Nachbericht zur 18. Etappe 2017 in Meinerzhagen

Das Volmetal feiert auf 21 Kilometern

Hätten Bundesstraßen Gesichter, dann wäre jenes der B54 am Sonntag im Volmetal zwischen den Städten Meinerzhagen, Kierspe, Halver und der Gemeinde Schalksmühle ein Strahlendes gewesen. Da nämlich feierte der Märkische Kreis mit tausenden Einheimischen hier oben an der Volme und manchen Gästen auf 21 Kilometern das Autofreie Volmetal. Die B54 wird dabei zur „Promenade“ der Läufer, Radfahrer, Inliner oder Wanderer. In Meinerzhagen und Schalksmühle, sozusagen der Berg- und Talstation der wohl längsten Partymeile des Sauerlands erwartet die aktiven Klübchen, Familien und Freunde heitere Volksfeststimmung. In Meinerzhagen begrüßt die Biathlon auf Schalke-Tour die Bundesstraßenpilger und bringt etwas Sport- und Wettkampfatmosphäre in diesen Aktivtag. Drei zusätzliche Biathlonübungsschießstände an der B54 bei Kierspe, Halver und Schalksmühle erzeugen bei so manchem Aktiven auf den 21 Kilometern echte Biathlonstimmung und sind für andere die willkommene Gelegenheit zur kleinen Rast. Erfreulich viele lassen sich von unserem Gewinnspiel inspirieren, holen sich an allen Schießständen die Punkte für ein fehlerloses Schießen und erhalten an der Biathlonarena in Meinerzhagen nach ihrem kleinen Biathlonwettkampf ein Tour-T-Shirt als Anerkennung.

Biathlon als Mitmachevent für alle

Der Geschäftsführer des Stadtmarketings Meinerzhagen, Bernd Martin Leonidas, hatte die Biathlon auf Schalke-Tour im Vorjahr im Lüdenscheider Stern-Center entdeckt, wo sich nun schon im dritten Jahr eine erfolgreiche Indoor-Touretappe etablieren konnte. Für ihn stand gleich fest, dass er dieses Event auch nach Meinerzhagen holen möchte. Wenig später war in Kooperation mit der Regionalentwicklung Oben an der Volme e.V. die Idee geboren, mit dem Jedermann-Biathlonevent den Tag des Autofreien Volmetals weiter aufzuwerten. Im Rahmen des Leader-Projektes „Freizeit- und Naherholungsmanager für die Region Oben an der Volme“ wird es als Auftaktveranstaltung sogar von der EU gefördert.

Familien & Freunde im Biathlonwettkampf

Von 11 -18 Uhr bietet die Biathlon-Tour nicht nur das Kennenlernen und Schießen mit den Infrarot-Biathlongewehren an, sondern durchgehend auch tatsächliche Biathlonwettkämpfe in 2 oder 3 Loipen. Wobei die gespurten Loipen durch Thoraxtrainer ersetzt werden. Das sind in Skandinavien entwickelte Skilanglaufsimulatoren, die den Bewegungsablauf der klassischen Doppelstocktechnik authentisch nachahmen. Wie bei fast allen Etappen, so ist auch hier die Neugier an diesen innovativen Fitnesstrainern groß. 400 m legen die Wettkämpfer zurück. Das entspricht einer Laufzeit von ungefähr 2 Minuten. Dann folgt das Stehendschießen mit 5 Schüssen aus 10 Metern Entfernung auf 50 mm-Ziele. Neben dem Spaß an einer neuen Herausforderung geht es für die Ehrgeizigen auch um den Etappensieg. Der beste Wettkämpfer des Tages wird zusammen mit seiner Begleitung Ehrengast der VELTINS-Arena sein, wenn am 28.12. die Weltelite beim Biathlon auf Schalke an den Start gehen wird. Meinerzhagens Etappensieger wird dort dann auch selbst als Tourfinalist in den Wettkampf ziehen. Rund 350 Schnupperschützen und 62 Wettkämpfer/innen nehmen in Meinerzhagen die Herausforderung an. Es gibt Vater-/Sohnduelle, wie jenes im oberen Bild zwischen Oliver und Sohn Johannes Schmidt oder Wettkämpfe unter Freunden, wie den Dreikampf des RAAM-Teams, zwischen Julian Becker, Markus Gärtner und Sven Dunker. Die 3 trainieren schon für das legendäre Ultraradrennen Race Across America, an dem sie 2018 teilnehmen möchten. Julian Becker (im gelben Trikot im Bildvordergrund) beweist mit 1:51 Minuten seine Kraft und Fitness zweifellos, doch beim Schießen tun sich alle drei nicht leicht. Gemeinsam treffen die 3 Ultrasportler einmal weniger, als die angehende Polizistin und Kickboxerin, Emilia Murano (im oberen Bild unten rechts im schwarzen Dress) mit ihren 5 Schüssen. Die junge Lüdenscheiderin schafft im Duell mit ihrer Mutter als erste das fehlerlose Schießen und benötigt nur gerade 2:42 Minuten für ihren Wettkampf. Das ist die drittbeste Leistung einer Wettkämpferin in den bisher 18 Etappen der Tour 2017. Nur „Tour-Überfliegerin“ Jana Harmeling und Sandra Blömeke waren bisher in 2:10 und 2:22 Minuten noch schneller.

10 Wettkämpfer schießen fehlerlos

10 Wettkämpfer mit 5 Treffern nach der 400 m-Strecke auf dem Thoraxtrainer, das ist schon ein sportliches Resultat für diese Etappe. Zugleich schaffen weitere 23 Wettkämpfer 4 Treffer, so dass mehr als die Hälfte der Wettkämpfer mit 4 oder 5 Treffern finishen. Es ist ein aussergewöhnlich gutes sportliches Ergebnis der Wettkämpfer, die längst nicht nur aus Meinerzhagen kommen. Viele Lüdenscheider sind vertreten, auch Schalksmühle und vor allem Halver werden häufig genannt. Im oben abgebildeten Wettkampf schaffen gleich zwei Starter das fehlerlose Schießen. Vater Sergej Tschinse aus Meinerzhagen startet mit Sohn Tim (auf dem mittleren Thoraxtrainer). Der 12-jährige David Lüttel nutzt die Gelegenheit und geht auf dem 3. Startplatz ins Rennen. Sergej bewältigt mit seiner Kraft die 400 m auf dem Thoraxtrainer erwartungsgemäß etwas schneller, als die beiden Youngster. Am Biathlongewehr gelingt dem 38-jährigen KFZ-Meister ein Trefferbild, wie es unter Belastung nur sehr wenigen gelingt. Für seine 5 Treffer hätte Sergej gar keine 50 mm-Ziele benötigt, denn die Schüsse liegen alle mittig im Ziel in einem 30 mm-Durchmesser. Mit diesem Schießen hätte er auch unter originalen Biathlonbedingungen gut ausgesehen. Mit seiner Zeit von 3:16 Minuten kommt er jedoch an der führenden Kickboxerin, Emilia Murano nicht vorbei und wird am Ende 8. dieser Etappe. Für eine Überraschung sorgt einige Sekunden später David Lüttel (im rot-braunen T-Shirt). Der junge Kletterer unterscheidet sich in seiner ganzen Art von vielen Altersgenossen. Er wirkt konzentriert und fokussiert, weder überdreht noch abwesend, wie es leider häufig bei Gleichaltrigen zu beobachten ist. Davids fehlerloses Schießen ist dennoch erstaunlich, denn der 12-Jährige schafft dies gleich bei seinem ersten Versuch und hat keinerlei Schützenerfahrung. Wieder eines jener Bewegungstalente, das hoffentlich erkannt und gefördert wird.

Gleich das nächste Sporttalent

15 Jahre jung ist Florian Zapp aus Schalksmühle. Der sportliche Realschüler, Rettungsschwimmer und Dauergast im Fitnessstudio fordert den Opa heraus. Georg Hofemann ist aus dem ostwestfälischen Löhne zu Gast im Märkischen Kreis. Dem drahtigen Rentner und begeisterten Skilangläufer kann  dieser Bewegungstag im Volmetal nichts anhaben. Vom Fahrrad geht es sogleich auf den Thoraxtrainer und die beiden liefern sich ein starkes Generationenduell. Florian holt auf dem Thoraxtrainer rund 50 m Vorsprung heraus, doch zumeist patzen die Jungs in seinem Alter beim Schießen. Doch Florian macht es perfekt, leistet sich keinen Fehlschuss und lässt den Opa, der 3 Treffer erzielt, nicht mehr herankommen. Florian, der Mechatroniker werden möchte, ist mit 2:40 Minuten sogar 2 Sekunden schneller als die Führende, Emilia Murano.

Darauf wartet die Tour seit 59 Etappen

Bei einem Blick auf die Schnellsten jener 59 Biathlon-Touretappen, die seit nunmehr 19 Monaten auf Thoraxtrainern durchgeführt werden, bleibt man natürlich am diesjährigen Tourbesten, dem Triathleten, Manuel Steffen, hängen, der die Märzetappe in Dülmen in 1:45 Minuten gewann, aber auch an Vorwochensieger, Lukas de Ruiter (1:47 Minuten) und Andreas Terwey, der 2016 und auch 2017 Zeiten unter 1:50 Minuten schaffte. Den Tourrekord 2016 erreichte Marvin Nett mit 1:47 Minuten. Toursieger Andreas Braun legte sogar 1:44 Minuten hin, aber mit einem Fehlschuss. Was heute nun der angehende Polizist und Kampfsportler, Nicolas Dornseifer, vollbringt, ist bisher beispiellos. Mit beeindruckender Kraft und Dynamik bringt der 24-Jährige Olper den Thoraxtrainer zum Beben und schafft die 400 m in 74 Sekunden. Beinahe ohne jede Verschnaufpause schnappt sich der Sieger der 12. Etappe in Olpe das Biathlongewehr und lässt in nur 19 Sekunden seine 5 Schüsse folgen. Beim Blick auf die Uhr traut man seinen Augen kaum: 1:33 Minuten. Dass mal einer kommen wird und die 1:40er-Marke knacken würde, damit haben wir ja gerechnet, aber gleich 1:33 Minuten…? Eine nicht unwesentliche Herausforderung hat sich Nicolas jedoch für das Tourfinale am 28.12. auf Schalke aufgehoben: Sein Fabelrekord steht mit einem Fehlschuss in der Tourrangliste und Toursieger wird man wohl nur mit einem fehlerlosen Schießen. Ein winziger Moment und wenige Millimeter entscheiden über Sieg und Niederlage. Auch darin liegt die Faszination des Biathlons.

Der Tennisspieler aus Oeckinghausen

Und noch etwas macht den Reiz der Biathlon auf Schalke-Tour aus: Die 18 Etappensieger dieses Jahres liegen mit ihrem Alter bereits wieder zwischen 14 Jahren (Jana Harmeling) und 50 Jahren (Arno Schmitt). Man muss nicht im besten Leistungssportalter sein, um das Finale auf Schalke zu erreichen. Das beweist in Meinerzhagen auch Heiko Haarmann (auf dem mittleren Thoraxtrainer) aus Halver. Der 46-jährige aktive Tennisspieler, der für TuS Oeckinghausen in der Bezirksklasse zum Schläger greift und auch dem Vereinsfußball bis heute treu geblieben ist, kommt  in der Thoraxtrainer-Loipe ausgezeichnet zurecht. Im Wettkampf mit dem ebenfalls schnellen Denis Jacobs (rechts) und Udo Kritschker (links), der bei rund 30 °C die gepolsterte Weste nicht ablegt, gewinnt Heiko durch sein fehlerloses Schießen. Der Skifan unterbietet mit 2:29 Minuten die Leistung des 15-jährigen Florian um 11 Sekunden. Doch für den Etappensieg reicht es nicht ganz, Heiko wird am Ende Zweiter dieser Etappe.

Der Entenjäger wird bester Skijäger

Die beiden sympathischen Kumpel, Olik (im grauen T-Shirt) und Waleri (im gelben T-Shirt) schauen sich das Treiben an der Biathlonarena zunächst mal aus dem Hintergrund an. Aber die Biathlongewehre mal auszuprobieren ist für die beiden doch eine Option. Waleri Enns erzählt, dass er in seiner kasachischen Heimat gerne Enten jagt. Sport  macht Waleri aber schon 15 Jahre lang nicht mehr, seit er im Alter von 27 Jahren einen Bandscheibenvorfall erlitt. Oder vielleicht doch mal ein Duell wagen? Die kräftige Statur ist auf dem Thoraxtrainer ja durchaus von Vorteil. OK, also Kumpelduell zweier Entenjäger. Und die beiden machen es sehr gut. Werkzeugmechaniker Waleri nimmt Olik einige Meter auf der Strecke ab. Am Ende sind es rund 50 Meter. Und am Biathlongewehr macht er schnell deutlich, dass Enten in seiner Nähe nichts zu lachen haben. Jedenfalls lässt er Olik, der in 2:16 Minuten mit 4 Treffern ein starkes Ergebnis erzielt, keine Chance, nochmal heranzukommen. Nach 2:06 Minuten bringt Waleri auch den 5 Schuss sicher ins Ziel und erreicht die neuntbeste Leistung der bisher 1100 Wettkämpfer der Tour 2017. Hier in seiner Heimatstadt reicht es für Waleri zum Etappensieg. Am 28.12. ist er Meinerzhagens Mann im Tourfinale auf Schalke, zu dem er mit seinem 15-jährigen Sohn kommen wird. Wir freuen uns auf die beiden Enns und sind gespannt, ob der Entenjäger auch König der Skijäger werden kann?

Herzlichen Glückwunsch unserem Tour-Stammgast

Auf der 1. Etappe 2017 holte er sich die Finalteilnahme auf Schalke und kam danach mit seiner Frau Silvia und Tochter Jana die Tour bei weiteren 10 Etappen besuchen. Die Rede ist von Dirk Harmeling, dem Knappenfan aus Borken-Gemen, der seit einigen Wochen nun auch das Laufen für sich entdeckt. In Meinerzhagen knackt er die 2:00-Minutenmarke und erreicht mit 1:54 Minuten und 5 Treffern die sechstbeste Tourleistung dieses Jahres. Ähnlich, wie Nicolas Dornseifer, übt Dirk für das Tourfinale auf Schalke und startet bei den Etappen ausser Konkurrenz. Im Dreikampf mit Jana und Dirk Harmeling ist hier Stimmungskanone Jens Högger aus Halver (im grünen Trikot). Mit 2:21 Minuten und 4 Treffern legt der sportliche Familienvater eine starke Premiere hin. Wir hoffen, dass er uns am 13./14. Oktober bei der Etappe im Lüdenscheider Stern-Center wieder besuchen kommt und vielleicht dort die Tickets zum Tourfinale auf Schalke noch löst?

Ein Grund für die guten Leistungen?

Warum sind die Leistungen bei dieser Etappe so gut? Vielleicht liegt es auch daran, dass in Meinerzhagen einer der besten Sommerbiathlon-Vereine Deutschlands, der SC Rotenstein, seine Heimat hat. Mit Petra und Ralf Nies sind zwei vom SCR bei uns am Start. Ralf bemüht sich in seiner Freizeit auch um die Nachwuchsförderung und Petra war vor fast genau 10 Jahren sogar Deutsche Meisterin im Sprintbiathlon in Oberhof. Die zwei Schießfehler im Eheduell nimmt sie mit Humor und überlässt ihrem Mann gerne den Sieg, den er mit dem fünftbesten Tagesergebnis von 2:55 Minuten mit 5 Treffern erreicht. Für 2018 wünschen wir uns eine Kooperation mit den Rotensteiner Sommerbiathleten, wenn wir in Zusammenarbeit mit Bernd Martin Leonidas vom Meinerzhagener Stadtmarketing die 1. Biathlonstaffel Kreismeisterschaft realisieren möchten.

Der abschließende Dank

Mit der Ehrung des Etappensiegers, Waleri Enns endet dieser schöne Biathlontag. Unser Dank gilt allen motivierten Wettkämpfern und den zahlreichen gut gelaunten Schnupperschützen in Meinerzhagen, Kierspe, Halver und Schalksmühle. Herzlichen Dank auch an Regionalmanagerin Friederike Schriever, für die Aufnahme des Events in das Projekt „Freizeit- und Naherholungsbeauftragte/r“.  Ganz besonders bedanken wir uns bei dem Geschäftsführer des Meinerzhagener Stadtmarketings, Bernd Martin Leonidas, der sich vom ersten Meter an als Koordinator und Organisator für eine Etappe in Meinerzhagen stark gemacht hat und Verantwortung übernahm. Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen im kommenden Jahr!

Bilder: Daniel Holtschneider und Silvia Harmeling   Text: Martin Bremer