Nachbericht zur 24. Etappe 2017 in Bad Hersfeld

Vorhang auf zur ersten Indoor-Etappe 2017

Der Herbst ist die Shopping-Center-Zeit, das gilt auch für die Biathlon auf Schalke-Tour. In diesem Jahr liegt der Auftakt zur Indoor-Saison sogar noch im Spätsommer und dafür macht sich die Biathlon auf Schalke-Tour an diesem doch recht herbstlichen Regentag auf bis in das Einzugsgebiet des Biathlon-Weltcuportes Oberhof. Das Ziel ist die Citygalerie der Festspiel- und Kurstadt Bad Hersfeld im Nordosten Hessens. Schon seit Jahren besteht der Kontakt zur Citygalerie und wir freuen uns über den Mut des Centermanagers, Jörg Markert, eine Tour-Etappe in dieses gepflegte Schmuckstück der kleinen Bad Hersfelder Innenstadt zu holen.

Einen besseren Platz in der Citygalerie könnte die Biathlonarena gar nicht bekommen, als hier, direkt unter der Empore zum Obergeschoss und gegenüber des großzügigen Cafe-Bereichs. Und es macht eben auch den Reiz der Shopping-Center-Etappen aus, den Bratenduft in der Nase zu haben während des 400 m-Laufes auf den Skilanglaufergometern oder sich in der Konzentrationsphase am Biathlongewehr nicht vom Wohlgeruch frisch gebackenen Brotes ablenken zu lassen.

Statt der üblichen 10 Meter Schießentfernung sind es hier´, im Herzen der Citygalerie aus Platzgründen nur 8,5 Meter. Deshalb reduzieren wir die Zielgröße von 50 auf 40 mm Durchmesser. Die Wettkämpfer des heutigen Tages werden es also einen Deut schwerer haben, fehlerlos zu schießen, als die Wettkämpfer der bisherigen 23 Etappen.

Loipe zwischen Metzgerei und Bäckerei

Biathlonwettkämpfe im Shopping-Center sind bei der Biathlon auf Schalke-Tour ziemlich nah am Original dran. Die Thoraxtrainer-Loipe benötigt natürlich kein Schnee, doch wird darauf der Skilanglauf mit der Doppelstocktechnik, sogar wissenschaftlich erwiesen, mit 96 %iger Übereinstimmung nachgeahmt. Die 400 m-Strecke ist kurz genug, um noch nicht ins Schwitzen zu kommen, aber auch lang genug, um etwas außer Atem zu geraten und den magischen Moment des Biathlons zu erleben, das Stehendschießen unter Belastung. Dabei spielt, neben der ruhigen Hand und der Konzentration, auch Taktik eine Rolle: Wie viele tiefe Atemzüge benötige ich, um wieder kontrolliert schießen zu können und wie schnell kann ich den Rhythmus zwischen den Schüssen wählen. Diese spannenden 2-3-Minuten-Duelle machen auch den Zuschauern Spaß und es wird ein sportlich-fröhlicher Tag in der Citygalerie, an dem jeder Besucher die Möglichkeit nutzen kann, kostenlos seine Treffsicherheit an den Biathlongewehren zu testen.

Die Besten in Bad Hersfeld

Da fahren wir vom Ruhrgebiet bis an die hessisch-thüringische Grenze, um dann den Geschäftsführer einer Gabelstabler-Firma aus Essen am Start zu haben. Matthias Vorbeck (im Bild im gestreiften Polohemd) geht gemeinsam mit seinem Mieter, Nate Martin an den Start. Nate ist aus Amerika für ein Jahr zum Studium in Bad Hersfeld zu Gast. Auf dem Thoraxtrainer ist der jüngere der etwas schnellere, doch beim Schießen spielt Matthias seine Erfahrung als früherer Vizemeister mit Luftgewehr im Kreis Hamburg voll aus. Der sportliche 43-Jährige, der gerne Ski fährt, segelt und Tennis spielt, schießt schnell und sicher. Damit ist er der erste am heutigen Tag, der die 5 Treffer schafft. Seine 3:47 Minuten sind freilich noch steigerungsfähig, doch zunächst setzt sich der Biathlonfan an die Spitze der Tagesrangliste. Wenn er am Tagesende noch ganz vorne stünde und als Preis die beiden Premiumkarten zum Biathlon auf Schalke gewinnen könnte, dann würde er seinen Mieter, Nate, mit zur VELTINS-Arena einladen. Nate schafft im Duell 3 Treffer in 4:13 Minuten und wird damit am Ende 12.

Ein Finne in Bad Hersfeld

Statt durch verschneite finnische Wälder geht’s für Alto Savolainen in der altgewohnten Doppelstocktechnik „durch die Citygalerie-Loipe“. Der nordischen Seele gefällt’s. Ein bisschen Erinnerung an die Heimat für den 50-Jährigen, der schon lange in Bad Hersfeld in der Automobilproduktion arbeitet. Das Skilanglaufen hat er im Blut und ist in 3:01 Minuten auch schneller als unser Etappenführender, Matthias Vorbeck, aber am Biathlongewehr verfehlt er zweimal das Ziel und belegt am Ende den 8. Platz der Etappenwertung.

Noch schneller, als Alto schafft der junge Robin Himmelmann (nebenstehendes Bild im grünen Pulli) sein Duell gegen Martin Kurz. Mit 2:46 Minuten ist er auf dem Weg zur Etappenführung, doch ein Fehlschuss wirft ihn dann noch zurück auf Platz 4. Robins Kollege, Martin, wird mit 3 Treffern in 3:10 Minuten 9.

Der schnelle Bäcker

Als der 30-Jährige Bäcker Sergej Weinberger (im roten Kapuzenpulli) zu seinen ersten Stockschüben im Duell mit Johannes Glorius ansetzt, da wird gleich deutlich, dass es nun eine neue Bestzeit geben könnte. Mit viel Kraft aus dem Oberkörper und einer guten Technik schafft der Kraftsportler die 400 m-Strecke in 91 Sekunden, was auch im Vergleich mit den bisherigen 23 Etappen eine sehr gute Leistung ist. Die schnellsten „Skilangläufer schießen jedoch häufig fehlerhaft, weil sie so stark außer Atem und zugleich etwas ungeduldig vor dem ersten Schuss sind, dass sich rasch Fehler einschleichen. Um so beeindruckender ist da, dass Sergej diese „Klippen umschifft“ und mit seinen ersten 4 Schüssen 4 Treffer erzielt. Der letzte Schuss kann ihn nun zum neuen Etappenführenden machen und die Uhr zeigt gerade 2:13 Minuten an. Noch einmal nimmt der Kasache Konzentration auf. Der Atem scheint mittlerweile gut erholt. Sergej schiesst…und scheitert im letzten Moment daran, Etappensieger von Bad Hersfeld zu werden. 2:17 Minuten und 4 Treffer bedeuten für ihn Platz 3 in der Gesamtwertung. Natürlich ist er etwas enttäuscht, denn er war ja ganz nah dran am Sieg und den beiden Premium-Tickets zum Biathlon auf Schalke in der VELTINS-Arena.

Das Tischtennis-As zeigt Präzision

Wie auch schon in anderen hessischen Städten, die wir mit einer Etappe besuchten, begegnen uns in diesem Bundesland auffällig häufig Biathlonfans. In Vellmar erlebten wir das in diesem Jahr, im dez in Kassel und in Marburg 2016. Hier in der Citygalerie kommen wir mit Birgit (im Bild in der schwarzen Lederjacke) und Michael (im orangenen Polohemd) Borken ins Gespräch. Im Winter sind die beiden Bad Hersfelder häufig beim Weltcup im nahen Oberhof, aber auch den Meisterschaften der Sommerbiathleten schauen die beiden Wintersportfans gerne zu, die selbst aktive Langläufer und Alpinskifahrer sind. So ein bisschen Überredungskunst muss Birgit schon anwenden, damit sich Michael der roten Jacke entledigt und gegen Ronald Hecht ins Biathlonduell geht. Beide hatten zuvor im Probeschießen fehlerlos geschossen, so dass wir nun vielleicht einen Angriff auf die Etappenführung von Matthias Vorbeck erleben. Auf der 400 m-Strecke ist Ronald der etwas Schnellere, doch beim Schießen auf die 40 mm-Ziele setzt er gleich den ersten Schuss daneben. Nun ist auch Michael, der als Qualitätsmanager arbeitet, am Biathlongewehr und legt gleich mit Qualitätsarbeit los. 1. Schuss Treffer, 2. Schuss: Treffer. Ehefrau Birgit hält das Handy vor den Mund, fiebert mit. 3. Schuss: Treffer. Die Uhr zeigt gerade 3.00 Minuten an. Die Zeit des Führenden, Matthias Vorbeck, von 3:47 Minuten wird Michael deutlich unterbieten. Doch er muss noch zweimal treffen, um ganz nach vorne zu gelangen. 4. Schuss: Treffer. Centermanager Jörg Markert, der gerne Tischtennis spielt, erzählt uns, dass Michael Borken einer der besten Tischtennisspieler der Stadt ist und für den TTC Lax-Hersfeld sogar in der Bezirks-Oberliga spielt. Die Präzision, die er an der Platte hat, ist ihm nun auch für den letzten Schuss zu wünschen, mit dem wir kurz zuvor Sergej Weinberger haben scheitern sehen. Michael schießt…und trifft! Die Zeit: 3:13 Minuten. Etappenführung für Bad Hersfelds Tischtennis-As und Freude auch bei Frau Birgit, die spontan ankündigt, sogar den gemeinsamen Winterurlaub zu verschieben, wenn Michael die beiden Premiumkarten für den Biathlon auf Schalke und die eigene Finalteilnahme gegen die Etappensieger der anderen Tourstädte gewinnen würde.

Am Tagesende steht fest, Michael Borken wird Etappensieger von Bad Hersfeld. Der 62-Jährige darf besonders stolz sein, denn er ist unter den bisher 24 Etappensiegern diesen Jahres und von allen bisher 85 Etappensiegern in 2,5 Jahren Biathlon auf Schalke-Tour der Senior. Wir sagen herzlichen Glückwunsch und freuen uns auf das Wiedersehen mit den beiden sympathischen Bad Hersfeldern am 28.12. auf Schalke.

Unser abschließender Dank gilt den 45 Wettkämpfern des Tages, den neugierigen Schnupperschützen und natürlich dem Centermanager der Citygalerie, Jörg Markert, der zwischenzeitlich mit seiner Frau, Tochter und Sohn beim Biathlon mitmachte und mit dem die Organisationsarbeit zur Etappe sehr angenehm verlief. Herzliches Dankeschön auch an Silvana Wohlgemuth vom Fachbereich Sport der Stadt Bad Hersfeld, die sich bis zuletzt für die Austragung einer Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft engagierte. Leider kam sie in diesem Jahr nicht zustande, doch vielleicht mussten die Bad Hersfelder erst einmal schauen, was auf sie zukommt und eine Staffel-Stadtmeisterschaft wird dann das Highlight einer Etappe 2018 in der Citygalerie. Wir kämen zu diesem Anlass jedenfalls gerne zurück nach Bad Hersfeld

Fotos: Daniel Holtschneider    Text: Martin Bremer