Nachbericht zur 20. Etappe 2017 in Dinslaken

Biathlon unter Zelten

Mit Herzklopfen kommen wir zurück in jene Stadt, die uns im vergangenen Jahr die bisher stimmungsvollste aller Biathlon auf Schalke-Touretappen bescherte. Hier in Dinslaken, wo das Ruhrgebiet in den Niederrhein übergeht, war die Tour Ende August 2016 auf dem großen Stadtfest, den DIN-Tagen in einer proppevollen Stadt bei schönstem Sommerwetter auf dem Neutorplatz zu Gast.

Heute lädt unser Gastgeber, die DIN Event GmbH, auf dem Altmarkt zum Altstadtsommer, doch der Sommer lässt sich gar nicht blicken und die meisten Dinslakener tun es ihm  gleich. An diesem weitgehend verregneten Tag bauen wir die mobile Biathlonarena also unter Zelten auf und lassen uns die Hoffnung nicht nehmen, sondern denken an die beiden verregneten Etappen diesen Jahres in Dülmen und Bocholt, die beide trotzdem zu tollen Festen wurden.

Hier auf dem Altmarkt, unweit der mittelalterlichen Burganlage, deren Burghofbühne auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, hat das Team der DIN Event GmbH Bier- und Grillstände aufgebaut. Optimistisch klingt Musik aus den Boxen. Doch die umliegenden Restaurants und Cafes teilen den Optimismus nicht, die Stühle und Tische der Außengastronomie bleiben eingeklappt. Mit lauter Moderation versuchen wir, die Dinslakener neugierig zu machen. Ganz erfolglos ist das nicht. Erste Neugierige testen die Biathlongewehre und ihre Treffsicherheit. Bald kommt es auch zu ersten Wettkämpfen.

Die Geschichte eines Pechvogels

Ähnlich, wie die Regenwolken heute der Sonne den Wege verstellen, könnte der Friemersheimer Sascha von Gersum (im Bild oben in der Mitte) „seine“ Biathlon-Tour 2017 bisher wahrnehmen. Der 39-jährige Lagerist und zuvor Zeitsoldat mit Auslandseinsätzen besuchte in diesem Jahr bereits 4 Etappen und infizierte sich bereits im Februar in Xanten mit dem Tourvirus. Schon dort zeigte er seine Qualitäten beim Schießen und belegte mit 5 Treffern den 6. Platz. Auf dem Thoraxtrainer fehlte dem früher aktiven Fußballer etwas die Ausdauer, doch Sascha kündigte an, mehr zu trainieren und weiter um den Finalplatz auf Schalke kämpfen zu wollen. Seine „Nehmerqualitäten“ zeigte er auf der 4. Etappe in Monheim, wo ihm als Zweitem nur 6 Sekunden zum Sieg fehlten. Noch enger verlief sein Duell mit Julian Poster auf der Etappe in Rheinberg, als sich Sascha nach zweimaliger Etappenführung mit nur einer Sekunde geschlagen geben musste. Doch der sympathische Duisburger war seinerzeit nicht nur ein fairer Zweiter, der Julian Poster den Sieg von Herzen gönnen konnte, sondern auch ein Kämpfer, der keinen Zweifel daran ließ, seinen Etappensieg noch zu holen. Heute sehen wir Sascha wieder. Mit der S-Bahn sind es für ihn nur wenige Kilometer aus Friemersheim nach Dinslaken. Doch sein Tourpech scheint sich fortzusetzen. Schon beim Warm up auf dem Thoraxtrainer treten heftige Rückenschmerzen auf. Dennoch versucht sich Sascha im Wettkampf gegen Sebastian Spettmann (im Bild oben auf dem hinteren Thoraxtrainer) und Daniel Holtschneider.

Etwas ungelenk wirkt Sascha heute auf dem Thoraxtrainer, doch es ist erstaunlich, dass er den sportlichen Sebastian nur rund 8 Sekunden enteilen lässt und in 1:40 Minuten trotz der Rückenprobleme eine durchaus „Etappensieger-taugliche“ Laufleistung hinlegt. Doch auch heute in diesem Dreikampf sieht es eher wieder nach Platz 2 für Sascha aus, denn der Walsumer Vereinsschütze, Sebastian Spettmann, trifft sicher und nutzt seinen Vorsprung um stets einen Treffer voraus zu bleiben. Doch dann fällt die Entscheidung. Sebastian leistet sich einen Fehlschuss, während Sascha seine Qualität am Biathlongewehr konzentriert ausspielt und in 2:16 Minuten mit 5:4 Treffern die Oberhand behält. Zunächst setzt er sich an die Etappenspitze, doch der Tag ist noch lang.

Die Staffelmeisterschaft wird zum Duell

Gerade die tolle Staffelmeisterschaft des Vorjahres schürt Vorfreude, die heute jedoch enttäuscht wird, weil schließlich nur 2 der 8 angemeldeten Staffeln zum Wettkampf antreten.

Doch die Teams der Familie Thiele und der Fitnessboxer des OSC Averbruch lassen sich ihre gute Laune und Motivation nicht nehmen und liefern sich ein tolles Duell um den Siegerpokal der DIN Event GmbH.

Fitnessboxer Axel Pawlik ist mit seinen kraftvollen Stockschüben ein ganz Schneller auf dem Thoraxtrainer. Das zeigte er bereits im vergangenen Jahr und auch heute fährt er der Familienmutter, Sabine Thiele zunächst auf und davon. Doch mit 3 Fehlschüssen und der entsprechenden 45-sekündigen Zwangspause gibt Axel seiner Kontrahentin die Chance, wieder heranzukommen. Sabine kann diese Einladung nicht nutzen. Sie ist so sehr außer Atem, dass sie ihre fehlerlosen Schießergebnisse aus dem Übungsschießen nicht wiederholen kann und sich nun im Wettkampf ebenfalls mit 2 Treffern zufrieden geben muss.Axels Zeit von 2:15 Minuten hätte sogar zur Etappenführung gereicht. Jetzt muss der Boxer nur noch das Treffen lernen…

Schwierige Aufgabe nun für das Geburtstagskind des Tages, Elias Thiele, der rund 300 m auf Fitnessboxerin Julia Walczak aufzuholen hat. Elias ist Biathlonfan. Da kommt eine Biathlonstaffelmeisterschaft in seiner Heimatstadt am Geburtstag natürlich genau recht. Wie gerne würde seine Familie ihm den Sieg schenken. Doch jetzt muss er zunächst einmal Aufholarbeit leisten und die ist gar nicht so einfach, denn Julia Walczak erweist sich als starke Läuferin, die mit 3 Treffern auch etwas besser zielt, als zuvor Axel.

Doch Elias, der im Verein Tennis spielt, ist bei seiner Biathlonpremiere nicht nur ausdauerstark, sondern auch hochkonzentriert. 4 Treffer in 2:41 Minuten bringen ihm Platz 4 in der Einzelwertung und zugleich verkürzt er den Rückstand der Thieles auf den OSC Averbruck um rund 100 Meter und schickt seinen jüngeren Bruder, Fabian, mit 200 Metern Rückstand auf Katharina Winkler ins Rennen.

Der 12-jährige Judoka ist hier natürlich der Sieger der Herzen. Die Stöcke überragen den Jüngsten des Tages ein gutes Stück, doch Fabian findet auf dem Thoraxtrainer seine ideale Technik und hält die Kraftanstrengung ausgezeichnet durch. Als er dann, freihändig am 4 kg schweren Biathlongewehr die ersten beiden Schüsse zu Treffern verwandelt, kommt Begeisterung bei den Zuschauern auf. Leider kann der Youngster die folgenden 3 Schüsse nicht ins Ziel bringen, während Katharina zur besten Schützin der Fitnessboxer wird und 4 Treffer erzielt. Nun sind es wieder  300 m Vorsprung, die Martin Pfenning für den OSC Averbruch gegen Marius Thiele mit in die letzte Runde nimmt.

Dass es trotzdem noch einmal spannend wird, liegt zum einen an den Kämpferqualitäten des ältesten der Thiele-Brüder. Marius (im Bild oben im blauen Pulli), der an der Duisburger Fachhochschule für öffentliche Verwaltung studiert, gibt sich noch nicht geschlagen und hetzt in gutem Tempo hinter Fitnessboxer Martin Pfenning (im Bild oben im weissen T-Shirt) her. Letzterer muss eigentlich nur noch solide Schießen, um den Sieg des OSC Averbruchs zu sichern, doch er beginnt mit 3 Fehlschüssen und plötzlich zieht Spannung ein in diese finalen Sekunden. 100 Meter hat Marius noch zu laufen, während sich für den OSC bereits 45 Strafsekunden angehäuft haben. Doch Martin Pfenning erweist sich in diesem Moment als nervenstark und lässt 2 Treffer folgen. Schafft Marius noch das fast Unmögliche? 45 Sekunden verbleiben ihm. In 25 Sekunden kämpft er sich über seine letzten 100 Meter. 20 Sekunden verbleiben. Jetzt müsste er blitzschnell schießen und dabei fehlerlos bleiben. Der Student riskiert es und schießt ohne Atempause. Das geht nicht gut. Der erste Fehlschuss sorgt für Gewissheit: Der OSC Averbruch gewinnt das Duell um die Biathlonstaffelmeisterschaft und den Biathlonstaffel-Pokal. Marius schafft noch 2 Treffer und hat mit seiner Familie den Boxsportlern einen packenden Kampf geliefert. 4 Freikarten für die Skihalle Neuss verlängern das sommerliche Wintersportfeeling der Familie Thiele um einen weiteren Erlebnistag.

Die Staffelmeister: Der OSC Averbruck mit v.l.n.r.: Katharina Winkler, Axel Pawlik, Martin Pfenning und Julia Walczak.

Und noch einer „boxt sich durch“

Nicht nur die Boxer strahlen, auch Sascha von Gersum hat sich heute, trotz Rückenbeschwerden, „durchgeboxt“. Nach 2 zweiten Plätzen ist er in Dinslaken der einzige Wettkämpfer mit einem fehlerlosen Schießen und zieht mit 2:16 Minuten ins Tourfinale ein. Wir freuen uns auf das Wiedersehen mit dem Fohlenfan am 28.12. auf Schalke.

Unser herzlicher Dank gilt allen Wettkämpfern sowie dem hilfsbereiten Tourbetreuer Tolger Arnold, der als zweimaliger Finalist heute in Dinslaken die Teilnehmer trainierte. Und natürlich gilt der Dank dem großen Team der DIN Event GmbH, mit dem die Zusammenarbeit einfach richtig Freude macht.

Bilder: Daniel Holtschneider     Text: Martin Bremer

Nachbericht der NRZ

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