Nachbericht zur 23. Etappe 2017 in Emmerich

Alter Markt-Biathlon macht Laune

Wir feiern das Wiedersehen mit dem Alter Markt der Hansestadt Emmerich. Hier, nur zwei Steinwürfe vom Rheinufer entfernt, wo sich Luft und Leben schon ein bisschen holländisch anfühlen fordern wir die entspannten Einheimischen und zahlreiche Gäste aus den benachbarten Niederlanden am verkaufsoffenen Sonntag und letzten Stadtfesttag zum sportlichen Mitmachen heraus.

5 starke Athleten im Kampf um den Etappensieg. Am Ende kann’s nur einer werden. V.l.n.r.: Benedikt Herrmann, Stephan Gerhards, Lukas-Nils Richter, Mario Maltzahn und Sven van Ophuysen.

Wie schon im vergangenen Jahr erweisen sich die Emmericher als interessiertes und dankbares Publikum, während sie zugleich zu den kreativsten zählen bei den Begründungen, warum Sport gerade an diesem Tag für sie die weniger favorisierte Variante ist. Das ist gar nicht schlimm, wenn wir dann – wie heute – 60 Wettkämpfer unter den zahlreichen Innenstadtbesuchern gewinnen können, die mit soo viel Motivation und Leidenschaft in ihre Rennen gehen, dass der Funke auf das Shopping-Publikum überspringt und mit Applaus nicht gespart wird.

Vom Zuschauer zum Champion werden

Die herrliche Septembersonne ist den ganzen Tag treuer Begleiter der Biathlon-Wettkämpfe, deren Hauptdarsteller sich erst Minuten vor ihrem Auftritt spontan für die Teilnahme entscheiden. Von diesem Mut der Protagonisten lebt dieses Mitmachevent für Jedermann. So mancher Zuschauer ringt mit sich: „soll ich nicht auch mal – nee, besser nicht“ und ist den Wettkämpfern dadurch nahe. Die Distanz zwischen Zuschauern und Wettkämpfern beträgt nur dieses Quäntchen Mut, Überwindung, Spontaneität. Dieser fließende und selbst gewählte Übergang zwischen Zuschauer- und Hauptrolle macht den Reiz der Biathlon-Tour aus. Natürlich kommt verstärkend hinzu, dass auf den besten Biathleten des Tages eine zusätzliche, riesige Herausforderung wartet: Die Teilnahme am Tourfinale der Etappensieger während des Biathlons auf Schalke am 28.12.2017 vor hunderten Zuschauern im Winterdorf der VELTINS-Arena.

Für die zahlreichen Fans dieses Wintersports ist die Jedermann-Tour zudem eine schöne Gelegenheit, einmal näher an „ihre“ Sportart heranrücken zu können, als es die TV-Übertragungen ermöglichen und dies statt mit Pudelmütze, Schal und Boots hier lässig im T-Shirt erleben zu können. Das Schießen mit den Infrarot-Biathlongewehren auf die bekannten Biathlonscheiben erzeugt das typische Biathlon-Feeling, kann hier jedoch ohne jede Gefahr erlebt werden, weil statt mit Munition sozusagen mit Licht geschossen wird.

Kooperation mit Emmerichs Stadtmarketing

Die Zusammenarbeit mit dem Emmericher Stadtmarketing ist schon eingespielt. Wie im Vorjahr erhalten wir für die Biathlonarena den zentralen Alten Markt unmittelbar an der Fußgängerzone, Steinstraße. Bungee-Running, Grill und eine Tombola stehen uns zur Seite, um die Aufenthaltsqualität weiter zu erhöhen. Das Konzept geht auf. Zwischen 13 und 17 Uhr geht es hier lebhaft zu und wir stellen uns vor, wie schön diese Biathlonetappe erst wäre, wenn die Emmericher Sportvereine, Unternehmer und Stammtische zur Emmericher Biathlonstaffelmeisterschaft antreten würden. Aber vielleicht ist das ja die passende Herausforderung für 2018?

Der Kampf um den Etappensieg

Gleich der erste Dreikampf am frühen Sonntagmittag gibt die Richtung vor. Dem Duisburger Mechatroniker Thomas Klosek (auf den Bildern jeweils links) gelingt gleich ein fehlerloses Schießen. Im Rennen mit seiner Frau Bettina und Werner Stobbe schafft der zweifache Vater 3:17 Minuten für sein 400 m-Rennen auf dem Thoraxtrainer und die folgenden 5 Schüsse Stehendschießen. Zunächst setzt er sich damit an die Etappenspitze, doch am Tagesende belegt er damit Platz 5.

Die treffsicheren Dahmen aus Rees

Nicht einmal eine Stunde hält sich Thomas Klosek an der Etappenspitze, dann kommt der 39-jährige Tischtenniscrack Marcel Dahmen aus Rees (im Bild links am Gewehr) und drückt die Bestzeit mit fehlerfreiem Schießen erstmals unter die 3-Minutenmarke. Mit 2:59 Minuten leistet er Maßarbeit. Sein Kontrahent, Mario Maltzahhn (im Bild rechts am Gewehr) ist zwar 21 Sekunden schneller, doch ihm unterläuft ein Fehlschuss und der ist hier in Emmerich einer zuviel, um ganz nach vorne zu kommen. Doch von Mario wird noch zu berichten sein.

Marcels Sohn Matthias hingegen hätte die minimale Unterstützung durch Hartmut Wächter wohl gar nicht gebraucht. Der 12-jährige Fußballer des FC Bienen erweist sich als echtes Sporttalent und bringt wie der Vater alle 5 Schüsse ins Ziel. Die Familie Dahmen hat damit ihre Jagdprüfung erfolgreich bestanden.

Die treffsichere Dame aus Emmerich

Da drückt der 7-jährige Levin (ganz rechts im hellblauen T-Shirt) seiner Mama Iris fest die Daumen. 2 Skierlebnisse für Deutschlands größte Skihalle in Neuss gibt’s heute für die beste Wettkämpferin des Tages, doch dafür wird die 45-jährige Floristin wohl 5 Treffer schaffen müssen. Am Biathlongewehr wird schnell deutlich, dass sie nicht ganz ungeübt an diese Aufgabe herangeht. Obwohl mächtig ausser Atem vom 400 m-Lauf auf dem kräftezehrenden Skilanglaufergometer, Thoraxtrainer, bringt sie Körper und Geist rasch zur Ruhe, findet ihren Schießrhythmus und darf, gemeinsam mit den Schaulustigen, über das erste „weibliche“ fehlerlose Schießen jubeln. Zum Gewinn der beiden Skierlebnisse reicht es dann am Tagesende tatsächlich für Iris Giesen, die uns verrät, dass sie beim hiesigen Schützenverein St. Sebastianus eine gute Ausbildung genossen hat.

Die verwegene Taktik des Richters

Der 17-jährige Abiturient des Emmericher Willibrord-Gymnasiums, Lukas-Nils Richter, schaut sich die Wettkämpfe an der Biathlonarena einige Zeit lang an, um dann selbst einen Versuch zu starten. Auf dem Thoraxtrainer wirkt der Basketballer der Emmerich Baskets etwas zurückhaltend. Das ändert sich mit dem Moment, an dem er den Skilanglaufergometer verlässt. Im Laufschritt sprintet er zum Biathlongewehr und statt einiger tiefer Atemzüge der Erholung schießt Lukas-Nils sofort los…und trifft. Die Pause zwischen den Schüssen liegt nicht mal bei 2 Sekunden und nach 9 Sekunden, man traut seinen Augen kaum, stehen 5 Treffer auf seinem Konto. In der Kombination aus Langlaufen und Schießen ist er nun klar der beste des bisherigen Tages und schafft 2:26 Minuten. Damit zeigt der Schüler des Sport-LK’s eindrucksvoll, wie viel Zeitersparnis rund um das Schießen möglich ist. Doch eine derart kompromisslose Zeitökonomie birgt natürlich ein hohes Fehlschuss-Risiko. Für den Moment hat er alles richtig gemacht und führt die Etappe an.

Athelten fühlen sich herausgefordert

Ob der inspirierende Wettkampf von Lukas-Nils Richter  als Herausforderung dient? Jedenfalls sind nun auch vermehrt Athleten unter den Wettkämpfern. Die Zuschauer freut’s. Unter den 3 Wettkämpfern ist der Kölner Handballer und Kickboxer Stephan Gerhards (rotes T-Shirt) und der 19-jährige Rettungsschwimmer Sven van Ophuysen aus Emmerich (hellblaues T-Shirt). Der junge Schwimmer begeistert mit dem bisher schnellsten 400 m-Langlauf in 80 Sekunden. Damit ist er 50 Sekunden schneller auf dem Thoraxtrainer, als der Etappenführende Lukas-Nils Richter. Und der ehrgeizige Rettungsschwimmer, der zudem als Bademeister arbeitet, ist auch ein guter Schütze. Doch ein kleiner Konzentrationsfehler bringt ihm mit 4 Treffern und 2:01 Minuten „nur“ den besten Platz hinter den Wettkämpfern mit fehlerlosem Schießen.

Stephan Gerhards hingegen liefert Maßarbeit ab. Der 24-jährige Student der Erneuerbaren Energien, der heute hier in Emmerich beruflich als Brand-Ambassador für adidas unterwegs ist, lässt sich mit seinen 5 Schüssen etwas mehr Zeit als Sven und vor allem auch als Lukas-Nils, doch sein Timing ist bestens: 2:25 Minuten und 5 Treffer reichen so gerade für die Etappenführung.

„Darf ich nochmal“

„Darf ich nochmal“ fragt der sympathische Lukas-Nils Richter, nachdem ihm Stephan Gerhards um eine Sekunde die Etappenführung entriss. Na klar, wir bitten darum! Sportler, wie ihn und Mario Maltzahn, den Kartfahrer (mit weissen Trikot und Kappe) wünschen wir uns. Die Etappe hat nun richtig Fahrt aufgenommen. Mario und Lukas-Nils gehen gemeinsam mit Karl Schott in den nächsten Wettkampf. Während Mario weiss, dass er die Zeit von 2:25 Minuten unterbieten kann, ihm jedoch bisher kein fehlerloses Schießen gelang, gilt es für Lukas-Nils mehr Tempo auf dem Thoraxtrainer zu entwickeln. Beim ersten Startversuch geht ihm noch der Stock verloren, aber nach dem 2. Start wird schnell deutlich, dass der 17-Jährige noch Reserven auf dem Thoraxtrainer freisetzen kann. Das Tempo von Mario Maltzahn kann Lukas-Nils freilich nicht mitgehen und so erreicht der ehrgeizige Motorsportler, der am Folgetag mit seinem Kart auf der Bahn in Weeze an einer Wettkampfserie teilnimmt, als erster das Biathlongewehr. Die schwierigen ersten 2 Schüsse macht er zu Treffern und als der junge Basketballer im Sprint das Biathlongewehr erreicht setzt Mario Treffer Nr. 3. Es beginnen unglaubliche letzte Sekunden. Lukas-Nils setzt erneut zum Blitzschießen an, 1. Treffer, 2. Treffer. 4. Treffer Mario, 3. Treffer Lukas-Nils. Doch Mario lässt sich nicht beirren, schafft sein fehlerloses Schießen und gewinnt mit 2:11 Minuten hauchdünn vor dem erneut fehlerlos schießenden Lukas-Nils, der 2:13 Minuten erreicht. Wer das erste Schießen des jungen Basketballers noch für Glücksache hielt, muss nun um so tiefer den Hut vor ihm ziehen. Doch was hilft es ihm, er bleibt Zweiter, nun hinter Mario Maltzahn. Das letzte Wort war aber auch hiermit noch nicht gesprochen.

Kids-Duelle und Mini-WM

Zwischen dem Kampf um den Etappensieg bleibt immer wieder auch Zeit für so manches Kids-Duell. Der junge Fußballer Jason Elting (im Bild oben links) wird dabei zum Publikumsliebling und zähmt den Thoraxtrainer schließlich nach hartem Kampf doch noch, nachdem er zuvor jedes Angebot abwies, die Streckenlänge für ihn etwas zu verkürzen.

Robert gewann das ungarische Duell gegen Kumpel Norbert (im BIld oben rechts), während Carlos (im Bild unten links im oliven T-Shirt) den kurdischen Dreikampf gegen Ferhat und Haki für sich entschied. Vor und nach den Wettkämpfen nutzen an diesem Tag rund 300 – 400 Neugierige die Gelegenheit, Ihre eigene Treffsicherheit an den Biathlongewehren zu testen. Und ganz am Ende dieses Biathlontages gibt es dann noch ein ultimatives Finish, denn die 5 Schnellsten dieser Etappe finden sich nochmal an der Biathlonarena zusammen und jeder von ihnen möchte als Sieger von Emmerich zum Tourfinale auf Schalke am 28.12.

Das Finish um den Etappensieg

Der Führende, Mario Maltzahn (oben links), der Zweitplatzierte, Lukas-Nils Richter (oben Mitte) und der schnellste des Tages, Sven van Ophuysen (oben rechts) messen sich im direkten Dreikampf kurz vor Etappenschluss. Dabei enteilt Rettungsschwimmer Sven den beiden Führenden „in der Loipe“. Er macht das mit einer Vehemenz und Motivation, die rasch die Frage aufwerfen, ob er das über 400 m durchhalten kann? Mit großem Kraft- und Willenseinsatz schaft er die 400 m in 74 Sekunden und reiht sich damit in die Riege der 5 Besten von mittlerweile rund 4000 Wettkämpfern der Tour ein. Die beiden Führenden können nur auf einen Fehlschuss des jungen Bademeisters hoffen und der kommt tatsächlich. Mit 4 Treffern und 1:55 Minuten wird Sven eindrucksvoll der Schnellste dieser Etappe und ist doch auch der Pechvogel, denn für den Sieg fehlt ihm zum wiederholten Male nur ein einziger Treffer. Der Dreikampf wird zum Duell und da scheint Mario Maltzahn die Nase vorne zu haben. Der Etappenführende ist schneller in der Loipe als Lukas-Nils Richter. Doch aufgepasst, der Abiturient ist viel näher dran, als beim Duell der beiden zuvor, das der 17-Jährige am Ende mit 2 Sekunden Rückstand verlor. Ob Mario das beunruhigt, wissen wir nicht, doch er beginnt sein Schießen mit einem Fehlschuss und wird sich nicht verbessern können. Für den gerade zum Biathlongewehr gesprinteten Lukas-Nils wird es nun ein Kampf gegen die Uhr, die bei 1:58 Minuten steht. Und in den nächsten Sekunden erleben wir nun zum dritten Mal die „Richter-Show“ und erneut räumt der Magier am Biathlongewehr in Sprintmanier alles ab, trifft mit dem 5. Schuss und dreht jubelnd ab. Hat es tatsächlich gereicht? 2:09 Minuten zeigt die Uhr und krönt den jungen Basketballer zum besten Emmericher Biathleten. Stephan Gerhards hätte im  darauffolgenden Duell mit Benedikt Herrmann fast noch gekontert, doch bei 2:04 Minuten und 4 Treffern unterläuft ihm der Fehler mit dem letzten Schuss. Lukas-Nils Richter ist der Gewinner der beiden Premiumkarten für den Biathlon auf Schalke am 28.12. und wird am gleichen Tag auch selbst im Tourfinale gegen die Etappensieger der anderen Städte antreten und um den Tour-Sieg kämpfen.

Unser Dank gilt allen Wettkämpfern und interessierten Zuschauern, sowie dem Wirtschaftsförderer Emmerichs, Sascha Terörde und seinem Team des Stadtmarketings um Jutta Conrad-Hering für die Möglichkeit, während des gut besuchten Stadtfestes die Emmericher für unser Mitmachevent zu gewinnen.

Bilder: Harry Pien   Text: Martin Bremer

O-Töne:

Ihr seit sehr nett zu meiner 13 Jährigen Tochter gewesen, aber für einen Pokal hat es leider nicht gereicht. Macht so weiter, ich freue mich auf das nächste Mal wenn ihr wieder in Emmerich seit. Christoph Timmermann

Dankeschön für den tollen Tag gestern und ich werde aufjedenfall vorm 28.12 nochmal wiederkommen. Sven van Ophuysen