den Zweikampf des Tages liefern sich der Etappensieger des Vorjahres, Alexander Liebing (im Bild oben links) und der Trainer des beliebten Fitnessstudios Sportwelt Schäfer, Henrik Niessen. Wir behelfen uns hier mit zwei Bildern aus dem Staffelfinale, wo die beiden als Schlussläufer der Sportwelt-Teams erneut aufeinandertreffen, doch schon vor dem Staffelstart liefern sich die beiden ein spannendes, leider unfotografiertes, Duell.

Drei Eifel-Etappensieger beim Finale auf Schalke.

Alexander Liebing trat im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinem Vater Norbert zum Duel an und holte sich in 2:35 Minuten mit einem fehlerlosen Schießen den Etappensieg.

Beim Finale der Etappensieger auf Schalke bewies Alexander Nervenstärke, gewann den Eifel-Dreikampf gegen die Etappensieger aus Gerolstein und Blankenheim und schaffte es in die Final-Top 10.

Heute im Duell mit dem Kraftsportler und Fitnessökonom, Henrik Niessen, hat Alexander zunächst einen „schweren Stand“. Henrik, der bei der Sportwelt Schäfer der Trainer unseres letztjährigen Etappensiegers ist, bringt derart viel Kraft auf die Skistöcke, dass er mit jedem Schub 7 Meter vorwärts kommt. Dieser Spitzenwert der Biathlon-Tour wurde bisher nur von rund 20 der über 4000 Wettkämpfer durchgehalten und nur die zwei Schnellsten dieses Jahres, Nicolas Schlang und Nicolas Dornseifer, waren auf dem Thoraxtrainer noch schneller unterwegs. Henrik hält dieses kraftintensive Tempo über die gesamten 400 m durch und wechselt nach 80 Sekunden ans Biathlongewehr. Während Alexander noch 80 Meter zurückzulegen hat, bereitet sich Henrik auf seine 5 Schüsse vor. Doch bei seinem Biathlondebut ist er zu ungeduldig. Mitten hinein in die noch hohe Atemfrequenz setzt er den ersten Schuss. Fehlschuss. Mit dem sehr schnellen Schießrhythmus wählt Henrik den risikoreichen Weg, schafft in 1:49 Minuten zwar eine der 10 schnellsten Wettkampfzeiten der Tour 2017, doch 4 Fehlschüsse werfen ihn weit zurück und machen es dem sicheren Schützen Alexander leicht, dieses Duell für sich zu entscheiden. Der Vorjahressieger hat die Fähigkeit, auf die Sekunde hochkonzentriert zu sein und kann die Spannung auch konstant halten. Er spielt seine Stärke am Biathlongewehr voll aus und kehrt mit seinen 2:12 Minuten und 5 Treffern gleich dorthin zurück, wo er auch im Vorjahr seinen Stammplatz hatte: An die Etappenspitze.Es spricht sicherlich nicht gegen die Arbeit seines Fitnesstrainers, dass Alexander in diesem Jahr 23 Sekunden schneller als im Vorjahr ist.

Der Trainer lernt schnell

Mit den Qualitäten des Trainers zieht Henrik Niessen gleich Schlüsse aus dem verlorenen Duell, legt noch einige Übungsrunden am Biathlongewehr hin und startet dann mit veränderter Taktik und ungebrochenem Sportsgeist erneut in den Biathlonwettkampf. Dabei tritt er mit zwei Teamkollegen an, mit denen er am Nachmittag gemeinsam beim Staffelwettbewerb teilnehmen wird. Bettina Voßhage arbeitet ebenfalls im Trainerteam der Sportwelt Schäfer und pilgerte als Biathlonfan schon manches Mal zum Weltcup ins bayerische Ruhpolding, um das Spektakel live zu erleben. Über die Qualitäten des zweiten Widersachers, Karl-Ludwig Stange, haben wir weiter oben bereits berichtet.Henrik geht sein zweites Rennen eine Nuance ökonomischer an, als das erste. Mit 88 Sekunden für die 400 m-Strecke bleiben ihm 43 Sekunden für die Schießvorbereitung und die 5 Schüsse um die 2:12 Minuten von Alexander zu unterbieten. Das ist machbar, doch viel schwieriger ist es, ohne den kleinsten Konzentrationsfehler durch durch die 5 Schüsse zu kommen. Henrik lässt sich vor dem ersten Schuss deutlich mehr Zeit, als im ersten Versuch. Der Treffer mit dem schwierigen ersten Schuss gibt ihm recht.Anscheinend tickt bei ihm die innere Uhr mit, denn nun wählt er den schnellen Schießrhythmus und macht in seinem 2. Biathlonwettkampf fast alles richtig. Alle 5 Schüsse bringt er sicher ins Ziel doch um die Winzigkeit von einer 1 Sekunde bleibt er in 2:13 Minuten hinter Alexander Liebing zurück.

Mit diesem Zwischenstand geht es in den Staffelwettbewerb, bei dem die beiden Führenden als Schlussläufer erneut aufeinander treffen werden. Ihre Einzelergebnisse werden dann auch in die Etappenwertung eingehen und, soviel darf vorweg genommen werden, es wird noch eine Verbesserung der 2:12 Minuten folgen.

Das Staffelfinale

Zwei Teams der Sportwelt Schäfer treffen auf das Gästeteam der Meckenheimer Obstläufer. Beim Staffelwettkampf legt jeder Starter das gleiche Pensum zurück, wie im Einzelwettbewerb, also 400 m auf dem Thoraxtrainer und 5 Schüsse Stehendschießen auf die 50 mm-Ziele. Anders, als beim Einzelwettbewerb, führt jeder Fehlschuss zu 15 Sekunden Zeitstrafe. Der Startschuss fällt und für die beiden Staffeln der Sportwelt Schäfer beginnen in Loipe 1 Bettina Voßhage und in Loipe 2 Sandra Gritzner, die gemeinsam mit ihren beiden Söhnen Luca und Joshua sowie Alexander Liebing als „Sportwelt-Schäfer 2“ unterwegs sind. In Führung gehen aber zunächst die Meckenheimer Obstläufer mit dem schnellen Bernhard Wessling als Startläufer. Der Inhaber eines Autoservices hatte vor dem Staffelfinale mit einem Duell in 2:00 Minuten schon seine sportlichen Qualitäten gezeigt, scheiterte jedoch knapp am fehlerlosen Schießen. In der Staffel holt er für die Obstläufer mit 4 Treffern rund 80 Sekunden Vorsprung heraus vor Sandra Gritzner und weitere 15 Sekunden dahinter Bettina Voßhage von Sportwelt Schäfer 1.

Bernhard schickt mit Norbert Schneider einen bemerkenswerten Langstreckenläufer in die Loipe, der in der Eifel und im Rhein-Sieg-Kreis schon reihenweise Siege bei Straßen- und Crossläufen errungen hat. Doch auf dem Thoraxtrainer helfen ihm die schnellen Beine nur wenig, denn Kraft aus dem Oberkörper ist hier gefragt. Dennoch kommt der 50-Jährige gut über die Strecke und baut den Vorsprung der Obstläufer auf 1:40 Minuten aus, obwohl er nur 2 Treffer schafft. Luca Gritzner kann den Vorsprung der Sportwelt 2 gegenüber Team Sportwelt 1 etwas ausbauen und nimmt dabei sogar dem Etappendritten, Karl-Ludwig Stange einige Sekunden ab. In der 3. Runde startet für die Obstläufer sogar eine Deutsche Meisterin. Die 12-jährige Celine Schneider gewann in diesem Jahr bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften der Schüler/innen den 5000 m-Lauf in 19:45 Minuten. Hier in der Loipe hat es die zierliche Schülerin natürlich ganz schwer. Joshua Gritzner rückt Celine auf der mittleren Loipe mit jedem Stockschub näher und am mBiathlongewehr kann er mit 3 Treffern sogar die Führung für das

 

Team der Sportwelt Schäfer 2 holen, weil Celine ohne Treffer bleibt. Dennoch wird dem 12-jährigen Lauftalent der „Kraftakt“ auf dem Thoraxtrainer auch für ihr nächstes Ziel, die Deutschen Schüler-Crossmeisterschaften, denn der Schwung aus den Armen hilft müden Beinen insbesondere auf dem letzten Laufkilometer. Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und Freude beim Laufen, Celine.

Auf Bahn 1 kann Deli Stange den Anschluss an die beiden führenden Teams leider nicht halten, so dass der erhoffte Zweikampf der Schlussläufer Alexander Liebing gegen Henrik Niessen nicht über den Sieg entscheiden wird. Stattdessen geht der Vorjahressieger mit rund 25 Sekunden Vorsprung auf die Staffel der Obstläufer in diese Schlussrunde und bekommt es mit Bernhard Wessling zu tun, der für das Obstläufer-Trio als Start- und Schlußläufer antritt. Bernhard mobilisiert nochmal alle Kräfte, doch verliert er gegen Alexander Liebing weitere rund 10 Sekunden in der Loipe. Nun kann die führende Sportwelt Schäfer 2-Staffel nur bei mindestens 3 Fehlschüsse von Alexander Liebing noch von den Obstläufern abgefangen werden. Doch auf ein solches Schießergebnis von Alexander Liebing wettet hier niemand im Kurgarten. Der Etappenführende greift zum Biathlongewehr und schießt, als sei es das normalste auf der Welt, erneut einen Treffer nach dem nächsten, bleibt erneut fehlerlos und verbessert die eigene Etappenbestzeit auf 2:03 Minuten. Sportwelt Schäfer 2 wird Biathlonstaffelmeister von Bad Münstereifel in 12:47 Minuten, vor den Meckenheimer Obstläufern in 13:47 Minuten. Henrik Niessen gibt als Schlussläufer trotz der bereits gefallenen Entscheidung nochmal „volle Kraft“ und wird von den Schaulustigen dabei mit Applaus unterstützt. Am Ende reicht es aber nicht ganz für ihn, seinen „Fitness-Schützling“ noch vom 1. Etappenplatz zu verdrängen. Die Art und Weise, wie Henrik Alexander den Sieg gönnt und sich mit ihm mitfreut passt zu diesem schönen Tag hier im Kurgarten. Wir freuen uns auf das Wiedersehen mit Stefanie und Alexander Liebing  am 28.12. auf Schalke und sind uns sicher, dass Henrik ihn topfit zum Finale schicken wird.

Unser herzlicher Dank gilt allen Wettkämpfern und Zuschauern sowie insbesondere der Stadt Bad Münstereifel, ihrer Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian und dem Wirtschaftsförderer, Hans-Josef Dederichs. Beide haben die Biathlon-Tour nach Bad Münstereifel zurückgeholt und sind vom Biathlon in dieser sportbegeisterten Stadt überzeugt. Wir kommen gerne jederzeit hierhin zurück.

Bilder: Daniel Holtschneider und Harry Pien     Text: Martin Bremer

o-Töne:

Alex Liebing, Etappensieger: Super Martin! Wie immer ein riesen Spaß!
freu mich euch Ende des Jahres wieder zu sehen!

Henrik Niessen: Toller Bericht! Ich habe nochmal mitgefiebert, als wären wir wieder im Wettkampf.