10. Etappe 2017: Der Sieger aus Rheinberg-Alpsray im Porträt

Der Lokalmatador schafft’s mit Maßarbeit

Im vergangenen Jahr siegte mit dem Kamp-Lintforter Matthias Wörmann ein Gast. Sozusagen auf den letzten Metern der Etappe entriss der Bundeswehrsoldat dem über den ganzen Tag führenden Lokalmatador, Julian Poster, seinerzeit den Etappensieg mit einer Zeit von 2:10 Minuten. Julian schaffte 2:18 Minuten. Und auch am heutigen Tag ist es ein „Gast“ auf dem St. Nepomuk-Schützenfest, Sascha von Gersum aus Duisburg-Friemersheim, der mit genau diesem Resultat von 2:10 Minuten und 5 Treffern bereits am Mittag die Etappenspitze erklimmt. Ein Déjà-vu für Julian Poster? Der 28-jährige Sportschütze und Biathlonfan wehrt allzu große Ambitionen denn auch zunächst ab, aber vielleicht nur darum, um sich Luft zu verschaffen für einen Konter. In seinem Duell mit Niklas Foth wird aber gleich deutlich, dass der Kampf um den Etappensieg noch über einige Runden gehen könnte und er sicher dabei sein wird. In 2:02 Minuten erzielt Julian eine Spitzenzeit und nur ein kleiner Schießfehler trennt ihn nach diesem ersten Versuch von der Etappenführung.

Eine knappe Stunde gönnt sich Julian Erholungszeit, dann steht er zusammen mit dem Vorjahresfünften, dem erst 14-jährigen Musiker, Fynn Deckers und Lukas Fronhoffs wieder am Start. Das Tempo in der Thoraxtrainerloipe ist bei diesem 2. Versuch um 4-5 Sekunden langsamer, als bei seinen 2:02 Minuten. Doch es sieht nach Taktik und nicht nach Schwäche aus. Im Schießen findet Julian schnell seinen Rhythmus, doch die Uhr rückt erbarmungslos Richtung 2:10 Minuten voran. Mit seinem letzten Treffer kann der Zweite des Vorjahres nun sein fehlerloses Schießen perfekt machen. Und man möchte ihm zurufen, „schieß, es wird ganz knapp“. Julian schiesst und trifft. Er hat alles richtig gemacht. Die Zeit: 2:09 Minuten. Maßarbeit. Sascha gratuliert Julian und sieht den Führungswechsel als Herausforderung, seinerseits nun wieder zurückzukommen. So macht sportlicher Wettkampf Spaß.

Der letzte Angriff auf die Etappenführung

Wenn man nur eine Sekunde hinter dem Führenden zurückliegt und bereits zweiter einer Tour-Etappe war, dann möchte man natürlich mehr. Sascha von Gersum hat eingangs der letzten Etappenstunde gegen 19 Uhr seine Kräfte noch einmal gebündelt. Topfit ist er vermutlich im nunmehr 4. Einsatz am Ende eines anstrengenden Tages nicht mehr, doch der Wille kann weit tragen. Im Dreikampf mit Lokalmatador Michael Pauk und dem Mönchengladbacher Léon Doerenkamp muss sich Sascha nun vor allem auf seine Treffsicherheit bei schnellem Schießrhythmus verlassen. Im Rennen geht es mächtig zur Sache. Michael Pauk resigniert nach 200 m und steigt aus. Leon Doerenkamp ist schneller als Sascha unterwegs und schafft sehr starke 2:03 Minuten. Allerdings auf Kosten zweier Schießfehler. Als Léon seinen Wettkampf beendet, liegt Sascha mit 3 Treffern nach 3 Schüssen im Rennen. Das wird ganz eng. 4. Schuss, 4. Treffer, 2:05 min. Julian Poster steht gebannt daneben, alle Augen sind auf Saschas gerichtet. Und nun passiert ihm ausgerechnet vor dem letzten Schuss eine ungewohnte, kleine Verzögerung. Dann kommt der Schuss, Sascha trifft. 5 Treffer und die Zeit: 2:10 Minuten. Zum zweiten Mal an diesem Tag fehlt ihm diese eine einzige Sekunde auf Julian Poster, der seinen ärgsten Widersacher tröstet. Unglücklicher kann man nicht Zweiter werden, doch Sascha nimmt den Ausgang dieses Duells ganz sportlich. Für ihn ist das Pech kein Thema, sondern eher die Frage, bei welcher Etappe er den nächsten Angriff auf einen Etappensieg startet. Es ist sicher nicht unwahrscheinlich, dass sich Julian und Sascha beim Finale der Etappensieger auf Schalke am 28.12. wiedersehen werden.