Nachbericht zur 31. Etappe 2016 in Darmstadt

Biathlon im Herzen der City

openerDort, wo die Wissenschaftsstadt Darmstadt pulsiert, unmittelbar am Luisenplatz, findet an diesem ersten centermanagementNovemberwochenende die 31. und zugleich 3. Hessenetappe der Biathlon auf Schalke-Tour statt. 2 Tage macht die Tour Station im Erdgeschoss des 4-geschossigen Luisen-Centers. In dieser ersten Shopping-Adresse der, mit 152.000 Einwohnern, viertgrößten hessischen Stadt nach Frankfurt, Kassel und Wiesbaden, bummeln täglich durchschnittlich 45.000 Menschen. Entsprechend groß ist der Andrang an der mobilen Biathlonarena, die vom Centermanagement um Dirk Saffran und Irina Mettbach (beide auf den Bildern rechts) die zentrale Aktionsfläche im Center zugewiesen bekommt, neben dem Schuhhaus Görtz und unter der Galerie des 1. Obergeschosses.

Über 1000 Mitmacher und 131 Wettkämpfer

b_3Eine warm-up-Phase benötigt diese Etappe nicht. Die Menschen hier in Darmstadt sind offen, haben Spaß am Mitmachen und Lust auf Herausforderung. So haben wir die Hessen auch bereits in Kassel und Marburg kennengelernt. Keine der bisher 31 Touretappen 2016 hatte mehr Wettkämpfer, als die 131 hier im Luisen-Center. Zudem testen mehr als 1000 Mitmacher ihre Treffsicherheit an den Laserbiathlongewehren.

tmm_6114Immer wieder bilden sich während der moderierten Biathlonduelle Menschentrauben an der Biathlonarena. Die Leute haben Zeit mitgebracht, selbst an diesem Freitagmittag bereits. Manch einer hat seinen Imbiss auf der Hand, genießt die Abwechselung als Zuschauer und nimmt danach das Biathlongewehr selbst in die Hand. Draussen mag der Regen gar nicht aufhören und es ist ungemütlich kalt, hier an der Biathlonarena herrscht beste Laune. Mit vielen kommen wir ins Gespräch und immer wieder wird die Überraschung artikuliert, dass das Mitmachen kostenlos ist.

Vom Zuschauer zum Mitchmacher ist der Weg nicht weit

Vom Zuschauer zum Mitmacher ist der Weg nicht weit

Erfreulich viele Teilnehmerinnen

frauenBemerkenswert ist der hohe Frauenanteil unter den Mitmachern. Dass sie dabei eine gute Figur machen und ebenso treffsicher sind, wie die militärerprobten Männer, wissen wir schon von den vorangegangenen Etappen. Doch während die Frauen häufig zunächst einen Schritt im Hintergrund bleiben, treten sie hier im Luisen-Center auffallend selbstbewusst nach vorne und zeigen ihr Interesse am Mitmachen.

Die beiden besten Wettkämpferinnen

beste_frauenDas Centermanagement schafft einen zusätzlichen Anreiz für den Wettkampf der Frauen, indem für die beste ein 50EUR-Einkaufsgutschein ausgeschrieben wurde. Um diesen entbrennt ein spannender Kampf. Alice Brücher (im Bild oben, untere Bildreihe) verpasst den Sieg knapp. Die zweifache Mutter hat ihre beiden größten Fans zur Unterstützung dabei und schafft mit ihren 5 Schüssen nach dem 400 m Skilanglauf in der Thoraxtrainer-Loipe 4 Treffer. Ihre Zeit: 3:54 min.

Noch besser ist die 22-jährige Mona Abedi (im Bild oben, obere Bildreihe). Die Rüsselsheimerin, die am Frankfurter Flughafen arbeitet, ist beim 400 m-Skilanglauf etwas schneller als Alice und schafft am Biathlongewehr ebenso 4 Treffer. Ihre Zeit: 3:27 min. Herzlichen Glückwunsch, Mona, zum Gewinn des Einkaufsgutscheines.

17-jähriger Darmstädter geht in Führung

altanIm ersten Duell am Freitagmorgen erzielt der 17-jährige Darmstädter Gymnasiast, Altan Durak, gleich 5 Treffer. Darauf warten wir bei manchen Etappen mitunter stundenlang. Der Basketballer ist mit seinen Freunden im Luisen-Center, doch im Wettkampf lässt er sich nicht ablenken, schiesst hochkonzentriert und setzt mit 2:57 Minuten ein erstes Ausrufezeichen, das den gesamten Tag über Bestand haben  und von keinem der 68 Wettkämpfer des Freitages verbessert werden sollte.

Die schnellen Skilangläufer

tmm_5702Skilanglauf im Shopping-Center, wie geht das denn? Es geht sehr gut, mit dem in Skandinavien entwickelten funktionellen Ganzkörpertrainingsgerät Thoraxtrainer. 96 %ige Korrelation zum Skilanglauf weist die wissenschaftliche Studie der schwedischen Universität Umea diesem innovativen Fitnessgerät aus, das während der Tour-Etappen die Loipen nachbildet. 400 m legen die Wettkämpfer, jeweils in Duellform gegeneinander zurück, bevor das Stehendschießen mit 5 Schüssen auf 60 mm-Ziele stattfindet. Was in Ruhe noch recht einfach erscheint, wird nach der Belastung plötzlich recht anspruchsvoll. tmm_5704Immerhin 8 von 131 Wettkämpfer schaffen ein fehlerloses Schießen mit 5 Treffern und belegen die ersten 8 Plätze. Ein schneller Skilanglauf, dem Schießfehler folgen, führt nicht zu einer Top-Platzierung. Diese Erfahrung muss z.B. der Este Erki Alamaa (nebenstehendes Bild in der blauen Jacke) machen. Der 41-jährige Sportlehrer an der Gesamtschule in Griesheim betreibt sein Hobby Skilanglauf intensiv und hat bereits an den 4 großen Skimarathons (u.a. Wasa-Lauf) teilgenommen. In der Luisen-Center-Loipe ist er heute der Schnellste mit 2:11 Minuten, doch mit zwei Fehlschüsse kann er den führenden, Altan Durak, nicht verdrängen.

Bundesliga-Sportler mit ruhiger Hand

thomas_kasperAuch Thomas Kasper (im grauen T-Shirt) schafft die 400 m in der Loipe schneller als Altan Durak. Der 26-jährige Paintball-Sportler, der diesen Sport in der 1. Bundesliga ausübt, ist zweitschnellster des Freitags mit 2:14 Minuten. Beim Schießen zeigt der Mechanikstudent aus Darmstadt eine ruhige Hand, doch es reicht trotzdem nicht ganz für die Etappenführung. Ein einziger Fehler bringt ihm mit 4 Treffern in der Schlusswertung Platz 10.

Internationales Darmstadt

internationalSpanien

Eine Biathlon auf Schalke-Touretappe ist immer auch eine Art kleine Sozialstudie. Hier in Darmstadt finden wir ein bemerkenswert vielfältiges internationales Publikum vor. Wettkämpfer aus mehr als 30 verschiedenen Nationen gehen an den Start. Im Bild oben, oben links etwa die beiden spanischen Architekten Jorge Ceballos Velasio und Cesar Prados. Cesar aus Madrid vermisst im Darmstädter November die Wärme und geht sogar im angenehm temperierten Luisen-Center mit Mütze in den Wettkampf. Die beiden Spanier wohnen und arbeiten in Darmstadt. Jorge aus Salamanca gewinnt das spanische Duell und erreicht mit 4 Treffern und 2:35 Minuten Platz 13 unter 131 Wettkämpfern.

Indien

Noch besser macht es der indische IT-Student, Shubham Sumalya (Bild oben, unten links). Er kommt gemeinsam mit seiner Kommillitonin Janvi Adiecha. Beide sind seit 6 Monaten in Darmstadt und möchten nach ihrem Studium auch in Deutschland Arbeit finden. Der 24-jährige Hobbybasketballer legt im Biathlonduell ein perfektes Schießen hin und wird 8. der Etappenwertung.

USA

Der US-Amerikaner Paul Gerhardt (im Bild oben, oben rechts) wohnt in Griesheim und arbeitet in der Security. Der 31-jährige aus Wahington kennt die Sportart Biathlon nicht, was seiner Begeisterung für die Herausforderung keinen Abbruch tut. Und er macht es großartig: 4 Treffer in 2:51 Minuten bringen ihm Platz 16.

Syrien

Zum aktuellen Thema „Integration“ steht hier stellvertretend der Syrer Azmary Raessi (im Bild oben, unten rechts). Der 26-jährige ist seit einem knappem Jahr in Deutschland und fällt durch seine Freundlichkeit auf. Er sucht immer wieder das Gespräch und bemüht sich um die passenden deutschen Worte. Nach seinem ersten Biathlonduell zeigt er uns eine ca. 15 cm lange Narbe an seiner Schulter. Seine Kriegsverletzung musste in Deutschland zunächst operiert werden, als er hier ankam. Wir wünschen ihm, dass alle Narben dieser schwierigen Lebensphase im Laufe der Zeit wieder verheilen können.

Führungswechsel am Samstag

mo_shabanViermal geht im Laufe der beiden Tage der ehrgeizige Syrer Mohammed Shaban ins Biathlonduell.  Zunächst will es für den 20-jährigen aus Frankfurt nicht so recht laufen. 4 Fehlschüsse reichen nur für eine hintere Platzierung. Doch schon mit seinem 2. Start am Freitag kommt der Fitnessfan, der später Trainer im Studio werden möchte, mit 4 Treffern und 2:43 Minuten den Top 10 nahe. Sein 3. Duell bringt ihm 2:19 Minuten und nur der Fehler beim letzten Schuss trennt ihn von der Etappenführung. Am Samstag ist er dann wieder da, mit Muskelkater, aber doch auch mit dem Ehrgeiz als Sieger zum Biathlon auf Schalke fahren zu dürfen, den er zwischenzeitlich „gegoogelt“ hatte. Und jetzt läuft alles bestens für ihn. Den Willen zur Verausgabung auf der 400 m-Strecke hat er ohnehin, doch nun kommt auch eine ungebrochene Konzentration dazu, die  ihm das fehlerfreie Schießen bringt. Mit 5 Treffern in 2:27 Minuten übernimmt Mohammed Shaban die Etappenführung. Den gesamten weiteren Tag verbringt er an der Biathlonarena und fiebert seinem Sieg entgegen.

Mit Handicap unter die Besten

saschaMindestens so anstrengend, wie das Biathlon-Duell selbst, ist für Sascha Gritsch die Kommunikation, um überhaupt teilnehmen zu können. Der Darmstädter ist taubstumm. Bewundernswert lebendig umgeht er die Hürden, die sich deshalb vor ihm auftun. Er ist ein guter Beobachter und versteht es, sich mit seiner Körpersprache durchzusetzen. Im Luisen-Center ist er alleine, ohne Betreuer. Nach seinem Biathlonduell erhält er Szenenapplaus des Publikums. Sascha, der auch Fußball und Basketball spielt, schafft starke 4 Treffer und wird mit 3:13 Minuten 24. von 131 Wettkämpfern. Wir ziehen unsere Hüte und verneigen uns!

Ein Moment des Jubels  und des Mitleids

nguyenSamstagabend, kurz vor 18 Uhr. Die 31. Etappe der Biathlon auf Schalke-Tour im Luisen-Center wird nach zwei 7-stündigen Etappentagen in wenigen Minuten zu Ende sein. Der mit 2:27 Minuten und 5 Treffern führende Mohammed Shaban freut sich auf die Siegerehrung und auf seinen Gewinn, die beiden VIP-Tickets für den Biathlon auf Schalke am 28.12. in der VELTINS-Arena. Vor ca. 4 Stunden holte er sich die Führung und wartet seitdem auf diesen Moment, der seinen Sieg entgültig macht. Ein letztes Duell lässt der Zeitrahmen der Etappe noch zu. Es tritt der 16-jährige Michael Nguyen (im Bild oben, unere Bildreihe) an, der gestern bereits an einem Biathlonduell teilnahm. Heute hat er seinen 26-jährigen Neffen, Maik Nguyen-Quok (im oberen Bild, obere Bildreihe) mitgebracht. Während die Urkunde für Mohammed bereits vorbereitet wird gehen Maik und Michael ins Rennen. Wie so mancher heute, legt Maik mit hohem Tempo los. Ob der Bauingenieur-Student aus Darmstadt dieses Tempo durchhalten kann? Über das Mikro verabschiedet sich das Tourteam von den Darmstädtern und bedankt sich beim Centermanagement des Luisen-Centers. Im Lee der Worte kämpfen sich Maik und Michael durch die 400 m-Loipe. Maik, der regelmäßig ins Fitness-Studio geht, schafft das in beachtlichen 1:45 Minuten. Am Biathlongewehr lässt er sich kaum Verschnaufpause. Was bei den meisten zum Fehlschuss führt, kann Maik nicht stoppen. Er trifft mit dem ersten Schuss und nun geht es für ihn wie auf einer Woge im ganz schnellen Rhythmus zum zweiten, dritten, vierten Treffer. Neben ihm kommt nun Michael zum 2. Gewehr. Was macht Maik mit dem letzten Schuss? Er wartet keine Sekunde zu lange, schiesst und trifft. Und die Zeit? 2:23 Minuten. Um 4 Sekunden ist er schneller, als der bisher führende Mohammed Shaban. Ein Last-Second-Sieg für Maik Nguyen-Quok, wie wir ihn schon einmal auf der 17. Etappe in Gersthofen erlebt haben, als Irina Bychkova ihr happy end erlebte, während der 14-jährige Michael Kraus, als bis dahin Führender, die Tränen in den Augen stehen hatte. Auch hier im Luisen-Center stehen Freude und Enttäuschung nun dicht nebeneinander. tmm_6394Welch ein zerrissener Moment. Maik, seine Frau Quynh und Michael, der in 3:17 Minuten ebenfalls noch 5 Treffer erzielt und  6. wird, jubeln, während Mohammeds Gesichtsausdruck nun leer wirkt. Doch der junge Kraftsportler wird sein Lächeln bald wiederfinden, denn er hat in den letzten Jahren ganz andere Enttäuschungen gelernt zu verkraften. Auf seinem Weg zum Fitnesstrainer wünschen wir ihm viel Erfolg!

Mit dem Sieg von Maik Nguyen-Quok endet die Etappe in Darmstadt und wir bedanken uns herzlich beim Centermanagement des Luisen-Centers für das Vertrauen und die freundliche Zusammenarbeit.

Bilder: Dani Schwammenhöferova     Text: Martin Bremer

O-Töne:

Irina Mettbach, Centermanagement: vielen Dank für das positive Feedback. Auch wir haben die Biathlon Aktion im Center als Erfolg für unsere Kunden und das Center werten können.

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