Nachbericht zur 37. Etappe 2016 in Ahaus

Ein Wiedersehen mit der Weihnachtsstadt

Mit ihrer abschließenden Etappe war die Biathlon auf Schalke-Tour 2015, kurz vor ihrem Finale auf Schalke, auf dem Ahauser Rathausplatz und nun kommen wir an diesem Freitag vor dem 4. Advent zurück in die so herrlich lichtgeschmückte Weihnachtsstadt. Heute erhält die Biathlonarena den Marktplatz als Standort, den ca. 400 m bestens gepflegte Fußgängerzone mit dem Rathausplatz verbinden. Viele attraktive Fachgeschäfte und die Kulisse des idyllischen barocken Wasserschlosses von 1690, das nach dem 2. Weltkrieg nahezu komplett wieder aufgebaut werden musste schaffen der Ahauser Innenstadt einen Rahmen, in dem man sich richtig wohl fühlen kann.

Der Marktplatz wird geprägt vom mächtigen Turm der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt und von der überlebensgroßen, in Bronze gegossenen Figur des Mahners, einem 1967 im expressionistischen Stil erstellten Kunstwerk der Münsteranerin Hilde Schürk-Frisch, das zum „inneren Frieden“ ermahnt. Zweifellos leisten der Sport und die Bereitschaft zur Anstrengung ihren Beitrag zum inneren Frieden und speziell die Anforderungen des Biathlons an die Konzentrationsfähigkeit und Körperbeherrschung im Moment hoher Belastung trainieren gerade diese Kunst der „inneren Meisterschaft“. Insofern stehen der Mahner und das heutige Jedermann-Biathlonevent miteinander im Einklang.

Östersund, Pokljuka, Ahaus

Der besondere Reiz einer Biathlon auf Schalke-Touretappe im Dezember liegt darin, dass Millionen Menschen den Weltcup-Auftakt in ihrer Lieblings-Wintersportdisziplin am TV mitverfolgt haben. Wie oft werden wir von Biathlonfans, weiblich, männlich, alt und jung, derzeit wieder auf Laura Dahlmeier, Martin Fourcade, Ole-Einar Björndalen oder Michael Rösch angesprochen. An der Biathlonarena haben dann alle die Möglichkeit mit original Biathlongewehren selbst einmal in die Rolle des Biathleten zu schlüpfen. Durch den Umbau der Wettkampfwaffen zu Lasergewehren lässt sich dieser Sport völlig ungefährlich auf dem Marktplatz durchführen. Und auch der fehlende Schnee wird nicht zum Problem, denn die aufgebauten Loipen, sogenannte Thoraxtrainer, ahmen den Skilanglauf laut Gutachten der schwedischen Universität Umea, mit 96 %iger Korrelation nach. Diese in Skandinavien für die dortige Ski-Elite entwickelten Trainingsgeräte haben sich noch nicht bis zu Deutschlands Fitnessstudios herumgesprochen. Wer diese innovativen Trainingsgeräte ausprobieren bzw. sich damit ein Alleinstellungsmerkmal für das Gym, die Sport- oder Rehapraxis schaffen möchte, der bekommt auf jeder Biathlon auf Schalke-Touretappe dazu die Gelegenheit, gerne auch im Wettkampfmodus.

Hoher Anteil an Teilnehmerinnen

Ob es nun an den schönen Erfolgen von Laura Dahlmeier in Östersund Pokljuko liegt wissen wir nicht, doch der Damen-Anteil an den heutigen Mitmachern ist auffällig hoch. Und am Biathlongewehr sind sie keineswegs hinter den oft bundeswehrerprobten Männern zurück. Diese Erfahrung hat nach 36 Etappen  und mehr als 20.000 Mitmachern ein ordentliches Fundament. Der Skilanglauf in der klassischen Doppelstocktechnik auf dem Thoraxtrainer setzt hingegen so viel Kraft im Oberkörper voraus, dass dabei die Männer zumeist recht deutlich im Vorteil sind.

In Ahaus sind unter den 6 Wettkämpfern, die ein fehlerloses Schießen nach ihrem 400 m Skilanglauf erzielen, 2 Teilnehmerinnen. Jana Harmeling (im Bild oben) wird Etappenvierte in 2:41 Minuten. Dabei schafft sie im Duell mit dem Tour-Etappensieger aus Coesfeld, Jens Seggewiß (im Bild oben), ein „Fotofinish“. Beide setzen ihren letzten Treffer nach 2:41 Minuten. Die erst 14-jährige Ruderin aus Borken schaffte bereits den Etappensieg in Warendorf gegen 80 Mitstreiter. Sie ist sicherlich die größte Überraschung der diesjährigen Tour. Auch Carola Peters (im Bild oben) schafft das Kunststück der 5 Treffer nach Belastung. Die junge Lehrerin für Fremdsprachen in Essen verfügt sozusagen über das Schützen-Gen der Familie Peters. Im vergangenen Jahr war bereits ihre Zwillingsschwester Birgit bei der Biathlon-Tour am Start und erreichte ebenso den 6. Platz mit einem fehlerlosen Schießen. Und die Geschichte der Familie Peters ist damit für diese Etappe noch nicht zu Ende geschrieben. Doch dazu weiter unten mehr.

Das Finale der Staffel-Stadtmeisterschaft

12 der insgesamt 39 Etappen der Biathlon auf Schalke-Tour 2016 setzten einen besonderen Akzent und schrieben eine BiathlonStaffel-Stadtmeisterschaft für Viererteams. Teilnehmen konnte auch hier jede(r), die oder der 3 Kollegen/innen überzeugen konnte, bei dem Spaß mitzumachen und sich bis 3 Tage vor Etappenbeginn mit seinem Team anzumelden. In allen 12 Städten wurde die Staffelmeisterschaft zum Highlight der Etappe. Besonders stimmungsreich ging es bei den Meisterschaften in Dinslaken, Willich, Hochneukirch, Olsberg, Mayen und Eupen zu.

In Ahaus erlebten die neugierigen Weihnachtsstadt-Besucher am Freitagnachmittag ein sportlich interessantes Staffelfinale zwischen der Reservistenkameradschaft Westmünsterland und dem Team der Münsterländer Biathlon-Tour-Fans. Für die Reservistenkameradschaft hatte der Ahauser Berufskolleglehrer, Karl Peters, seine Familie aktiviert. Seine Tochter Carola ist im Absatz zuvor als zweitbeste Teilnehmerin bereits gewürdigt worden. Die „Peters-Staffel“ wird vervollständigt von Karls Tochter Astrid und Sohn Ulrich, der auch als Startläufer antritt und dabei auf die junge Jana Harmeling trifft. Für die Münsterländer Biathlon-Tour-Fans starten zudem Andreas Terwey aus Coesfeld, der Gesamtführende der Biathlon-Tour nach 37 Etappen, Dirk Harmeling aus Borken, der Tour-Etappensieger im September im Marler Stern wurde und der Coesfelder Bernd  Kleinhölting, der  bereits in Emmerich und Herne zu den Etappenbesten gehörte.

Los geht’s mit dem Duell Jana gegen Ulrich (im Bild oben und im nebenstehenden Bild). Man darf es kaum mehr als Überraschung bezeichnen, dass die 14-jährige die kräftezehrende 400 m-Strecke auf dem Thoraxtrainer nahezu gleich schnell zurücklegt, wie der fitte 23-jährige Kraftsportler Ulrich Peters. In diesen Zeiten des Geschachers um Leistungssportreformen wünschte man sich einen regionalen Mentor für Sporttalente wie Jana, denn eine international erfolgreiche Sportkarriere benötigt perspektivisch richtige Entscheidungen für die 13/14-jährigen und nicht erst kurz vor dem Eintritt ins Erwachsenenalter. Zurück zum Staffelrennen: Hier erweist sich Ulrich Peters als ganz starker Schütze, schafft 5 Treffer und nimmt Jana in 2:35 zu 2:44 Minuten 9 Sekunden ab. Zudem unterläuft Jana ein Schießfehler, so dass Ulrich seinem Vater Karl 24 Sekunden Vorsprung mit auf den Weg geben kann, der sich nun im Duell, mit Bernd Kleinhölting. Mit seinen 2:35 Minuten und 5 Treffern übernimmt Ulrich Peters zu diesem Zeitpunkt auch die Etappenführung in der Einzelwertung. Mit einer schnellen Zeit von 2:05 Minuten holt Bernd Kleinhölting 22 der 24 Sekunden gegenüber dem immerhin schon 64-jährigen Lehrer, Karl Peters, auf, doch letzterer hat die richtige Taktik gewählt, denn er schafft in 2:27 Minuten 5 Treffer, während Bernd 2 Fehlschüsse unterlaufen. Karl, der Sport unterrichtet und selbst begeisterter Langstreckenläufer ist, übergibt also 32 Sekunden Vorsprung an Tochter Carola, während Bernd an Dirk Harmeling übergibt. Die Führung in der Einzelwertung geht von Ulrich an Karl Peters weiter, der 8 Sekunden schneller ist, als eben sein Sohn. In der 3. Runde legt Dirk Harmeling (im nebenstehenden Bild) ein ganz schnelles Tempo vor. Schon zur Streckenhälfte nach 200 m hat der Schalke-Fan und  Niederlassungsleiter zweier Speditionen den 32 Sekunden-Rückstand aufgeholt und verwandelt ihn nach 400 m in einen Vorsprung  von 44 Sekunden. Doch Carola, die in ihrer Freizeit dem Turnen verbunden ist, lässt sich so leicht nicht abschütteln. Mit dem „Peters-Talent“ kämpft sie sich mit dem 3. fehlerlosen Schießen nach Bruder und Vater wieder heran und holt 30 der 44 Sekunden wieder auf, weil Dirk Harmeling mit 2 Fehlschüssen abschließt. 14 Sekunden nimmt der Beste der Tour 2016, Andreas Terwey nun für die „Münsterländer Biathlon-Tour-Fans“ mit in die Schlussrunde. Welch eine undankbare Aufgabe für  Astrid Peters, die zwar Fitnesssportlerin ist, aber der Schnellste von bisher rund 3000 Wettkämpfern der Tour 2016 macht mit jedem Stockschub doppelt soviel Meter wie die junge Mutter. Und so reichen dem Mitfavorit auf den Toursieg am 28.12. auf Schalke 2 Treffer und eine Zeit von 1:50 Minuten, um den Staffelsieg für Münsterländer Biathlon-Tour-Fans“ perfekt zu machen. Die Peters-Familie hat dem Siegerteam einen tollen Kampf geliefert und wir hoffen, dass es im nächsten Jahr in Ahaus eine BiathlonStaffel-Stadtmeisterschaft mit vielen Ahauser Sport-, Schützen- und Brauchtumsvereinen, Unternehmen, Schulklassen und Stammtischen geben wird. Beide Finalstaffeln werden von Sebastian Schürmann, dem Geschäftsführer des Ahauser Stadtmarketings (im nebenstehenden Bild in der Mitte) mit Medaillen und dem Siegerpokal geehrt.

Die Etappenführung wechselt ein letztes Mal

Welchen Anreiz der Gänsehauttag auf Schalke entfachen kann, sahen wir im Laufe des Jahres an so manchem Etappensieger der letztjährigen Tour. Der Herner René Radek gehört auch dazu. Als bester von 1386 Wettkämpfern der Tour 2015 und Etappensieger in Herne stand er im vergangenen Dezember auf Schalke im Finale und erlebte danach gemeinsam mit seiner Frau Ramona in der VELTINS-Arena den Biathlon aus der VIP-Perspektive. Für beide war klar: Ein Etappensieg 2016 muss her. Diesen Tag auf Schalke möchten sie wieder erleben. Was die beiden vielleicht nicht bedachten, ist das „Tour-Virus“, das auch auf René Heimetappe in Herne grassierte. Gleich aus 8 Städten kamen an jenem Tag siegeshungrige „knapp-Gescheiterte“ vorheriger Etappen. René musste sich trotz „Etappensieger-würdigen“ 2:02 Minuten und 5 Treffern mit Platz 4 begnügen. Bei der Etappe in Lüdenscheid (im oberen Bild unten links) schaffte er erneut ein fehlerloses Schießen. Dieses mal in 2:10 Minuten. Es reichte am Ende zu Platz 2. Doch ein wahrer Champion gibt nicht auf. Und so sehen wir Romina und René heute in Ahaus wieder. In seinem ersten Duell schafft er glänzende 1:59 Minuten, doch ein Fehlschuss steht seinem Ziel im Wege. In einem der letzten Duelle dieses Etappentages macht er dann alles richtig, nimmt kontrolliert etwas Tempo heraus, aber nicht zuviel, wartet einen „Tick“ länger vor dem ersten Schuß. Und genau das bringt ihm die nötige Präzision für die nötigen 5  Treffer. Auf seine innere Uhr kann Renè sich verlassen. Mit seinen 2:15 Minuten liegt er 12 Sekunden vor dem sympathischen Karl Peters, der mit seiner tollen Leistung nun, nach der Staffel, nun auch im Einzel mit dem undankbaren 2. Platz vorlieb nehmen muss. Doch Karl Peters ist Sportsmann genug, um die Enttäuschung über einen verpassten Sieg nicht über die Freude am Sport triumphieren zu lassen. Renè werden wir in wenigen Tagen als Finalisten auf Schalke zusammen mit seiner Frau Romina wiedersehen und sind schon gespannt, wie weit ihn sein Kämpferherz bringen wird.

Ein herzliches Dankeschön

Unser herzliches Dankeschön gilt Doris Büning (im Bild oben am Gewehr) und dem Geschäftsführer der Ahaus Marketing & Touristik GmbH, Sebastian Schürmann (im Bild oben ganz rechts). Sie waren 2015 die Ersten, die die Biathlon-Tour ins Münsterland holten. Ihre gute Pressearbeit half dabei, der Tour im Münsterland Türen zu öffnen. Die heute erfolgreiche Biathlon-Tour hatte zu Beginn viel Glück mit ihren Partnern der ersten Stunde. Diesen Erfolgsfaktor kann man nicht hoch genug schätzen!

Bilder: Dani Schwamenhöferova      Text: Martin Bremer