Nachbericht zur 10. Etappe 2017 in Rheinberg-Alpsray

Zu Himmelfahrt kehrt die Tour nach Alpsray zurück

Schützenfest und Sport, Bier und Biathlon, Wurst und Wettkampf, zu Himmelfahrt finden diese zwei Welten im niederrheinischen Alspray beim Fest der St. Nepomuk-Schützen zueinander und es entsteht daraus, nun schon im zweiten Jahr, eine höchst lebendige Biathlonparty.

Mit Engagement und Überzeugung verbinden die sympathischen St. Nepomuk-Schützen aus dem Rheinberger Ortsteil die Tradition mit der Gegenwart, gedenken so mancher Vorgänger-Generation in der 265-jährigen Geschichte des Vereins, der sich besonders in Krisenzeiten mit seinen Werten des „Für- und Miteinanders“ und der Heimatverbundenheit als fester Halt bewähren konnte. Doch die Herausforderung sieht das Team um Brudermeister Arnold Hendricks, Schützenkaiser Ulrich Beaujean oder Jungschützenleiter Julian Poster darin, den Stellenwert und die Lebendigkeit des Vereinslebens attraktiv zu erhalten in dieser Zeit des raschen Wertewandels.

Dem Schützenfest mit sportlichen Biathlonwettkämpfen eine echte Herausforderung an die Seite zu stellen, verbildlicht diesen Weg der steten Erneuerung. Und wenn die Festtage in den Schützenhochburgen überall so viel Stimmung, Mitmachlaune und Begeisterung entfachen, wie hier die Biathlonparty in Alpsray, dann sollten die Schützenvereine mit Optimismus in die Zukunft schauen können.

Die Etappe schreibt so manche Geschichte

Die Vatertagsgeschichte…

…bringen die neun radelnden Väter aus Kamp-Lintfort mit nach Alpsray. Hoffentlich gibt’s heute keinen Brand in der Nachbarstadt, denn die Freiwillige Feuerwehr ist beinahe vollzählig hier beim Biathlon in Alpsray. Laut und lustig sind sie, doch der Pegel passt an diesem Mittag noch für zielsicheres Schießen und beim Skilanglauf auf den Thoraxtrainern haben die Brandhelfer richtig Feuer. Ihr Schnellster, Bastian Aldenkott, schafft im internen Väter-Neunkampf in 2:28 Minuten „nur“ Platz 2, weil er sich bei 4 Treffern einen kleinen Schießfehler erlaubt. Am besten macht es Marvin Ribolas. Der 26-Jährige ist zwar in 3:18 Minuten deutlich langsamer als Bastian, schafft aber als einziger aus der Kamp-Lintfort-Truppe das fehlerlose Schießen. Bei der Siegerehrung sind es die Plätze 7 für Marvin und 11 für Bastian. Sicher wäre es da wieder laut geworden, doch die 9 sympathischen Gäste waren da schon längst weitergezogen und hoffentlich waren die Wege breit genug auf der Schleife zurück nach Kamp-Lintfort.

Himmelfahrt für Kids

Biathlon auf Schalke-Tour ist ab 12 Jahren. Doch was macht man, wenn gefühlt die halbe Dorfkompanie zwischen 8 und 11 Jahre alt und unglaublich bewegungsfreudig ist? Da Schalke bekannt für seine gute Jugendförderung ist, machen wir es genau so und nehmen den Kids-Wettbewerb mit 200 m Skilanglauf und 5 Schüssen mit Auflage spontan ins Programm auf. Die Youngster sind begeistert, fragen gleich nach ihrem Wettkampf, wann sie erneut an den Start gehen können. Viele starten zweimal, dreimal und am liebsten auch viermal, wenn nicht irgendwann die Älteren ihr Vorrecht zurückerobert hätten. 30 Kids sind mit ihren Ergebnissen in der Rangliste dabei, unter ihnen auch die 8-jährige Luca-Marie und der 11-jährige Fynn-Levin (oben im Bild), die mit Papa Andrè zusammen in den Biathlon-Dreikampf gehen. Wann haben die Jüngsten schon einmal so viel Publikum? Bei Luca-Marie oder dem ebenfalls 8-jährigen Fabian Sattler meint man, das laut und erwartungsfroh schlagende Herz mitzuhören. Die vielen roten Bäckchen bringen das aufregende Innenleben aber zweifellos zum Vorschein. Und sie machen es richtig gut. Fast alle verbessern sich im Laufe des Tages und die 10-jährigen Marleen Siebert und Yves Bauguitte, sowie Fabian Sattler schaffen sogar das fehlerlose Schießen mit 5 Treffern.  Perfekte Zusammenarbeit auch hier zwischen Tourteam und St. Nepomuk-Schützen. Das Tourteam erfindet spontan den Kids-Wettbewerb und die Gastgeber haben gleich die passenden Preise zur Hand: Eis-Gutscheine für Léon, Yves, Fabian und Marleen. Eine coole Idee an diesem warmen Sonnentag.

Der Shootingstar unter den Kids

Im vergangenen Jahr schoss Léon Ingenerf, damals als 10-Jähriger, noch aufliegend, traf jedoch nicht. Wir trösteten ihn seinerzeit damit, wenn wir nächstes Jahr wiederkämen würde es schon ganz anders aussehen. Wir sollten damit so sehr Recht behalten, wie wir es gar nicht erwarten konnten. Der 11-jährige Tischtennisfan ist der einzige im Kids-Wettbewerb, der Stehend ohne Auflage schießt. Doch kann das mit dem 4 kg schweren Gewehr funktionieren? Und wie es funktioniert! Léon schießt fehlerlos und wir reiben uns die Augen. Ein fehlerloses Schießen eines 11-Jährigen haben wir auf der Tour bisher nur 2015 bei der Etappe in Meschede erlebt, als der Fußballer, Alexander Nölke, sogar mit dem Etappensieg verblüffte.

Léon Ingenerf sucht in seinem 3. Wettkampf am heutigen Tag den Vergleich mit den Erwachsenen, kämpft sich durch die lange 400 m-Strecke auf dem Thoraxtrainer und wir sind gespannt, wie er sich nach dieser harten, sportlichen Belastung am Biathlongewehr schlägt. Erneut überrascht uns der Youngster. Lange ist er auf dem Weg zu einem fehlerlosen Schießen, bis der vorletzte Schuss sein Ziel verfehlt. Doch auch in dieser Situation zeigt Léon Qualität. Er sammelt sich nochmals sichtbar und trifft nach der Enttäuschung dann mit dem letzten Schuss wieder. Mit 4 Treffern in 3:55 Minuten schafft er unter den 56 Erwachsenen Wettkämpfern den 17. Platz. Wir ziehen den Hut vor dem Schützentalent!

Die Geschichte der Verbesserungen…

gibt es an diesem Tag gleich in vielen Facetten. Einige von ihnen prägen den Kampf um den Etappensieg und werden erst weiter unten verraten. Doch die Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr bei den „Wiederholungstätern“ vermitteln etwas von dem Sportsgeist, der hier an diesem Tag bei aller Feierlaune dennoch herrscht. Wir erleben das immer wieder auf den Etappen, dass Ausgelassenheit und Herausforderung zusammen eine spürbar andere Atmosphäre der Freude hervorbringen, als die typischen „Konsumfeste“.

Einer, der sich im Vergleich zum Vorjahr besonders verbessert, ist Aron Rösken (im hellblauen T-Shirt). Wie schwer tat sich der heute 13-Jährige im Vorjahr mit den 400 m Skilanglauf. 4:00 Minuten benötigte er für sein Duell. Heute macht er es um Welten besser. Mit 2:47 Minuten kann er bereits gut im Feld der Erwachsenen mithalten und die 3 Treffer nach Belastung sind auch aller Ehren wert. Es ist ein besonderer Reiz der wiederkehrenden Etappen, diese Entwicklung der Wettkämpfer miterleben zu dürfen.

Die Geschichte um den Etappensieg

Im vergangenen Jahr siegte mit dem Kamp-Lintforter Matthias Wörmann ein Gast. Sozusagen auf den letzten Metern der Etappe entriss der Bundeswehrsoldat dem über den ganzen Tag führenden Lokalmatador, Julian Poster, seinerzeit den Etappensieg mit einer Zeit von 2:09 Minuten. Julian schaffte 2:18 Minuten.

Heute ist es anders herum. Der Gast legt vor. Aus dem Duisburger Stadtteil Friemersheim kommt der autolose Lagerist, Sascha von Gersum, mit der Bahn nach Alpsray. 45 Minuten läuft er vom Bahnhof in Rheinberg bis zum Alpsrayer Festplatz, den Etappensieg fest im Visier, den er als Zweiter der Etappe in Monheim am Rhein vor wenigen Wochen so knapp verpasst hat. Aus Saschas Entschlossenheit entsteht der Paukenschlag. Der 39-jährige frühere Fußballer verbessert im Dreikampf mit Léon Doerenkamp und Daniel Holtschneider seine persönliche Tourbestleistung von 2:21 Minuten auf 2:10 Minuten. Da er nicht nur schnell, sondern auch makellos treffsicher seine 5 Schüsse ins Ziel bringt, setzt sich Sascha mit einer Leistung an die Etappenspitze, die bei 5 der bisherigen 9 Etappen 2017 zum Etappensieg geführt hätte. Doch…

Die Geschichte um den Etappensieg geht in den 2. Akt

Wer hier in Alpsray Etappensieger werden möchte, der muss freilich mit Julian Poster rechnen. Der 28-jährige Sportschütze und Biathlonfan wehrt allzu große Ambitionen zwar zunächst ab, aber vielleicht nur darum, um sich Luft zu verschaffen für einen Konter. In seinem Duell mit Niklas Foth wird aber gleich deutlich, dass der Kampf um den Etappensieg noch über einige Runden gehen könnte und er sicher dabei sein wird. In 2:02 Minuten erzielt Julian eine Spitzenzeit und nur ein kleiner Schießfehler trennt ihn nach diesem ersten Versuch von der Etappenführung.

Eine knappe Stunde gönnt sich Julian Erholungszeit, dann steht er zusammen mit dem Vorjahresfünften, dem erst 14-jährigen Musiker, Fynn Deckers und Lukas Fronhoffs wieder am Start. Das Tempo in der Thoraxtrainerloipe ist bei diesem 2. Versuch um 4-5 Sekunden langsamer, als bei seinen 2:02 Minuten. Doch es sieht nach Taktik und nicht nach Schwäche aus. Im Schießen findet Julian schnell seinen Rhythmus, doch die Uhr rückt erbarmungslos Richtung 2:10 Minuten voran. Mit seinem letzten Treffer kann der Zweite des Vorjahres nun sein fehlerloses Schießen perfekt machen. Und man möchte ihm zurufen, „schieß, es wird ganz knapp“. Julian schiesst und trifft. Er hat alles richtig gemacht. Die Zeit: 2:09 Minuten. Maßarbeit. Sascha gratuliert Julian und sieht den Führungswechsel als Herausforderung, seinerseits nun wieder zurückzukommen. So macht sportlicher Wettkampf Spaß.

Die Geschichte um den Etappensieg…

…hat mehr als zwei Protagonisten. Arnold Hendricks, der Brudermeister, gehört zweifellos dazu. Im Vorjahr war er, gleichauf mit Julian Poster, in 2:18 Minuten der erste Verfolger des Etappensiegers. Heute tritt er, gemeinsam mit Julian und mit dem neuen Schützenkaiser, Ulrich Beaujean, zum mit Spannung erwarteten Dreikampf an. Julian lässt es als Etappenführender in der Loipe etwas ruhiger angehen. Das Duell entwickelt sich im schnellen Rennen zwischen Arnold und Ulrich. Es wird klar: auch die beiden Vereinsvorsitzenden können im Kampf um den Etappensieg mitmischen. Da konnte man im vergangenen Jahr durchaus den Eindruck gewinnen, der ehrgeizige Brudermeister habe mit seinen ausgezeichneten 2:18 Minuten alle seine Trümpfe ausgespielt, doch jetzt holt der aus irgendeinem Ärmel doch noch ein Ass. Mit 2:14 Minuten kommt er der Bestzeit ganz nahe. Aber die Treffsicherheit ist noch nicht da. Ob er das auf sich sitzen lässt?

Und der neue Kaiser?. Der macht ein ganz starkes Rennen auf dem Thoraxtrainer. Und dieses mal passt bei Ulrich Beaujean auch alles am Biathlongewehr. Im vergangenen Jahr waren es 4 Treffer, vor einer Stunde 3 Treffer und jetzt ist er bei diesem heissen Dreikampf voll da. 5 Treffer und zur Etappenführung fehlt ihm lediglich der schnelle Rhythmus von Julian Poster zwischen den Schüssen. 2:16 Minuten bedeuten Platz 3. hinter Julian und Sascha.

Der letzte Angriff auf die Etappenführung

Wenn man nur eine Sekunde hinter dem Führenden zurückliegt und bereits zweiter einer Tour-Etappe war, dann möchte man natürlich mehr. Sascha von Gersum hat eingangs der letzten Etappenstunde gegen 19 Uhr seine Kräfte noch einmal gebündelt. Topfit ist er vermutlich im nunmehr 4. Einsatz am Ende eines anstrengenden Tages nicht mehr, doch der Wille kann weit tragen. Im Dreikampf mit Lokalmatador Michael Pauk und dem Mönchengladbacher Léon Doerenkamp muss sich Sascha nun vor allem auf seine Treffsicherheit bei schnellem Schießrhythmus verlassen. Im Rennen geht es mächtig zur Sache. Michael Pauk resigniert nach 200 m und steigt aus. Leon Doerenkamp ist schneller als Sascha unterwegs und schafft sehr starke 2:03 Minuten. Allerdings auf Kosten zweier Schießfehler. Als Léon seinen Wettkampf beendet, liegt Sascha mit 3 Treffern nach 3 Schüssen im Rennen. Das wird ganz eng. 4. Schuss, 4. Treffer, 2:05 min. Julian Poster steht gebannt daneben, alle Augen sind auf Saschas gerichtet. Und nun passiert ihm ausgerechnet vor dem letzten Schuss eine ungewohnte, kleine Verzögerung. Dann kommt der Schuss, Sascha trifft. 5 Treffer und die Zeit: 2:10 Minuten. Zum zweiten Mal an diesem Tag fehlt ihm diese eine einzige Sekunde auf Julian Poster, der seinen ärgsten Widersacher tröstet. Unglücklicher kann man nicht Zweiter werden, doch Sascha nimmt den Ausgang dieses Duells ganz sportlich. Für ihn ist das Pech kein Thema, sondern eher die Frage, bei welcher Etappe er den nächsten Angriff auf einen Etappensieg startet. Es ist sicher nicht unwahrscheinlich, dass sich Julian und Sascha beim Finale der Etappensieger auf Schalke am 28.12. wiedersehen werden.

Das alles wäre nie passiert, ohne Prosecco

Jeweils eine Flasche Prosecco haben die gastgebenden St. Nepomuk-Schützen für die beiden besten Wettkämpferinnen ausgelobt. Die Biathlon-Tour stockt diesen Preis noch um je 2 x Skierlebnis in der Skihalle Neuss auf.  Erfreulich ist bereits, dass im Laufe des Tages 28 Wettkämpferinnen an den Start gehen.

Bald zeigt sich, dass zumindest 4 Treffer her müssen, um eine Chance auf die feucht-fröhliche Skiparty zu haben. 3 Wettkämpferinnen liegen nach der Trefferzahl gleichauf. Mit Jana Hendricks (3:01 min)  und Elke Alraun (3:59 min) gewinnen die beiden schnellsten mit 4 Treffern. Pech hat dagegen Lara Templin, die die 4 Treffer in 5:49 min schafft und Dritte wird

Das Familien-Biathlon-Duell…

…ist eine Alpsrayer Erfindung. Man nehme eine Portion Papa, eine halbe Dosis Mama und eine Prise Kind und es wird daraus ein spannender Wettbewerb mit 6 Familien, die alle innerhalb von 20 Sekunden ins Ziel kommen. Die Väter legen mit jeweils 400 m auf dem Thoraxtrainer vor und schießen 5 x stehend. Jeden Fehlschuss büßt die Familie mit 15 Sekunden „Strafzeit“. Die Mütter legen vor ihren 5 Schüssen nur 200 m in der Loipe zurück. Die Endzeit von Vater und Mutter kann nun vom Kind bei ebenfalls 5 Schüssen mit jedem Treffer um 5 Sekunden verbessert werden. Im letzten Familienduell leisten dabei die Kids, Leon Ingenerf und Gino D’Angelo Maßarbeit ab. Leon macht 3 Treffer und unterbietet die führende Zeit der Familie Hemmers damit um 3 Sekunden. Gino trifft sogar 4 mal und bringt seine Familie wiederum 4 Sekunden vor die Ingenerfs. Alle drei Siegerfamilien werden mit Gesellschaftspielen geehrt.

 

Es gäbe noch so viele Geschichten…

die, des 69-jährigen Schorsch Rabe (im roten T-Shirt) oder die, des 15-jährigen Felix Beaujean (im eissen T-Shirt am Gewehr). Beide schaffen 5 Treffer. Der 15-jährige Gymnasiast ist der Junior in den Top10. Ebenso, wie Senior, Schorsch Rabe, hatte der junge Tennisspieler im vergangenen Jahr den Wettkampf mit 0 Treffern abgeschlossen. Die beiden rangierten damals auf den Plätzen 70 und 72.  Eindrucksvoller lässt sich das Kapitel „Verbesserung“ kaum abschliessen.

 

Gegen 21 Uhr verabschieden wir uns aus Alpsray, da ist das Fest mit Tanz im Zelt und gemütlichem Zusammensein bei herrlichem Sonnenuntergang noch voll im Gange. Wir fahren auch mit der erneuten Gewissheit, dass dieser Himmelfahrtstag in Alpsray eine ganz besondere Etappe im Tourprogramm ist, eine mit familiärer Wärme, bei der man eintauchen kann, in die gelebte Tradition dieses Schützenvereins. Liebe Alpsrayer, herzlichen Dank. Es hat wieder viel Spaß gemacht bei Euch.

Bilder: Sandra Blömeke     Text: Martin Bremer