Nachbericht zur 10. Etappe 2016 in Borken

Vom Glück, am richtigen Ort zu sein

OIQ_7063Relaxte Wochenendatmosphäre empfängt uns in der Kreisstadt Borken. Inmitten des kleinen Wochenmarktes erhält die Biathlon-Tour den Platz an der Sonne, umgeben von Blumen, Beeren, Blutwurst, Backwaren und vielem mehr aus regionaler Erzeugung. Der von hohen Laubbäumen gesäumte Marktplatz, eingerahmt von Stadtmuseum, Kornmarkt, Heilig-Geist- und Remigiuskirche ist das Herz der Borkener Altstadt.

Was hätte unser heutiger Nachbar, der Janusbrunnen wohl vor 2 Tagen gesagt, als noch Unwetter hier durch das Westliche Münsterland jagten, für Überschwemmungen sorgten und die Aussichten auf das Wochenendwetter mehr als trübe ausfielen? Die doppelköpfige römische Gottheit soll ja, dem Mythos nach, in die Vergangenheit und Zukunft geschaut haben. Ob er uns von herrlicher Sommersonne und blauem Himmel erzählt hätte, wie wir beides heute hier auf dem Marktplatz genießen dürfen? Egal, wir freuen uns einfach darüber!

 

Borken lädt ein

OIQ_7041Schon am Morgen weht ein Hauch von Festtagsstimmung durch die Borkener Altstadt. Die Menschen sind auf den Beinen und haben gute Laune mitgebracht. Der lokale TV-Sender Borio filmt die ersten Biathlonduelle und auch der Fotograf der Borkener Zeitung gehört zu den frühen Gästen.OIQ_7048

Auf den Plätzen  nebenan wird ebenfalls gefeiert. Bacchus ist zu Gast auf dem Kirchplatz und hat Winzer von Mosel, Nahe und aus Rheinhessen mitgebracht, während Borken lädt ein am Kornmarkt  Gäste und Einheimische mit einer großen Kaffeetafel empfängt, deren Erlöse minderjährigen Migranten zugute kommen sollen, die in Borken ohne Eltern leben müssen.

Frühstart, aber kein Fehlstart

a_1Um 11 Uhr soll die Etappe planmäßig starten, doch bereits um 10 Uhr sind wir startklar, weil der Aufbau des eingeplanten  Regendachs von Himmel und Sonne „weggelächelt“ wird. Neugierig und so ansteckend gut gelaunt nähern sich die Borkener der Biathlonarena, dass wir kurzerhand den „Startschuss“ eben eine knappe Stunde vorverlegen. Und gleich wird es voll rund um die Thoraxtrainer und die Biathlongewehre. Die ersten 3 Biathlonduelle finden noch vor Ankunft unseres Fotografen statt, so dass wir ausnahmsweise von zwei ganz starken Wettkämpfern keine Bilder präsentieren können: Der 34-jährige Maurermeister Christian Sahle legt im ersten Duell gleich 4 Treffer vor und erreicht die Zeit von 2:40 Minuten. Doch der Borkener, der mit seiner Schwester antritt, muss die Etappenführung gleich im nächsten Duell an den 44-jährigen Rekener Detlef Josephs abgeben, der ebenfalls 4 Treffer bei 5  Schüssen erzielt, jedoch die Zeit von 2:35 Minuten erreicht. Der Feuerwehrmann ist zusammen mit seiner Frau Daniela nach Borken gekommen und hat richtig Spaß am Biathlon-Frühsport.

Was sind eigentlich Biathlon-Engel?

a_2Biathlon-Engel kennen Sie nicht? Da haben Ihnen die Borkener Biathlonfans nun etwas voraus. Biathlon-Engel sind nicht immer so hübsch, wie Julia und Maike und auch nicht immer von der ersten bis zur letzten Minute des Events so engagiert in der Betreuung der Neugierigen, wie Julia und Maike. Aber es sind jene Helfer/innen, die erst ermöglichen, dass die Biathlon auf Schalke-Tour rund 500 Schnupperschützen jeden Alters an einem solchen Etappentag eine Mitmachgelegenheit ohne lange Wartezeit bieten kann. Ob 6- oder 80-Jährige(r), unsere beiden Biathlon-Engel finden die richtige Ansprache in der Vermittlung des Biathlongewehrs. Herzlichen Dank, liebe Julia und liebe Maike, und ein ebenso herzliches Dankeschön an das Stadtmarketing Borken für die „Engelorganisation“.

Christian F. übernimmt die Führung

a_4Jetzt sind wir wieder voll im Bilde.  Das schnelle Duell zwischen Tobias Meinhardt (rötliches T-Shirt) und Christian Friß  gewinnt der bessere Schütze: Christian Friß, Ingenieur aus Gemen, war 2011 bereits Schützenkönig des BSV Gemen. Der 37-Jährige Biathlonfan schafft 4 Treffer und übernimmt mit 2:27 Minuten die Etappenspitze. Auch Tobias ist Biathlonfan, baute sich als Kind sogar einen Biathlonschießstand im heimischen Schuppen. Heute geht er zweimal an den Start und zeigt auf dem Thoraxtrainer beim 400 m Skilanglauf eine gute Technik und kraftvolle Umsetzung. Seine 2:22 Minuten sind sehr überzeugend, doch 3 Treffer reichen nicht für einen der vorderen Plätze. Ein Schuppen-Trainingslager hätte vielleicht geholfen?

Erst mal schauen dann sich trauen

a_5Eine gewisse Hemmschwelle ist natürlich immer da. Viele, die später zu begeisterten Wettkämpfern der Tour werden, schauen zunächst recht lange zu. Womit wird denn da geschossen? Ist das gefährlich? Wie funktioniert denn Skilanglauf auf der Stelle? Darf jeder teilnehmen und was kostet das? Kann ich das überhaupt oder blamiere ich mich vielleicht? Darf ich erstmal üben? Gibt es was zu gewinnen und wie lange muss ich warten, wenn ich teilnehmen möchte? Diese Fragen stellen sich hunderte Male am Etappentag und sie gehören einfach dazu bei dieser Tour, die ja – bei aller  Kommunikation und Ankündigung, auch eine spontane Einladung an Neugierige sein soll.

Vom Neugierigen zum Etappenführenden schafft es der 55-Jährige Borkener Heinrich Chrusch (auf den Bildern im hellblauen T-Shirt). Der Techniker schafft als erster Wettkämpfer ein fehlerfreies Schießen und setzt sich in 3:17 Minuten mit seinen 5 Treffern zunächst auf Platz 1.

Die Leiden des jungen Hamsa

a_6Am Morgen noch sieht es der 21-jährige Biathlonfan Ramsa Omeirate ganz locker, als er mit 3 Treffern und 2:47 Minute einen vorderen Platz verpasst, schließlich hatte der KFZ-Mechatroniker  ja auch nie zuvor selbst geschossen. Nach dem ersten fehlerlosen Schießergebnis durch Heinrich Chrusch geht der Sohn zweier Libanesen dann erneut an den Start zum 400 m Skilanglauf auf dem Thoraxtrainer. Schnell genug ist der Stürmer des hiesigen Kreisliga A-Fußballclubs Westfalia Gemen und beim Schießen hat er offensichtlich ganz rasch gelernt. Vor seinen finalen Sekunden stehen 4 Treffer nach 4 Schüssen und der Moderator weist bereits auf den nahen Führungswechsel hin, doch der gemeine letzte Schuss bringt die Hand noch zum zittern. 4 Treffer bei 2:42 Minuten sind ein ganz starkes Ergebnis, aber für Hamsa doch zugleich auch ein bitteres, weil dieser eine Fehlschuss die Etappenführung kostete und  die  greifbar nahen zwei VIP-Karten für den Biathlon auf Schalke am 28.12. in der VELTINS-Arena nun wieder weit entfernt scheinen. Hamsas kleines Biathlon-Drama nimmt seinen Lauf, denn der gebürtige Berliner, der vor einem Jahr mit seiner Frau „aufs Land“ nach Borken zog, wird noch weitere 2 Stunden Gast an der Biathlonarena bleiben und weitere drei Anläufe auf die Etappenführung nehmen. Und noch zweimal müssen wir daumendrückenden Zuschauer erleben, wie ihm nur ein einziger Treffer zur Etappenführung fehlt. Das Tourvirus hat ihn befallen und je größer sein Siegeswille wird, desto selbständiger macht sich das Händchen, das irgendwann zu zittern beginnt. Am Ende seines 5. Starts findet Hamsa sein lächeln trotz des Fehlschusses zurück. Ein fehlerfreies Schießen lässt sich eben nicht erzwingen. Wir hoffen, dass wir den sympathischen „Mann mit der Mütze“ am 26.06. zur Biathlon auf Schalke-Touretappe in Kleve wieder begrüßen dürfen. Die Tour lehrt, dass es dann sein Tag werden könnte.

Der Kampf um den Etappensieg ist eingeleutet

a_7Spätestens das erste fehlerlose Schießen durch Heinrich Chrusch hat die Suche nach Borkens bestem Biathleten in einen sportlichen Kampf verwandelt. Zu jenen, die sich herausgefordert fühlen, gehören auch die Freunde Sebastian Kaß (mit Sonnenbrille) und Sven Finke.  Deutlich schneller „arbeiten“ sich die beiden in Doppelstocktechnik durch die virtuelle 400 m-Loipe, als der bisher Führende Heinrich, doch das gelang vor ihnen schon einigen, bevor sie dann bei zumindest einem der 5 Schüsse die Konzentration verließ. Doch Sven, der 26-jährige Student für Bauingenieurwesen bringt auch für das Biathlonschießen die nötige Präzision mit und wird in 2:32 Minuten zum zweiten fehlerfreien Schützen des Tages. Damit unterbietet er Heinrichs Zeit um gleich 45 Sekunden. Doch während der im hiesigen Schützenverein St. Johanni aktive noch darüber nachdenkt, ob er zum Biathlon auf Schalke am 28.12. nun seine Freundin Carina oder Kumpel Sebastian mitnehmen wird, geht die Jagd um den Etappensieg bereits in die nächste Runde.

Ein Vater-/Tochterduell begeistert

a_8Schon einige Zeit verbringt die Familie Harmeling aus Borken-Gemen an der Biathlonarena. Vater Dirk und Tochter Jana üben fleißig das Biathlonschießen, während die Mutter sichtlich Spaß am fotografieren hat. Als Dirk mit der 13-jährigen Jana ins Biathlonduell starten möchte, empfehlen wir „Unwissenden“,  den beiden lieber jeweils gleichstarke Gegner zuzuordnen. Wie gut, dass die beiden auf das gemeinsame Duell pochen, denn die junge Jana erweist sich auf dem Thoraxtrainer als derart schnell, wie wir es nicht für möglich gehalten hatten. Dirk ist schon schnell, läuft in dem Bereich, der zur Etappenführung reichen könnte, doch er kann seine Tochter kaum distanzieren. Selbst auf den letzten 100 m des 400 m-Skilanglaufs bleibt Jana stark und geht mit nicht einmal 30 m Rückstand auf den Papa ans Biathlongewehr. Später erfahren wir, dass Jana Handball spielt und vor allem begeistert Dragonbootrennen fährt und dafür auch so manches hartes Trainingslager durchzustehen bereit ist. Beim Schießen lernt sie rasch. Im Duell mit ihrem Vater reicht es schon zu 2 Treffern. Später wird sie nochmals an den Start gehen und dann bereits 4 von 5 Schüssen ins Ziel bringen. Solche Sporttalente, wie Jana braucht der Sport. Es macht einfach Spaß, der 13-Jährigen zuzuschauen! Doch auch der Vater sorgt für Furore. Mit einer ganz schnellen Schußserie schafft Dirk nicht nur 5 Treffer, sondern unterbietet die eben erst aufgestellte Bestzeit von Sven um 6 Sekunden auf 2:26 Minuten. Damit wird die Luft schon recht dünn für diejenigen, die dem Niederlassungsleiter zweier Speditionen den Etappensieg nun noch entreissen möchten.

2 Duelle der Zwillingsschwestern

a_9Gleich zweimal gehen heute Zwillingsschwestern ins Duell. Zunächst Lea und Jana van Almsick (auf den oberen Bildern im weißen und rosa Top). Jana (rosa) schafft 3 Treffer und gewinnt das Duell. Noch besser machen es Ronja und Iljana Stemmer (die unteren beiden Bilder der obigen Zusammenstellung). Die beiden Sportschützinnen im SSV Borken sind am heutigen Tag heftig vom Heuschnupfen heimgesucht, doch verbringen sie einige Stunden an der Biathlonarena. Im Duell schafft Ronja 4 Treffer, während Liljana zwar etwas länger benötigt, aber als erste und heute einzige Wettkämpferin ein fehlerloses Schießen schafft. Die 22-jährige, die in Duisburg eine Ausbildung zur Werkstoffprüferin absolviert, nimmt für den SSV Borken an Landesmeisterschaften teil. Für einen Etappensieg fehlt den beiden Zwillingsschwestern nun noch ein „zähes“ Ausdauertraining und ein Etappentag, an dem keine Pollen durch die Luft fliegen. Wir bieten: Etappe in Ahaus am 16.12. und sind schon gespannt, ob Ronja und Iljana ihren Plan umsetzen können, bis dahin ihre Ausdauer der schon vorhandenen Schießkunst weiter anzunähern? Die Zeit läuft!

Die Tour schreibt weiter ihre Geschichten

a_10Wiedersehen macht Freude. Das gilt definitiv auch für die Biathlon-Tour. Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis für uns, wenn Wettkämpfer eine Folge-Etappe besuchen, um vielleicht doch noch als Etappensieger das Finale am 28.12. auf Schalke zu erreichen. Nicht selten investieren sie dafür viel Fahr- und Freizeit. Was wäre etwa eine Etappe im Umkreis von 100 km von Rheinberg ohne den Besuch von Arnold Hendricks und seiner Bärbel? Nachdem Arnold bei seinem „Heimspiel“ in Rheinbach-Alpsray als Etappenzweiter in starken 2:18 Minuten nur ganz knapp sein persönliches Happy End verfehlte, wütet das Tourvirus weiter in ihm und erzwingt schließlich die Tagesfahrt nach Borken.

Und nun? Wird es heute sein Tag? 2:26 Minuten und 5 Treffer…das kann er, hat es in  Rheinberg am 5.5. bereits bewiesen. Und tatsächlich legt er auf dem Thoraxtrainer los, wie wir ihn kennen. Nach 1:40 Minuten geht er konzentriert ans Biathlongewehr und legt zielsicher einen Treffer nach dem anderen hin. 4 Schüsse, 4 Treffer doch das Tourvirus erweist sich einmal mehr als Spielverderber. Der verflixte 5. Schuss will nicht ins Schwarze, dabei hätten die 2:23 Minuten doch exakt gereicht. Nun muss der sympathische Gärtnermeister  weiter graben, um den „Schlüssel“ für’s Finale auf Schalke zu finden. Wir freuen uns auf Euch in Kleve!

Und dann kommt der Bär aus Billerbeck

a_11Und noch so eine Tourgeschichte, wie jene mit Arnold, ist die des Andreas Terwey. Auf der Etappe in Coesfeld entdeckte Andreas die Biathlon-Tour nur zufällig beim Bummeln mit seiner Frau und den beiden Töchtern. Weil er gerne schießt machte er mit und lag mit seinen 2:16 Minuten und 5 Treffern bis kurz vor Etappenende ganz vorne, bevor Jens Seggewiß ihm den Etappensieg noch vor der Nase wegschnappte. Auch Andreas erzählt uns von dem Tourvirus, als er uns auf der Etappe in Rheinberg wieder besucht. Dort wollte es dann mit der Treffsicherheit nicht ganz passen, während seine Zeit von 2:09 Minuten auch dort zum Sieg gereicht hätte. Nun in Borken hat der Fliesenleger aus Billerbeck nur zwei Wünsche: Die Treffsicherheit wiederfinden und das Anliegen an den Autor dieser Zeilen, doch bitte in der Moderation über etwas anderes zu palavern, als über seine Person. Hmmm?!

Auf dem Thoraxtrainer kann Andreas wahrlich als Musterbeispiel für die richtige Technik dienen. Mit dem einzelnen Schub schafft er bis zu 7 Meter. Statt auf Frequenz setzt er auf den kraftvollen, weiten Schub. Genau darin liegt das Erfolgsrezept für den Thoraxtrainer. Nach 1:27 Minuten beendet Andreas den 400 m-Skilanglauf. Schneller schaffte das auch der bisher Gesamtführende der Tour, Jens Seggewiß, nicht. Anders, als in Rheinberg, lässt sich Andreas nun einige Zeit vor dem ersten Schuss und trifft. Die innere Uhr scheint bei ihm mitzuticken, denn er lässt Sekunde um Sekunde verstreichen. Doch die Schüsse gehen weiterhin ins Schwarze. 4 Schüsse, 4 Treffer. Schlägt jetzt das Tourvirus wieder zu? Der letzte Schuss. Die Zeit würde reichen: 2:18 Minuten. Und es ist geschafft. 5 Treffer für Andreas . Die Reise nach Borken hat sich für den in Billerbeck arbeitetenden Coesfelder gelohnt. Und dass er auch beim Finale auf Schalke weit vorne landen kann, zeigt er bei seinem zweiten Start an diesem Tage, den er nach 1:57 Minuten beendet, allerdings mit „nur“ 4 Treffern. Damit ist Andreas Terwey der erste Wettkämpfer der Tour 2016, der unter 2 Minuten bleibt. Wir sind gespannt, wohin die Tour-Reise des Andreas Terwey noch führen wird und sagen Herzlichen Glückwunsch!

Ein herzliches Dankeschön

Nachbericht Borkener Zeitung

Unser abschließender Dank gilt dem Borkener Stadtmarketing für die freundliche und so unkomplizierte Unterstützung, nicht nur in der schon erwähnten „Engelorganisation“, sondern auch bei der Pressekommunikation, der Aufbauorganisation oder der kurzfristig nötig gewordenen Beschaffung einer mobilen Beschallung. Wir hatten es rundum gut in Borken!

Fotos: Klaus Kremer             Text: Martin Bremer

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